Bewährungsstrafe für Erwerb von Drogen

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 Zu einer Bewährungsstrafe wurde ein Mann vom Amtsgericht Wangen wegen Drogenbesitzes verurteilt.
Zu einer Bewährungsstrafe wurde ein Mann vom Amtsgericht Wangen wegen Drogenbesitzes verurteilt. (Foto: Volker Hartmann/dpa)
Claudia Bischofberger

Ist es für den Eigenbedarf gedacht gewesen oder diente der Kauf von Drogen dem Ziel einen Gewinn zu erwirtschaften? Der Mann, der unlängst vor dem Richter beim Amtsgericht Wangen stand, kaufte ein Kilo Amphetamine im Wert von 3000 Euro. Weiterhin bezog er in vier bis fünf Fällen Kokain und Extasy in nicht geringer Menge.

Der Angeklagte erklärte, dass er die Drogen zusammen mit zwei Bekannten gekauft und aufgeteilt habe, deren Namen er nicht nennen wollte. Der Teil, der für ihn bestimmt war, konsumierte er in Eigenbedarf. Schon seit seinem 15 Lebensjahr nehme der inzwischen 42-jährige Rauschgift in verschiedener Form. Den Grund für sein Handeln rechtfertigte er mit schwierigen Lebenssituationen, denen er sich nicht gewachsen fühlte und gesundheitlichen Problemen.

Als Beispiel nannte der Angeklagte die Zeit, als er als Schichtarbeiter arbeitete. Denn trotz kräftezehrender Arbeit wollte er sein Hobby als Musiker nicht vernachlässigen und keine Proben für die Konzerte verpassen. Diese Doppelbelastung sei für ihn nur durch die Einnahme von verschiedenen Drogen zu bewältigen gewesen. „Aber als die Band mitbekam, dass ich Rauschgift nehme, haben sie mich rausgeworfen“, erzählte der Mann.

Eine entscheidende Wende in seinem Leben und damit das Ende seines Rauschgiftkonsums habe sich im Januar 2018 für den Angeklagten eingestellt. Der plötzliche Tod eines Angehörigen sei für ihn ein derart einschneidendes Erlebnis gewesen, dass er sich von seiner Sucht für immer lossagen wollte. Inzwischen sei er in einem Substitutionsprogramm, und weiterhin habe er vor eine Therapie anzutreten. Ein anwesender Zeuge, der die Drogen an den Angeklagten verkaufte und der mitten in einem Verfahren steckt, konnte die dem Angeklagten zur Last gelegten Mengen bestätigen.

Für den Eigenbedarf genutzt

Nach den Schilderungen im Verlauf der Verhandlung ging auch die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Kauf der Drogen nicht zur Gewinnerzielung gedacht war, sondern dass sie für den Eigenbedarf genutzt wurden. Weiterhin bestehe eine gute Sozialprognose, da der Mann in einem Arbeitsverhältnis stehe und den Drogen abgeschworen habe. Dies sah der Richter einvernehmlich mit den beiden Schöffen so.

Sie verurteilten ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten mit einer Bewährungszeit von drei Jahren. Zusätzlich soll eine gemeinnützige Einrichtung die Summe von 1500 Euro erhalten. Der Angeklagte muss sich darüber hinaus verpflichten den Substitutionsarzt von der Schweigepflicht zu befreien, damit er dem Gericht Auskunft über den Drogenzustand geben kann. Ein Jahr lang soll ein Bewährungshelfer den Angeklagten betreuen. Auch für diesen Zeitraum muss er sich regelmäßig einem Drogenscreening unterziehen.

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