Die dunkle Seite der Digitalisierung

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Jürgen Göhl bei seinem Vortrag vor einem Beamer und den Teilnehmern.
Wenn Cyberkriminelle sehr vorsichtig seien, ist sich Datenschutzexperte Jürgen Göhl (links) sicher, gibt es keine Chance, sie zu finden. (Foto: Paul Martin)
Paul Martin

Technik aus den 1980er-Jahren, zunehmende kriminelle Bedrohungen, eine hinterherhinkende staatliche Ordnung und dazu die Hoffnung, dass nichts passiert: Das sind die Thesen von Jürgen Göhl zur Cybersecurity, also zur Sicherheit im virtuellen Datenaustausch. Auf Einladung des Wangener Wirtschaftskreises referierte der Datenschutzbeauftragte am Dienstagabend vor rund 20 Interessierten im Farny-Hotel.

Sind die dunklen Seiten der Digitalisierung zu bändigen? „Nein, nicht komplett.“, sagt Jürgen Göhl. Und an die Unternehmer gerichtet: „Bei Ihnen erst recht nicht. Sie sind eine Zielgruppe, weil es bei Ihnen was zu holen gibt.“ Im Gegensatz zum Analogen sei die digitale Welt unpersönlicher und nirgends verortet. Stichwort: Knopfdruck from everywhere. Aber wer betätigt diesen und warum? Kriminelle wollen laut Göhl drei Dinge: Sensible Informationen (Wirtschaftsspionage), Chaos (anrichten, zum Beispiel in einem verfeindeten Staat) oder schlicht Geld. Von letzterem hätten Banden oft binnen kürzester Zeit genug, um sich beste „Abteilungen“ aufzubauen. Wenn jemand dabei sehr vorsichtig sei, ist sich Göhl sicher, gibt es keine Chance denjenigen zu finden. „Das Internet ist riesig. Wo soll das BKA denn anfangen?“

Viren und Würmer, also die Art von digitaler Gefahr, die sich selber weiterentwickeln können, sowie Trojaner – diese können das nicht – kann praktisch jeder im sogenannten „Darknet“ kaufen. „Und zwar fix und fertig“, berichtete Göhl, „wenn sie ganz spezielle Funktionen wollen, gibt es da auch Dienstleister, die das machen.“ Die Cyperkriminellen müssen also keine IT-Profis sein: „Jeder, der viel Zeit und einen Internetanschluss hat, kann sich alles zum Datenklau aneignen.“ Seine Auslegungen seien keine Schwarzmalerei, betonte der Referent mehrmals.

Er verteidigte beispielsweise die viel beschimpfte Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Diese bedeute zwar für kleinere Firmen und Vereine viel Aufwand, aber: „Wäre sie nicht eingeführt worden, hätte man sich um Datenschutz in Deutschland nur sehr wenige Gedanken gemacht.“ Identitätsklau bekomme man damit zwar nicht in den Griff, aber den großen Datenkraken wollte man damit Grenzen setzen. Absolute Sicherheit könne allerdings niemand – schon gar nicht die DSGVO alleine – bieten.

Ein Problem sieht Göhl darin, wie komfortabel der Datenaustausch inzwischen geworden ist. Als Beispiel nannte er die Geschwindigkeit: „Irgendwann werden wir uns entscheiden müssen, ob wir eine Mail ziemlich sicher oder ziemlich schnell versenden wollen.“

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