Das sagen die Bürger zu den aktuellen Problemen der Kinderklinik

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Milena Sontheim

Die Personalprobleme der Kinderklinik Wangen stoßen auf allgemeines Unverständnis bei den Wangenern. Eine Umfrage in der Wangener Innenstadt hat ergeben, dass Passanten die Situation als bedenklich einschätzen. Mehrere Kritiker sehen die Schuld bei der Verwaltung der Waldburg-Zeil-Kliniken. Dass Fachkräfte und Ärzte abwandern, sei nicht verwunderlich, hatte zuletzt zum Beispieleine Kinderärztin aus der Region in einem Leserbrief (SZ vom 9. August) erklärt.

Dieser Meinung ist auch Marianne Baumann (62) aus Wangen. Nachdem sie den Leserbrief zu diesem Thema in der „Schwäbischen Zeitung“ gelesen hat, findet sie die gesamte Situation bedauerlich: „Wenn die Verwaltung nur nach dem Geld schaut, ist der Fachkräftemangel die logische Folge.“ Des Weiteren setzt sie die Frage der Rentabilität in einen größeren Zusammenhang. Sie findet, dass heutzutage die Wirtschaftlichkeit überall im Vordergrund steht: „Die Welt ist nicht mehr das, was sie mal war.“ Menschen und vor allem Kinder sollten mehr Wert sein als Rendite, so Baumann.

Auch der 18-jährige Manuel Haseitl aus Eglofs beurteilt die Lage der Klinik kritisch. Wenn man in Wangen ansässig ist, könne es schon mal gefährlich werden, das kranke Kind in die nächste Kinderklinik nach Ravensburg zu bringen, sagt er: „Denn manchmal muss es schnell gehen.“ Er spreche aus eigener Erfahrung: „Denn in Ravensburg werden nur schwere oder akute Fälle angenommen.“

Elfriede Hetzel (72) aus Friedrichshafen kennt die Kinderklinik in Wangen. Sie wurde in dem dazugehörigen Schlaflabor behandelt. Sie habe sich allerdings nicht wohl gefühlt in der Klinik. Woran das lag, könne sie nicht genau beurteilen: „Vielleicht lag es am Arbeitsklima oder an der Ausstattung. Die Klinik ist auf einem absteigenden Ast.“ Allgemein halte sie es für schwierig, in der aktuellen Situation gute Ärzte zu finden.

Miriam Ferraro (24) aus Wangen findet es tragisch, dass innerhalb kurzer Zeit viel schief gelaufen sei: „Es ist schade, weil der letzte Chefarzt einen guten Ruf hatte,“ sagt Ferraro. Wenn man zu wenig bezahle, sei es kein Wunder, dass Fachkräfte abwandern. Dieses Problem finde sich in allen Gesundheitsbereichen. „Man spart an den falschen Ecken“, sagt die 24-Jährige. Wenn man auf dringende Hilfe angewiesen ist, sei der nächste Spezialist in Freiburg oder München zu weit weg.

Auch Claudia Fluhr (57) plädiert für die Erhaltung von Kinderstationen. Sie kenne das Problem, denn ihr Mann ist gebürtig aus Bad Waldsee. Sie erinnert sich, dass vor einigen Jahren dort die Geburts- und Kinderklinik wegen fehlender finanzieller Mittel geschlossen wurde: „Eine junge, werdende Mutter war davon betroffen und sehr traurig darüber. Fehlende Wirtschaftlichkeit sollte nicht auf Kinderrücken ausgetragen werden.“ Die zuständigen Personen sollten bessere personelle Entscheidungen treffen, sagt sie.

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