Bildgewaltig und experimentell: Wolfgang Franz malt zur Klang-Performance von Viz Michael Kremietz

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 Der Maler Wolfgang Franz (links) eröffnet seine Ausstellung in der Stadtbücherei zusammen mit dem Klangperformer Viz Michael Kr
Der Maler Wolfgang Franz (links) eröffnet seine Ausstellung in der Stadtbücherei zusammen mit dem Klangperformer Viz Michael Kremietz (rechts). (Foto: Von Babette Caesar)
Babette Caesar

Die Ausstellung „Bilder - Geschichten“ von Wolfgang Franz in der Stadtbücherei im Kornhaus, Postplatz 1, ist bis 28. September zu sehen. Sie ist dienstags und donnerstags von 11 bis 18.30 Uhr, mittwochs und freitags von 9 bis 18.30 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet.

Der Lindauer Maler, Graphiker, Fotograf und Kunstpädagoge Wolfgang Franz hat seine Ausstellung „Bilder - Geschichten“ am Dienstagabend in der Stadtbücherei mit einer Malperformance eröffnet. Zu Klängen von Viz Michael Kremietz entstanden expressive „wilde“ Bilder, wie sie sich innerhalb der Ausstellung präsentieren. Der gebürtige Kressbronner ist seit 2012 freischaffend tätig und hat sich dabei dem Malen als fortwährenden Prozess verschrieben.

Ihn bei der Arbeit an der Staffelei zu beobachten, mag möglicherweise etwas verwundern oder überraschen. Denn bei einem Rundgang durch die Ausstellung mit 27 Bildern und Fotografien könnte man zu dem Eindruck gelangen, dass seine Art der Malerei eine schnelle und spontane ist. Dass dem in natura nicht so ist, zeigte die Performance.

Sehr bewusst und überlegt brachte er den Pinsel zum Einsatz, trug Farbbahnen unterschiedlich pastos auf, führte mit den Fingern einzelne Partien weiter aus. Immer wieder trat er ein Stück zurück, um das Ergebnis zu betrachten, griff erneut nach dem Spachtel, während Klangperformer Kremietz sein Equipment aus Klangschalen, Glocken, Trommel, Bambusflöte und Didgeridoo in Schwingung versetzte. Durchaus experimentell und geräuschvoll. Auf diesem Wege stellte sich die Live-Malerei in gelassen-konzentrierter Form dar.

Impulsiv und bildgewaltig würde Büchereileiterin Susanne Singer die Malerei erleben. Motorisch und vital, so als wollte sie den Raum sprengen. Daneben hat Franz eine Serie kleinformatiger Fotografien platziert, die von seiner Reise nach Bali erzählen. Sie bilden dort lebende Menschen in ihren angestammten Umfeldern ab und zeigen ein nochmal anderes Gesicht als die Malerei.

Laudatorin Angelika Huber-Sommer sprach von leicht tanzenden Farbderwischen, von einer Energie, die die Farbe lenkt, von Körperbewegungen, die mit dem Pinselstrich korrespondierten. Lob habe Franz nie richtig getragen, wenn Freunde sein Werk bewundert hätten. Dieses immer weiter sich entwickeln wollen, mit Erreichten sich nicht zufrieden geben, widerspiegeln Bilder, die „Zwischen Aufruhr und Selbstliebe“ oder „Alltag I“ titeln. Beim ersten Hinsehen glaubt man sich einem verknäulten Chaos gegenüber. Eben nichts als wilde Malerei, doch angesichts des Bildes „Fisch namens Hansi“ eröffnet sich ein überbordendes Universum, das bei allem Chaos an der Oberfläche tief aus sich heraus klingt.

Stets schwingt in Bild und Titel politische Agitation mit. Sie rührt inhaltlich und formal von der Zeit bei Alfred Hrdlicka, Dieter Groß und Christoff Schellenberger her, bei denen Franz an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart studiert hat. Es ist der Strich und die Art der Farbsetzung, die seine Figuren so präsent und direkt erscheinen lassen. Zugleich stecken die Bilder voller verschlüsselter Botschaften, wodurch sich der Betrachter aufgefordert fühlt. Das kleine Format „Verratene Freundschaft“ und ebenso „Der Mannes´s Natur“ rücken Franz als Meister der Konturen in den Fokus. Er ist ein brillanter Zeichner, der die Linie in einem Zug beherrscht. Das, was seine Malerei in Acryl zur Augenlust macht, sind die Spannungsmomente zwischen Inhalt und Form. Zwischen den verschiedenen gesellschaftskritischen Aspekten und der blanken Farbwucht, mittels derer sich die Bilder dem Betrachter mitteilen wollen. So scheinen sie in ständiger Bewegtheit zu sein. Nichts wirkt statisch und das macht neugierig.

Die Ausstellung „Bilder - Geschichten“ von Wolfgang Franz in der Stadtbücherei im Kornhaus, Postplatz 1, ist bis 28. September zu sehen. Sie ist dienstags und donnerstags von 11 bis 18.30 Uhr, mittwochs und freitags von 9 bis 18.30 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet.

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