Bilder mit chinesischer Gelassenheit in der Wangener Badstube

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 Xianwei Zhu mit Tobias Wall (li.) und Ewald Schrade (rechts).
Xianwei Zhu mit Tobias Wall (li.) und Ewald Schrade (rechts). (Foto: rahn)
Johannes Rahn

Die Ausstellung „Zu den Quellen“ ist in der Badstuben-Galerie noch bis zum 16. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr sowie an Samstagen von 11 bis 17 Uhr. Rahmenprogramm: Samstag, 18. Mai, 17 Uhr: Malerperformance mit Xianwei Zhu. Führungen: 14.April, 5. Mai und 2. Juni, jeweils 15 Uhr. Kalligraphie-Workshops: 10./11. Mai und 18./19. Mai. Voranmeldung bei der VHS Wangen unter Tel. 07522 / 74-242.

Ein gefüllter Giebelsaal zeigte am Freitag das rege Interesse der Wangener an der Ausstellungseröffnung „Zu den Quellen“ des Malers Xianwei Zhu in der städtischen Badstuben-Galerie. Dabei lernte man den Mensch hinter den Bildern kennen. Tobias Wall sprach in seiner Werkeinführung nicht über den Künstler, sondern ließ ihn selbst erzählen. Abgerundet wurde das Künstlergespräch durch einen kurzen Film der SWR-Serie „Kunscht“, die Xianwei Zhu bei der Arbeit zeigt.

So ist auch Ewald Schrade auf ihn aufmerksam geworden. Seine Galerie vergibt den Franz-Joseph-Spiegler-Preis, und die Verbindung zu Wangen war hergestellt: fast jeder Preisträger hat in der Heimat des Barockmalers ausgestellt. Mit dem Preis verbunden ist ein Aufenthalt auf Schloss Mochental. In zwei Monaten sind dort über 100 Bilder und zahlreiche Zeichnungen entstanden, deren Auswahl unter dem Motto „Zu den Quellen“ bis zum 16. Juni in Wangen zu sehen sind.

„Zwischen den Farben“ lesen

OB Michael Lang nannte den in China geborenen und aufgewachsenen Zhu „ganz arg schwäbisch“. Gesucht habe er hier nach seinem Studium der chinesischen Malerei künstlerische Freiheit. Ob er sie gefunden hat? „Ja“, erklärt er. Ein Wanderer zwischen den Welten ist er geblieben. Und ein Wanderer durch die Natur. Draußen ist er unterwegs und malt spontan in der Landschaft mit Tusche und Pinsel. Noch am Freitagvormittag malte er in Steibis, im Schnee sitzend, das ganze Alpenpanorama auf neun Blättern, das spontan im Giebelsaal an einem Deckenbalken befestigt wurde.

Im Atelier arbeitet er mit Acryl und einem groben Pinsel – weil der „nicht immer das macht, was man erwartet“. Zhu ist fest überzeugt, dass der Mensch trotz Technisierung und Digitalisierung seinen Platz in der Natur finden kann. Die Maler der Romantik haben ihn stark beeinflusst, und die Philosophie von Martin Heidegger. Der verwendet den Begriff „Leere“ ähnlich wie der chinesische Taoismus, als eine Grundvoraussetzung des Seins: ohne umgebende Leere, ohne Raum kann nichts existieren.

Und so will er den Dingen Raum geben und rät, die Dinge geschehen zu lassen. „Gelassenheit“ ist seine Grundstimmung. Also braucht man beim Betrachten seiner Landschaftsbilder ebenfalls Gelassenheit. Sie wirken schnell hingeworfen, und genau so schnell will man sie betrachten. Aber schon nach kurzer Zeit treten Details hervor, Tiere, Menschen, Gebäude und auch scheinbar große Flächen erweisen sich als engmaschige Struktur aus Farbe und Weiß. Das ist der Maltechnik mit grobem Pinsel geschuldet, aber diese Technik hat Zhu bewusst gewählt.

Der Farbraum reicht von zarten Pastelltönen bis zu kräftigem Grün und Blau, jedoch nie im gleichen Bild. Entweder herrscht träumerische, zerbrechliche Stimmung vor oder satte Fülle. Die Bilder sind in den Ausstellungsräumen nach Farbtönen zusammengefasst, so dass jeder Raum seinen eigenen Charakter verströmt. An der Galerie gefällt Zhu, dass man hier nicht mit Lineal und Wasserwaage arbeiten kann. „Man hängt das Bild auf, sieht es an und sagt: passt.“ So arbeitet er auch: „Auge - Hand – Pinsel – los“ beschreibt er die Entstehung der Bilder. Diese Unmittelbarkeit spürt man.

Seine Tuschezeichnungen sind stärker der chinesischen Tradition verbunden, kleinformatig und mit Stempeln verfremdet. Zwei Pole werden offensichtlich, aber auch die zugrundeliegende Schicht, eine allgemeine Menschlichkeit, die in der Natur und der Erfahrung der Natur wurzelt. So wurde die Eröffnung von zwei Gedichten des chinesischen Einsiedlers Han Shan umrahmt, vorgetragen in chinesisch und deutsch, wenige, starke Worte, bei denen man ‚zwischen den Zeilen‘ lesen musste. Bei Xianwei Zhu muss man ‚zwischen den Farben‘ lesen.

Die Ausstellung „Zu den Quellen“ ist in der Badstuben-Galerie noch bis zum 16. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr sowie an Samstagen von 11 bis 17 Uhr. Rahmenprogramm: Samstag, 18. Mai, 17 Uhr: Malerperformance mit Xianwei Zhu. Führungen: 14.April, 5. Mai und 2. Juni, jeweils 15 Uhr. Kalligraphie-Workshops: 10./11. Mai und 18./19. Mai. Voranmeldung bei der VHS Wangen unter Tel. 07522 / 74-242.

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