Erinnerungen an eine besondere Freundschaft: Edith Wagner wird ihre jüdische Freundin nie vergessen

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 Denkt mit Wehmut an „ihr Ruthle“: Die Wangenerin Edith Wagner, die einige Ereignisse rund um ihre jüdische Freundin miterlebte.
Denkt mit Wehmut an „ihr Ruthle“: Die Wangenerin Edith Wagner, die einige Ereignisse rund um ihre jüdische Freundin miterlebte. (Foto: Susi Weber)
Redaktionssekretariat

Er war äußerst beliebt, jener Martin Lindauer, Vater von Ruth Lindauer und Viehhändler. Er hatte bereits im Ersten Weltkrieg als 17-Jähriger freiwillig gedient – und war deshalb mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. So jedenfalls ist es im Buch „Verdrängte Jahre? – Wangen im Allgäu 1933 bis 1945“ von Autorin Birgit Locher-Dodge (heute Locher-Finke) zu lesen.

Ursprünglich kam die Familie, so Stadtarchivar Rainer Jensch, aus Esslingen. Schon 1911 gab es in Wangen eine Filiale der „Viehhandlung Lindauer und Söhne“. 1927 wurde der Firmensitz von Hermann und Martin Lindauer nach Wangen verlegt. 1929 meldete Martin Lindauer zur bestehenden noch eine eigene Viehhandlung auf seinen Namen an. Nach dem Tod von Hermann, der zur Miete auf der Berger Höhe gewohnt hatte, kam Martin Lindauer im Jahr 1934 dann in den alleinigen Besitz der Viehhandlung am Klosterberg. Martin Lindauer, der Vater von Ruth Lindauer, verkaufte 1938 noch vor der Reichspogromnacht seinen Besitz am Klosterberg. Zum Jahreswechsel 37/38 griffen neue Verordnungen und Gesetze, die jüdischen Viehhändlern die Zulassung entzogen. Zuvor schon, im April 1937, hatte man im Wangener Gemeinderat darüber diskutiert, ob man, wie in anderen Städten, die Anwesenheit auf den Wangener Märkten verbieten solle. Die Frage wurde zurückgestellt, da man damit rechnete, dass Lindauer ohnehin seinen Wohnsitz bald verlegen werde. Unmittelbar nach der Reichskristallnacht kehrte Martin Lindauer, vermutlich in Unterschätzung der Bedrohung und Gefahr, noch einmal nach Wangen zurück, um den Verkauf seines Besitzes zu regeln. Er klopfte nachts an die Tür seines Freundes Hugo Sigerist, der ihm, so ist es in „Verdrängte Jahre“ zu lesen, klar signalisierte, dass er noch immer sein Freund sei.

Gemeinsam mit seinem Bruder Alfred fuhr Hugo Sigerist Martin Lindauer zur Schweizer Grenze. Lindauer, sagt auch Edith Wagner, habe in seinem späteren Leben überall geholfen und gearbeitet: „Damit er wieder nach Wangen kommen und danke sagen konnte bei den Menschen, die ihm geholfen haben.“ Er starb 1955 in Amerika laut den „Verdrängten Jahren“ - an Überarbeitung und Heimweh. (swe)

Sie gingen zusammen zur Schule, bis Ruth plötzlich verschwand. So erinnert sich die Wangenerin an Ruth Lindauer und ihr Wiedersehen nach dem Krieg.

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Er war äußerst beliebt, jener Martin Lindauer, Vater von Ruth Lindauer und Viehhändler. Er hatte bereits im Ersten Weltkrieg als 17-Jähriger freiwillig gedient – und war deshalb mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. So jedenfalls ist es im Buch „Verdrängte Jahre? – Wangen im Allgäu 1933 bis 1945“ von Autorin Birgit Locher-Dodge (heute Locher-Finke) zu lesen.

Ursprünglich kam die Familie, so Stadtarchivar Rainer Jensch, aus Esslingen. Schon 1911 gab es in Wangen eine Filiale der „Viehhandlung Lindauer und Söhne“. 1927 wurde der Firmensitz von Hermann und Martin Lindauer nach Wangen verlegt. 1929 meldete Martin Lindauer zur bestehenden noch eine eigene Viehhandlung auf seinen Namen an. Nach dem Tod von Hermann, der zur Miete auf der Berger Höhe gewohnt hatte, kam Martin Lindauer im Jahr 1934 dann in den alleinigen Besitz der Viehhandlung am Klosterberg. Martin Lindauer, der Vater von Ruth Lindauer, verkaufte 1938 noch vor der Reichspogromnacht seinen Besitz am Klosterberg. Zum Jahreswechsel 37/38 griffen neue Verordnungen und Gesetze, die jüdischen Viehhändlern die Zulassung entzogen. Zuvor schon, im April 1937, hatte man im Wangener Gemeinderat darüber diskutiert, ob man, wie in anderen Städten, die Anwesenheit auf den Wangener Märkten verbieten solle. Die Frage wurde zurückgestellt, da man damit rechnete, dass Lindauer ohnehin seinen Wohnsitz bald verlegen werde. Unmittelbar nach der Reichskristallnacht kehrte Martin Lindauer, vermutlich in Unterschätzung der Bedrohung und Gefahr, noch einmal nach Wangen zurück, um den Verkauf seines Besitzes zu regeln. Er klopfte nachts an die Tür seines Freundes Hugo Sigerist, der ihm, so ist es in „Verdrängte Jahre“ zu lesen, klar signalisierte, dass er noch immer sein Freund sei.

Gemeinsam mit seinem Bruder Alfred fuhr Hugo Sigerist Martin Lindauer zur Schweizer Grenze. Lindauer, sagt auch Edith Wagner, habe in seinem späteren Leben überall geholfen und gearbeitet: „Damit er wieder nach Wangen kommen und danke sagen konnte bei den Menschen, die ihm geholfen haben.“ Er starb 1955 in Amerika laut den „Verdrängten Jahren“ - an Überarbeitung und Heimweh. (swe)

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