Das Marihuana kam mit dem Briefträger

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 Ein Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, weil er regelmäßig Rauschgift von einem Freund zugeschickt be
Ein Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, weil er regelmäßig Rauschgift von einem Freund zugeschickt bekam. (Foto: Symbol: David Ebener/dpa)
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Ein Mann aus dem Raum Isny wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er regelmäßig Rauschgift von einem Freund zugeschickt bekam.

Wenn der Großbrief mit dem Absender aus Berlin im Briefkasten lag, bedeutete das für den Angeklagten, dass sein Rauschgift angekommen ist. Denn der Inhalt der Sendung enthielt Marihuana in größeren Mengen, die einen Wert zwischen 150 und 800 Euro bezifferten. Diese Tatsache legte auch seitens der Staatsanwaltschaft den Verdacht nahe, dass hier unerlaubter Handel vorliegt.

Der Mann auf der Anklagebank räumte zwar ein, dass er das Rauschgift auf diesem Weg erhalten habe, aber keinen Handel betrieben hat. Vielmehr habe er eine Sammelbestellung gemacht, um einen Preisrabatt zu erhalten, erklärte er. Den Inhalt der Briefe habe er unter weiteren drei Freunden aufgeteilt. Der Absender aus Berlin sei ein Freund, der früher im Allgäu wohnte und vor einigen Jahren in die deutsche Hauptstadt gezogen ist.

Als Grund für seinen starken Konsum nannte der Angeklagte massive psychische Probleme. Schon früh habe er auf Grund von Persönlichkeitsstörungen und Angstzuständen sowie Schlafproblemen seine „Drogenkarriere“ begonnen. „Ich war Kettenraucher von Marihuana“, sagte er. Der gelernte Einzelhandelskaufmann sei auf Grund der immer wieder kehrenden Depressionen sehr oft krankgeschrieben gewesen. Um der Ursache seiner Leiden auf den Grund zu gehen, käme er, sobald ein Platz frei wird, in eine Rehabilitationsklinik. Voraussichtlich sei das noch dieses Jahr der Fall.

Ein als Zeuge anwesender Polizist beschrieb, wie es überhaupt zur Aufdeckung der Postsendungen kam. Denn der Angeklagte habe nämlich bei einem Nachbar geklingelt, bei dem gerade die Wohnung auf Drogen untersucht wurde. Die Polizei öffnete dem jungen Mann und da dieser eine größere Menge Bargeld in der Hand hielt, sei der Verdacht auf Drogenkonsum auch auf ihn gefallen. Zwar wurde im Auto und im Keller Haschisch und Marihuana gefunden, doch bestätigte der Polizist im Zeugenstand, dass kein Hinweis auf Drogenhandel entdeckt wurde. Somit erklärte auch die Staatsanwaltschaft nach der Beweisaufnahme, dass sich der Vorwurf auf Drogenhandel nicht bestätigt habe. Der Strafvorwurf reduzierte sich auf unerlaubten Besitz und Erwerb von Betäubungsmittel in vier Fällen. „Ich habe niemanden geschadet, außer mir selber“, erklärte der Angeklagte abschließend.

Das Urteil von Richter und Schöffen passte sich sowohl der Staatsanwaltschaft als auch dem Strafmaß der Verteidigung an. Die nicht geringe Anzahl des Erwerbs und Besitzes von Betäubungsmitteln sei nur knapp überschritten worden, sagte der Richter. Positiv bewertete er auch die Sozialprognose des jungen Mannes. Er habe einen Schulabschluss, eine abgeschlossene Lehre und nehme regelmäßig an Behandlungen teil, um seiner psychischen Erkrankung Herr zu werden. Neben der Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, soll ein Bewährungshelfer zwei Jahre lang den Angeklagten betreuen. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Außerdem ist er verpflichtet, die bevorstehende Rehabilitation anzutreten. Zudem hat das Gericht dem Mann 90 Stunden gemeinnütziger Arbeit angedacht, die er binnen neun Monaten abzuleisten hat.

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