Auf bereits bestehende Haft folgt die nächste

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 Dass Wangen Amtsgericht hat ein Urteil gesprochen.
Dass Wangen Amtsgericht hat ein Urteil gesprochen. (Foto: Volker Hartmann/DPA)

Ein Gambier ist vom Amtsgericht wegen Drogenverkaufs zu einer Strafe von einem Jahr und fünf Monaten verurteilt worden. Der Staatsanwalt hatte zuvor für zwei Jahre und zwei Monate Haft plädiert.

Der Angeklagte kam in Begleitung zweier Beamter und in Handschellen in den Gerichtssaal. Da er kein Deutsch spricht, übersetzte eine vereidigte Dolmetscherin für ihn auf Englisch. Der Anwalt erklärte, dass sein Mandant den Verkauf von Marihuana an drei Personen zugebe. Die Anzahl von mehr als 127 Verkäufen konnte er nicht bestätigen und behauptete, dass es weit weniger gewesen seien. Der Angeklagte verkaufte das Marihuana für zehn Euro pro Gramm. Er selbst habe für 175 Euro 25 Gramm bekommen.

Der 1981 in Gambia geborene Flüchtling raucht nach eigenen Angaben selbst seit seinem 16. Lebensjahr täglich das Rauschgift. Durch den Verkauf finanzierte er auch seinen eigenen Bedarf. Von wem er diese Mengen bekam, konnte oder wollte der Angeklagte dem Gericht aber nicht sagen. Die Rede war von einem Dealer aus Albanien. Dieser sei anonym geblieben und die Telefonnummer habe er nicht mehr. Die Qualität des Suchtmittels sei im mittleren Bereich gewesen. Von den drei geladenen Zeugen war einer anwesend. Dieser wollte jedoch keine Aussage machen, da gegen ihn wegen Diebstahls gerade ein Verfahren laufe und er sich somit nicht noch zusätzlich belasten wollte.

Asylantrag nicht entschieden

Der Angeklagte sei in seiner Heimat zwölf Jahre lang zur Schule gegangen und habe dann in einem Schreibwarenladen gearbeitet, sagte er aus. Seine Familie sei größten Teils noch in Gambia. Im Jahr 2015 kam er dann nach Deutschland. Der Asylantrag sei schon gestellt, jedoch wurde darüber noch nicht entschieden. „Was machen Sie, wenn Sie aus dem Gefängnis heraus kommen?“, wollte der Richter wissen. Die Übersetzerin gab seine Worte wieder: „Ich habe aus meiner Vergangenheit gelernt und will ein besserer Mensch werden.“ Darüber hinaus habe er in Frankfurt eine Verlobte, die er heiraten wolle.

Einige Fälle wurden vom Richter eingestellt. Es blieben noch 37 zur Verurteilung relevante Delikte. Der Staatsanwalt schätzte zwar auch die Geständigkeit des Angeklagten, plädierte aber auf zwei Jahre und zwei Monate Haft sowie einen Wertersatz von 370 Euro. Wertersatz bedeutet die Einziehung des Wertes von Taterträgen. Sein Anwalt hingegen wollte, dass dieser reduziert wird und auch die Haftzeit von einem Jahr ausreichen würde. Abschließend wollte der Angeklagte noch einmal beteuern, dass er viele Pläne habe und gut integriert sei. Er wolle unbedingt in Deutschland bleiben.

Der Richter fand die Sozialprognose nicht so positiv. „Sie haben keinen Beruf, können kein Wort Deutsch und der Asylantrag ist noch nicht genehmigt“, gab er zu Bedenken. Unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln sei strafbar. Aber man müsse auch sehen, dass Marihuana eine weiche Droge sei und die Gewinnspanne eher klein war. Daher kam der Richter nach Beratung mit zwei Schöffen zum Ergebnis, dass eine Strafe von einem Jahr und fünf Monaten angemessen sei. Zudem sollen der Wertersatz von 370 Euro sowie die Kosten des Verfahrens auf das Konto des Angeklagten gehen.

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