Das Mittelalter ist brandaktuell

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Die historische Figur der Margarete Maultausch stand am Samstagabend in dem gleichnamigen Theaterstück im Mittelpunkt.
Die historische Figur der Margarete Maultausch stand am Samstagabend in dem gleichnamigen Theaterstück im Mittelpunkt. (Foto: tst)
Tine Steinhauser

Im Rahmen des Theaterprogramms der Kulturgemeinde Wangen in Kooperation mit der Stadt ist am Samstagabend in der Stadthalle das Drama „Margarete Maultasch“ von Christoph Nußbaumeder zur Aufführung gekommen. Kathrin Mädler hatte den historischen Stoff für das Landestheater Schwaben, Memmingen, inszeniert.

Margarete Maultasch war eine Tochter des Grafen von Tirol in der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts. Strategisch und politisch bedeutsame Hochzeiten waren seinerzeit an der Tagesordnung. Von daher war es nicht verwunderlich, dass der Graf, dem ein männlicher Thronfolger fehlte, seine Tochter mit Johann Heinrich von Luxemburg (Niklas Maienschein) vermählen wollte. Dass dieser mit acht Jahren noch ein daumenlutschendes Kind war, und die vier Jahre ältere Margarete, dargestellt von Elisabeth Hütter, ihn nicht leiden konnte, spielte keine Rolle.

Margaretes Leben schien vorbestimmt, doch sie konnte das nicht akzeptieren. Sie war auf der Suche und fand zunächst eine Verbündete in ihrer Halbschwester Julia (Regina Vogel). Gemeinsam trafen sie sich heimlich mit dem Juden Simon Löwe (David Lau), der ihnen von der wahren Liebe erzählte, nach der es zu streben galt.

Margarete setzte sich nach dem Tod des Vaters mittlerweile als Regentin mit Hilfe der Räte (Jan-Arne Looss, Tobias Loth und André Stuchlik) durch. Den verhassten Gatten verwies sie des Hofes und mit der Begründung, die Ehe sei geschlossen, aber nie vollzogen worden, heiratete sie Ludwig, den Markgrafen von Brandenburg und erhoffte sich ein liebevolles Eheleben. Doch als dieser erfuhr, dass Margarete von Karl (Jens Schnarre) vergewaltigt worden war, konnte auch er seine Gefühle für sie nicht mehr zeigen.

Schlichtes Bühnenbild

Statt des besseren Lebens rutschte Margarete in eine lange Geschichte aus Intrigen und Verrat, Mord, Überfällen, politischen Rückschlägen und dem Missfallen des Papstes. Dabei kamen die Themen politische Zwänge, Macht- und Geldgier, Pazifismus und Antisemitismus, Vergewaltigung und weibliche Emanzipation, aber auch Träume von einem Leben in Freiheit unabhängig von gesellschaftlichen Zwängen trotz des mittelalterlichen Hintergrunds erschreckend aktuell daher.

„Margarete Maultasch“ war Drama, Krimi, Politthriller und Historientheater in einem. Das Bühnenbild war schlicht, einige weiße Wände, die Akteure trugen durchweg schwarze Kleidung, die nur in kleinen Details an das Mittelalter erinnerten. Es waren allein die Schauspieler, die das Stück trugen und dem Publikum nicht nur ein Stück Geschichte nahebrachten, sondern es auch nachdenklich für die Gegenwart stimmte.

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