Corona-Verordnungen: Was ist möglich – und was nicht?

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Schwäbische Zeitung

Die Corona-Verordnung vom 9. Juni enthält neue Lockerungen. Da es bei der Vielzahl an Neuerungen schwerfällt, die Orientierung zu behalten, beantworten Nicolai Müller, Leiter des Ordnungs- und Sozialamts, Hermann Spang, Leiter des Kultur- und Sportamts, sowie der Leiter der Volkshochschule, Lorenz Macher, in einer städtischen Pressemitteilung Fragen zu den aktuellen Regeln.

Wie viele Personen dürfen sich zusammen in der Öffentlichkeit zeigen?

Nicolai Müller: Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist in einer Gruppe mit Angehörigen von bis zu zwei Haushalten oder bis zu zehn Personen gestattet. Das heißt, man kann sich mit zwei Familien treffen, und dabei mehr als zehn Personen sein. Man kann sich auch wieder zu zehnt an einen Tisch im Wirtshaus setzen unabhängig von der Frage, wie vielen Haushalten diese Personen angehören. So können wieder Stammtische mit bis zu zehn Personen stattfinden.

Wie viele Personen dürfen zusammen im privaten Raum feiern?

Nicolai Müller: Wenn in der privaten Wohnung oder im Haus oder Garten gefeiert wird, zum Beispiel bei einem Geburtstag, können sich 20 Freunde treffen, die jeweils in einem anderen Haushalt wohnen. Wenn eine reine Familienfeier stattfindet, können es auch mehr Personen sein. Bedingung: Sie müssen zur sogenannten erweiterten Familie gehören. Dazu gehören in gerader Linie verwandte Personen (Eltern, Großeltern, Kinder, Enkel), Geschwister und deren Nachkommen sowie deren Partnerinnen und Partner.

Wie ist es mit Feiern in Gaststätten oder öffentlichen Veranstaltungsstätten?

Nicolai Müller: Seit dem 9. Juni gilt: Dort dürfen wieder bis zu 99 Personen teilnehmen. Solche Feiern dürfen nur in Räumen stattfinden, die für Veranstaltungen gemietet werden können. Das sind beispielsweise Restaurants, Eventlocations, Vereinsheime oder Gemeindehäuser. Der Gesetzgeber sieht für diese Feiern strenge Hygieneauflagen vor. So muss der Veranstalter ein Hygienekonzept vorlegen, dass die wichtigsten Hygieneregeln berücksichtigt. Hierfür stehen wir in der Stadtverwaltung gerne beratend zur Seite.

Wie kann ein Kindergeburtstag gefeiert werden?

Nicolai Müller: Auch bei einem Kindergeburtstag kommt es darauf an, wo dieser gefeiert wird. Wird eine spezielle Örtlichkeit angemietet, dann dürfen auch hier bis zu 99 Personen teilnehmen. Soll der Geburtstag im häuslichen Umfeld stattfinden, dann gilt die 20-Personen-Regel. Für das häusliche Umfeld heißt das ganz konkret: neben dem Geburtstagskind und seinen Eltern dürfen 17 weitere Personen mitfeiern.

Wie viele Personen dürfen an einer Beerdigung teilnehmen?

Bei einer Beerdigung auf dem Friedhof können bis zu 100 Menschen dabei sein.

In Gaststätten müssen Gäste ihren Namen und ihre Telefonnummer hinterlassen. Wozu dient das und wie ist vorzugehen?

Nicolai Müller: Wenn eine Person mit Covid-19 infiziert ist, müssen alle Kontaktpersonen ermittelt werden können. Wenn eine infizierte Person zuvor in einer Gaststätte war, sind möglicherweise auch andere Gäste oder das Personal betroffen. Deshalb ist es für das Gesundheitsamt wichtig, möglichst schnell alle Kontakte zu informieren, um eine Verlängerung der Infektionskette möglichst zu unterbinden. Mithilfe der hinterlassenen Daten kann dies zügig geschehen. Die Daten werden nach vier Wochen vernichtet. Wir empfehlen, dass Bedienungen die Bestellung erst aufnehmen, wenn die Gäste ihren vollständigen Namen, den Beginn ihres Besuchs und ihre Telefonnummer oder Adresse hinterlassen haben. Dabei genügt es nicht, nur eine Person zu benennen, wenn mehrere Personen am Tisch sitzen. Wenn die Gäste gehen, muss auch das Ende des Besuchs vermerkt werden.

Können Konzerte und andere Kulturveranstaltungen stattfinden?

