"Entzugserscheinungen nach Schmerztherapie": Mann wird mit Marihuana erwischt

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 Der Mann musste sich vor dem Amtsgericht Wangen verantworten.
Der Mann musste sich vor dem Amtsgericht Wangen verantworten. (Foto: Volker Hartmann)
Claudia Bischofberger

Zwei Päckchen Marihuana hatten Polizeibeamte bei dem Angeklagten gefunden, als sie bei einer Personenkontrolle vor einem Supermarkt in Wangen überprüften. Bei der anschließenden Hauskontrolle fanden die Beamten noch mehr Marihuana, Haschisch und Mohnpflanzen sowie zwei Messer, eine Schreckschusswaffe und eine Luftpistole. Deshalb musste sich der Mann nun vor dem Amtsgericht Wangen verantworten.

Das Rauschgift war in farblich abgestufte Tütchen verpackt und beschriftet. Daraus könne man unterscheiden, welche Wirkung die verschieden Sorten haben. So gäbe es schmerzstillende oder schlaffördernde Sorten, aber auch welche, die antidepressiv wirken sollen, erklärte der Angeklagte. Zu den Messern sagte er, das eine sei ein Sammlerstück, das andere diene als Brieföffner. Schon seit 2014 befände er sich in einer Schmerztherapie. Durch die schulmedizinisch verabreichten Medikamente sei er abhängig geworden. Dies habe der Angeklagte erstmals bei einem Urlaub mit seinen Eltern bemerkt, als er ohne diese Mittel auskommen wollte und sie daheim ließ. Dies hätte dazu geführt, dass er unter schweren Entzugserscheinungen gelitten habe.

Arzt rät von Marihuana auf Rezept ab

„Warum haben Sie sich denn die Drogen nicht vom Arzt verschreiben lassen“, wollte der Staatsanwalt wissen. Der Arzt habe ihm davon abgeraten, mit der Begründung, dass Marihuana Psychosen hervor rufen könne, antwortete der Angeklagte. Neben körperlichen Beschwerden leide der Mann auch unter schweren Depressionen, die auf eine schwierige Beziehung aus der Vergangenheit herrühren.

Ein Polizist, der als Zeuge geladen war und die Personenkontrolle damals durchführte, bestätigte das Rauschgift im Zimmer des Angeklagten gefunden zu haben und auch die Waffen. Jedoch habe es bei der Durchsicht des Handys keinen Hinweis auf Handel gegeben, erklärte der Beamte. Der Staatsanwalt befürwortete zu Gunsten des Angeklagten, dass er die Tat eingeräumt hat und bedachte den Hintergrund der Schmerzlinderung, die zu diesem Missbrauch führten. Gegen die Beurteilung, dass ein minderschwerer Fall vorliegt, spreche jedoch die lange Liste der Vorstrafen, die von Drogenhandel bis zu schwerer Körperverletzung reichen.

Die Straftat wurde zudem während einer laufenden Bewährungszeit verübt. Wegen der gezeigten Reue des Angeklagten plädierte der Staatsanwalt jedoch auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und setzte dieser dennoch eine Bewährungsfrist von vier Jahren.

„Unverschämter“ Psychoterror durch Ex-Freundin

Der Anwalt machte einmal mehr auf einen laufenden Prozess aufmerksam, bei dem die ehemalige Freundin seines Mandanten einen Psychoterror ausübe, der „unverschämt“ sei, so der Verteidiger. Außerdem könne sein Mandant keine typische Drogenkarriere verzeichnen. Er habe immer gearbeitet, er war gewillt sich das Rauschgift vom Arzt verschreiben zu lassen, der aber leider nicht zugestimmt hat. Die Entscheidung des Strafmaßes überließ der Anwalt dem Gericht.

Der Richter und die beiden Schöffen kamen zum Schluss, dass der Anklagevorwurf sich bestätigt hatte. Sie gaben dem Angeklagten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Dieses Maß ist der Grenzwert zu dem eine Bewährung ausgesetzt werden kann. Die Bewährungsfrist beträgt fünf Jahre. Darüber hinaus muss sich der Mann ein Jahr lang einem Drogenscreening unterziehen und zwei Schnelltests vorweisen. Zusätzlich soll er 30 Stunden in einer gemeinnützigen Einrichtung seinen Dienst verrichten. Für die Dauer von zwei Jahren muss ihm ein Bewährungshelfer zur Seite stehen.

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