Der „Knecht“ von Haslach

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 Max, der Knecht bei Familie Renzler, liebt Tiere und verrichtet viele Arbeiten, die auf dem Biohof so anfallen.
Max, der Knecht bei Familie Renzler, liebt Tiere und verrichtet viele Arbeiten, die auf dem Biohof so anfallen. (Foto: Ahr)

Schon beim Betreten des Stalls sieht man die Kühe zufrieden kauend an den Raufen stehen. Am Ende der Gasse steht Max, der gerade der letzten Kuh das frische Heu zuschiebt. Seit zwei Jahren arbeitet der 63-Jährige aus der ehemaligen DDR auf dem Hof der Familie Renzler in Haslach. Bis zur Auflösung der DDR im Jahr 1989 war er in seiner Heimatstadt Bleyen-Genschmar (Brandenburg) bei der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) angestellt. Danach kam dieser Betrieb in private Hände und Max wurde dort aber weiter beschäftigt.

In diesem Betrieb lernte er auch vor vielen Jahren seine Frau kennen. Diese brachte vier Kinder mit in die Ehe. Für Gerd Wilschinski, der von allen Max genannt wird, war dies kein Problem. Liebevoll habe er sich um seine Stiefkinder und seine Frau gekümmert, berichtet er. Diese litt an epileptischen Anfällen und wurde schließlich zum Pflegefall. Max pflegte sie bis sie starb. Gleich nach ihrem Tod kündigte man ihm die Stellung. Das war vor knapp drei Jahren. Die Stieftochter von Max, die schon seit vielen Jahren hier in der Region lebt, wollte ihrem Stiefvater ihre Dankbarkeit ausdrücken, da er die Mutter so lange pflegte, und holte ihn ins Allgäu, erzählt er. Er wollte jedoch nicht tatenlos herumsitzen und inserierte bei Ebay eine Anzeige mit den Worten: „Suche eine Arbeit auf einem Hof, denn ich arbeite gerne mit Tieren.“ Andrea Renzler wurde darauf aufmerksam und meldete sich bei Max. „Er gehörte sofort mit zur Familie und die Tiere liebten ihn auch gleich,“ erzählt Renzler. Vom ersten Tag an habe alles gepasst. Morgens um neun Uhr wird Max von seiner Stieftochter auf den Hof gefahren. Hier erledigt er alle Arbeiten, die Gerhard Renzler eine Menge Zeit ersparen. „Er schiebt das Futter heran, streut bei den Tieren ein, kehrt und macht noch viele andere Arbeiten, die hier zu Hauf anfallen“, erzählt der Landwirt. Max sei eine wahre Perle. Wenn morgens um 11 Uhr dann die Tiere gut versorgt sind, gibt es erst einmal Kaffee und später essen dann alle gemeinsam.

Max fühlt sich überall wohl, wo Tiere sind

Zum Hof der Familie Renzler gehören über sechzig Kühe, 30 Hennen, fünf Pferde, Hunde und Katzen. Ob Hühnerstall sauber machen oder mit den Hunden spielen, Max fühlt sich überall wohl, wo Tiere sind. Abends, wenn die Kühe gemolken sind, trinken der Landwirt und „sein Knecht“ noch gemeinsam ein Bierchen. Da erzähle Max dann von seinem Leben in der ehemaligen DDR, das eine traurige Linie zeichnet, berichtet Renzler. Immer habe Max hart gearbeitet und immer kümmerte er sich um die Pflegefälle in seiner Familie. Am Abend holt ihn dann seine Stieftochter ab. Bei ihr habe Max auch freie Kost und Logis.

Finanzielle Unterstützung entfällt bald

Das Jobcenter unterstützt die Beschäftigung des Mannes finanziell als Wiedereingliederungsmaßnahme. Jedoch fallen diese Zuwendungen in naher Zukunft aus. „Dann müssen wir einen anderen Weg finden. Aber wir wollen auf jeden Fall, dass Max weiterhin zu uns kommt“, sagt Renzler. Auch für den „Knecht“ wurde die Berufung zum Beruf. Er könne sich keinen schöneren Arbeitsplatz vorstellen, als bei den Tieren und in der Natur. „Ich bin zwar nicht mehr der Schnellste, aber was ich tue, mache ich mit viel Liebe,“ schwärmt Max von der Arbeit auf dem Biohof. Und wenn Max am Wochenende frei hat, gehe er auf Brautschau. Die Liebe fehlt ihm noch zu seinem Glück. Nach den Angaben von Heimatpfleger Wolfgang Ahr gab es in den 1950er-Jahren in der Kirchengemeinde Haslach insgesamt 29 Knechte und 21 Mägde. Heute ist Max der letzte „seiner Art“.

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