Hermann Spang: Prinzipiell sind Konzerte und andere Aufführungen bei einem Publikum von bis zu 99 Personen möglich. Dabei müssen die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Menschen, die in einem Haushalt zusammenleben, dürfen bei einander sitzen. Zwingend notwendig ist, dass die Karten zuvor auf elektronischem Weg gekauft wurden und damit Plätze entsprechend reserviert sind. Das heißt, man kann sie selber im Internet kaufen oder auch im Gästeamt erwerben. Abendkassen gibt es derzeit nicht. Die vorherige Anmeldung über den Ticketverkauf erleichtert uns, die Besucher möglichst gut im Saal zu platzieren. Deshalb werden viele Veranstaltungen in größere Veranstaltungsräume verlegt, zum Beispiel von der Häge-Schmiede in die Stadthalle.

Kann man wieder in Fitnessstudios oder anderen Sportstätten aktiv sein?

Hermann Spang: Prinzipiell gilt, dass in privaten und öffentlichen Sportanlagen wieder trainiert werden kann – egal ob draußen oder drinnen. Es gelten aber bestimmte Regelungen. So muss der Mindestabstand von 1,50 Metern unbedingt eingehalten werden. Näherkommen dürfen sich auch beim Sport nur Familien oder Personen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben. Die Trainingsgruppen in den Sportstätten dürfen maximal zehn Personen groß sein. Das gilt jedenfalls für den „Bewegungssport“. Hier ist eine Fläche von 40 Quadratmetern pro Sportler vorgeschrieben. Die meisten Sporthallen(drittel) haben eine Fläche von gut 400 Quadratmetern, so dass die Begrenzung auf zehn Personen in der Regel passt. Sportlern, die auf einem festen Platz beim Training bleiben, genügt pro Kopf eine Fläche von zehn Quadratmetern. Das gilt zum Beispiel beim Yoga oder bei der Gymnastik, wenn auf der persönlichen Matte geübt wird oder beim Kraftsport, wenn an festen Geräten trainiert wird.

Im Anschluss müssen die Geräte und Matten jedoch sorgfältig gereinigt oder desinfiziert werden. Belegungen der städtischen Sportstätten müssen über die Vereine beim Amt für Kultur und Sport angemeldet werden.

Kann man die Umkleiden in der Sporthalle oder im Fitnessstudio nutzen?

Hermann Spang: Nein, Sportler müssen in Sportkleidung kommen. Im Anschluss muss zu Hause geduscht werden. Wer trainieren möchte, muss seine Kontaktdaten hinterlassen, damit die Infektionsketten nachverfolgt werden können.

Wo kann man sich über die jeweils speziellen Vorgaben informieren?

Hermann Spang: Die meisten Sportvereine und Sportstudios wissen Bescheid, was erlaubt und was möglich ist. Interessierte können sich beim Kultur- und Sportamt informieren oder sich an ihren Verein wenden.

Gelten diese Regelungen auch für die Volkshochschulen?

Lorenz Macher: Für die VHS gelten bei den Bewegungskursen dieselben Regelungen wie beim Sportbetrieb insgesamt. Das bedeutet in der Praxis, dass wir nur noch vier bis sechs Teilnehmer in unsere Räume lassen dürfen. Es wird also jetzt sehr kleine Kurse geben, die aber eine entsprechend intensivere Förderung ermöglichen. Aber auch in den anderen Bereichen, etwa bei den Sprachen, werden wir nur kleine Kurse anbieten können. Die Teilnehmer dürfen auch vor oder nach dem Kurs nicht zusammenstehen, sondern müssen im Prinzip direkt nach Hause gehen. Das wird in der Praxis eine seltsame Situation erzeugen. Aber wir möchten jenen Teilnehmern, die trotz der Umstände noch sehr viel Lust haben zu lernen, dies unter den gegebenen Umständen ermöglichen. Neben den Präsenz-(Klein) Kursen werden wir auch einige Kurse online anbieten. Nach den Sommerferien hoffen wir, wieder unser gewohntes Programm anbieten zu können.

Thema Reisen ins Ausland: Was gilt hier?

Nicolai Müller: Zu Reisefragen ins Ausland gibt das Auswärtige Amt auf seiner Homepage Auskunft. Egal, aus welchem Land man zurückkehrt, gilt: Wenn es dort in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Infektionsfälle pro 100 000 Einwohner gegeben hat, dann muss man 14 Tage zu Hause in Quarantäne bleiben. Auskunft über das Infektionsgeschehen im Ausland gibt die Internetseite des Robert-Koch-Instituts.

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