Claudia Scherer und Karlheinz Kluge stellen in der Stadtbücherei die Anthologie „Heimat Poetisches Wunder“ vor

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 Claudia Scherer (Mitte) und Karlheinz Kluge (links) haben in der Stadtbücherei die Anthologie „Heimat Poetisches Wunder“ vorges
Claudia Scherer (Mitte) und Karlheinz Kluge (links) haben in der Stadtbücherei die Anthologie „Heimat Poetisches Wunder“ vorgestellt. Mit dabei war auch Heiner Miller (rechts). (Foto: Mair)
mali und Lisa Mair

Claudia Scherer und Karlheinz Kluge haben in der Stadtbücherei Wangen die Anthologie „Heimat Poetisches Wunder“ vorgestellt. Die Sammlung fasst unterschiedliche Beiträge von 15 Autoren zusammen, die sowohl aus der Umgebung Wangens stammen als auch aus Ländern wie Polen oder Ostfriesland. Gefördert wurde das Projekt unter anderem vom Landkreis Ravensburg und der Stadt Wangen.

In dem von Claudia Scherer herausgegebenen Sammelband finden sich Gedichte und Texte, die Freunden, Verwandten oder „der Heimat als Ort“ gewidmet sind. Dabei wird der Begriff „Heimat“ jedes Mal auf seine eigene Art und Weise definiert. 38 schwarz-weiß Fotografien alltäglicher Situationen, die Claudia Scherer selbst aufgenommen hat, begleiten die literarischen Schriften.

Im Wechsel stellten Kluge und Scherer verschiedene Texte und Gedichte aus der Anthologie vor. Außerdem las Heiner Miller seine vom Thema „Heimat“ unabhängige Kurzgeschichte vor, die Claudia Scherer zuvor ins Schwäbische übersetzt hatte. In der ersten Leserunde griffen Kluge und Scherer auf Werke zurück, die sie selbst verfasst hatten. Die Inhalte boten eine abwechslungsreiche Darbietung von nachdenklichen Texten über fröhlichere Schriften bis hin zu Gedichten, die teils in Hochsprache und teils in Mundart formuliert sind. In der zweiten Leserunde stellten sie Beiträge anderer Autoren vor.

Die Idee ihrer neu erschienenen Anthologie sei Scherer gekommen, als sie längere Zeit über ein Zitat des Philosophen Ernst Bloch zum Thema „Heimat“ nachgedacht habe: „Hat der Mensch sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat“. Inspirierend sei zudem die Ausstellung „Heimat Fremde“ in Ravensburg gewesen. Daraus habe sich auch das Motto der Vorlesung gebildet: „Das Eigene im Fremden und das Fremde im Eigenen“. Bei dieser Gelegenheit sei ihr bewusst geworden, dass man die Definition von „Heimat“ niemand anderem überlassen könne. Jeder müsse ihr eigenständig eine Bedeutung geben. Dabei bezog sie sich auch auf die aktuelle Flüchtlingssituation, in der es für Menschen in guten Verhältnissen immer wichtiger werde, ihre eigene „Heimat“ zu definieren und davon zu sprechen.

Nachdem Scherer in vielen anderen Städten kurzzeitig ihr Zuhause gefunden hatte, lebt sie nun wieder in ihrer Geburtsstadt Wangen. Sie arbeitet sowohl als Prosaistin als auch als Lyrikerin und hat bisher schon zahlreiche Bücher geschrieben. Allerdings sei sie nicht nur im literarischen Bereich unterwegs, sondern organisiere auch Ausstellungen. Dabei sei sie sehr experimentierfreudig. Im Laufe der Jahre habe sie bereits mehrere Stipendien erhalten und eine eigene CD in Hochsprache aufgenommen. In den 1980er-Jahren habe sie Karlheinz Kluge während ihrer Arbeit als Buchhändlerin in Berlin kennengelernt. Kluge lebt heute wieder in Baden und hat unter anderem Germanistik und Philosophie studiert. Auch er habe zunächst als Buchhändler und später in einem Verlag gearbeitet. Wie Scherer hat auch er schon mehrere Bücher veröffentlicht und zahlreiche literarische Stipendien erhalten.

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