Ausgewandert, um ein Buch zu schreiben

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„Meine Figuren sind ein Teil meines Lebens“: Milena Moser bei ihrer Lesung in Wangen.
„Meine Figuren sind ein Teil meines Lebens“: Milena Moser bei ihrer Lesung in Wangen. (Foto: Lisa Mair)
Lisa Mair

Im Rahmen des Allgäuer Literaturfestivals hat Milena Moser in der Stadtbücherei aus ihrem neuen Roman gelesen. Dazu ist sie extra aus Mexiko angereist. Dorthin war sie ausgewandert, um sich der Frage zu stellen: „Sind wir ein Resultat aus allem, was uns passiert ist, oder können wir glücklich sein – egal was war?“ Heute lautet ihre Antwort eindeutig „Ja!“

Geboren wurde Milena Moser 1963 in Zürich. Nach einer Buchhändlerlehre hat sie für mehrere Zeitungen und das Radio gearbeitet. Mittlerweile ist sie eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen der Schweiz. Am Donnerstagabend stellte sie ihr neuestes Buch „Land der Söhne“ vor. Von der Literaturkritik wurde es als ihr „bisher bester Roman“ bezeichnet. Um diese Geschichte zu schreiben, hat sich die Autorin drei Jahre Zeit genommen. Letztes Jahr im Herbst ist sie dann erschienen.

Als sie noch in der Schweiz lebte, habe sie in sich gespürt, dass „da noch was ist, das aufs Blatt will, aber noch nicht raus kann“. Sie wusste, dass sie ihre Geschichte nicht in der Schweiz schreiben kann. „Deshalb habe ich mich für eine Radikalisierung entschieden.“ Sie packte ihr gesamtes Leben in zwei Koffer. Zusätzlich durften ihre sechs Bücherkisten nicht fehlen.

In Mexiko hat sie sich dann mit den Themen Freiheit, Selbstbestimmung, Identität und Amerika beschäftigt. Diese behandelt sie auch in ihrem Buch „Land der Söhne“. Aber sie hat sich darin auch mit ihren eigenen, inneren Wünschen auseinandergesetzt: „Manchmal wünsche ich mir, dass alles schwarz-weiß und klar wäre.“ Doch sie hat für sich erkannt: „Vermutlich macht genau das das Leben aus, dass nicht alles strikt abgegrenzt ist.“ Des Weiteren hat sie noch ein anderer Gedanke umgetrieben: „Warum werden zwei Menschen, die das Gleiche erleben, so oder so? Warum zerbrechen manche Leute an schrecklichen Ereignissen aus ihrer Kindheit und andere nicht?“ Auf all diese Fragen versucht die Autorin in ihrem neuen Roman Antworten zu geben.

Auf die Publikumsfrage hin, weshalb ihre Hauptpersonen überwiegend männlich seien und so gut wie keine Frauen in der Handlung vorkämen, erwiderte Milena Moser lachend: „Da habe ich nicht so viel Kontrolle drüber. Ich schreibe das auf, was ich sehe, und denke nicht so sehr darüber nach.“ Ihre Figuren seien ein Teil ihres Lebens. „Sie verwirren mich manchmal, sie nerven mich, haben Widersprüche, und ich liebe sie.“

Auf die Frage einer Zuhörerin, wie sie mit Schreibblockaden umgehe, antwortete die Autorin, dass sie das nie wirklich habe. „Das kommt daher, dass ich keine Angst habe, etwas Schlechtes zu schreiben.“ Und wenn ihr doch einmal nichts einfällt, dann schreibt sie das genau so auf: „Mir fällt nichts ein. Mir fällt nichts ein...“ Und Milena Moser erklärte weiter: „Ich glaube, ich habe noch nie zehnmal ,Mir fällt nichts ein’ hintereinander geschrieben. Spätestens beim fünften Mal ist mir immer etwas eingefallen.“

Auf die Frage weshalb sie nach Mexiko gezogen ist, geben zwei andere Bücher von Milena Moser ausführlich Auskunft. Im neuen Land hat sie sich zu Hause gefühlt und nochmal ganz von vorne angefangen. Sie hat sich auf die Suche nach ihrer eigenen Freiheit und der großen Liebe begeben. Die Entscheidung, auszuwandern, habe sie nie bereut, sagt Moser. Sie sei sehr glücklich dort. Das merkte man auch an ihren farbenfrohen Kleidern und ihrem nicht nachlassenden Lächeln, mit dem sie die Aufmerksamkeit der Zuhörer sofort für sich gewann. Das neue Buch von Melina Moser erscheint voraussichtlich im Herbst 2019.

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