Dieser Künstler ist in Wangen allgegenwärtig

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Schwäbische Zeitung
pama

In seinen Werken blickt er von den Wänden, denn sie sind geradezu allgegenwärtig. Die Einheimischen nehmen sie als selbstverständlichen Teil „ihrer“ Altstadt war, Touristen bleiben stehen, zücken das Smartphone oder die Kamera. Beispielsweise am Ravensburger Tor, um die Fassade zu fotografieren. Die Rede ist von den Werken Toni Schöneckers. Rund 60 sogenannte Sgraffiti hat er an Gebäuden in der Stadt hinterlassen. Und nicht nur hier: Auch die Bilder, die an der Fassade des Kißlegger Rathauses die Gemeindegeschichte vom Gründer Ratpot im achten Jahrhundert bis zur Eingemeindung von Waltershofen und Immenried 1972 zeigen, sind Schönecker-Werke.

Das steckt hinter der Technik

Der Begriff Sgraffito kommt vom italienischen Verb sgraffiare oder graffiare was zu deutsch mit „kratzen“ übersetzt werden kann. Dabei werden auf Fassaden oder Wände erst Putzschichten in verschiedenen Farben aufgetragen und dann wird die obere Schicht förmlich abgekratzt, sodass die darunterliegenden frei werden und ein Bild ergeben.

Bloß keine Nackten

In dieser Technik sind die großen, heute an prominenten Stellen im Stadtbild erhaltenen Werke Schöneckers entstanden. Und dabei wurden längst nicht alle seine Ideen umgesetzt. Die Fidelisbeck-Fassade zeigt bekanntermaßen das Markttreiben in der Stadt und die Bierseligkeit in der Wirtschaft. Wäre es nach dem Künstler gegangen hätte das Bild etwas anderes dargestellt: Fallenlassen musste Schönecker 1961 seinen ersten Entwurf, der in Anspielung auf die Paradiesstraße das biblische Paradies mit Adam und Eva gezeigt hätte. Aus moralischen Gründen war es 1961 offenbar nicht vertretbar, die nur mit Feigenblättern bekleideten Ur-Eltern an einer öffentlichen Straße zu zeigen.

Wangen ist kein Zufall

Dass sich ausgerechnet in Wangen viele Schönecker-Werke finden, ist kein Zufall: Ab 1953 lebte er als freischaffender Künstler in Wangen, wo er ein Atelier Im Lindauer Tor hatte. In diesem Atelier, der „Toni Schöneckerstube“, in dem heute der Altstadt- und Museumsverein (AMV) sein Zuhause hat, kam es vor kurzem zu einer für den AMV erfreulichen Übergabe. Der Verein teilt mit: „Wolfgang Scheiffele übergab dem Altstadt- und Museumsverein ein Toni-Schönecker-Landschaftsaquarell aus dem Jahr 1944 aus seinem Privatbesitz.“ Dieses Bild werde nun in der Schöneckerstube eine neue Heimat finden. „Toni Schöneckers Bilder sind nicht nur von großer ästhetischer Bedeutung, sondern wichtige Dokumente der Zeitgeschichte“, heißt es in der Mitteilung des AMV. Und: Durch die „Kunst am Bau“ an den rund 60 Gebäuden in Wangen habe sich Schönecker seinen Platz als beachtenswerter „Wangener“ sicher verdient.

Die Biographie

Toni Schönecker geboren 1893 in Falkenau an der Eger (heute Sokolow), gestorben 1979 in Wangen, war ein sudetendeutscher Bildender Künstler und arbeitete vor und nach seinen Kriegsdiensten im Ersten und Zweiten Weltkrieg als Maler, Freskant, Aquarellist, Zeichner, Illustrator, Radierer, Lithograf, Holzschneider, Fotograf und Bildhauer. Toni Schönecker war auch als Maler des Skisports und Pressezeichner der Zeitschrift „Der Winter“ bekannt.

Mit seinen Bildern prägte er die Ästhetik des modernen Skisports als Freizeit- und Leistungssport. Zeitungen und Zeitschriften, ebenso Bücher sowie vor allem Plakate waren zu dieser Zeit die entscheidenden Medien, die wesentlich zur Vermittlung und Verbreitung des Skisports beitrugen. Für diverse Wintersport-Publikationen entwarf er viele Motive. Er schuf karikaturhafte Zeichnungen und übersetzte die dynamischen Bewegungsabläufe der Skisportler in Linienwirbel. Er fasste Skisprung-Szenen zeichnerisch wie eine filmische Sequenz auf oder hielt sie in leuchtenden Farben vor Bergkulissen wie eine Art Filmstil fest.

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