An der Totenfahne scheiden sich die Geister

Lesedauer: 4 Min
 Die „Allgäuer Maulhelden“ verbinden Geschichte und Humor (von links): Anne Schlor (Geige), Johannes Rahn (Harfe, Moderation) un
Die „Allgäuer Maulhelden“ verbinden Geschichte und Humor (von links): Anne Schlor (Geige), Johannes Rahn (Harfe, Moderation) und Veronika Schmid (Gesang, Moderation). (Foto: Bischofberger)
clbi und Claudia Bischofberger

In der heimeligen Atmosphäre des Gasthofs Stiefenhofer in Itzlings hat das Trio der Isnyer Stubenmusik „Allgäuer Maulhelden“ sein neues Programm „Ein Leichenzug macht Furore: Der Isnyer Totenfahnenstreit von 1751“ vorgestellt.

Isny im 18. Jahrhundert: Die Stadt hat sich vollständig dem protestantischen Glauben verpflichtet. Für die Katholiken bedeutete dies, dass sie weder das Bürgerrecht erwerben konnten, noch innerhalb der Stadtmauern wohnen durften. Allein der Friedhof bot Platz für beide Konfessionen.

Da die Leichenzüge und Prozessionen jedoch notgedrungen durch städtisches, protestantisches Terrain führten, kam es zu mancherlei Protesten und Spannungen beiderseits. Dabei ging es im Kern um die Totenfahne, die bei Leichenzügen vorausgetragen werden sollte. Vor allem die Darstellung des Fegefeuers auf der Fahne stellte für die Protestanten eine Provokation dar.

Dennoch konnten die „Lutherischen“ nicht ganz auf gewisse Dienstleistungen der Katholiken in dem Allgäustädtchen verzichten. Und so wurden Dienstboten und Tagelöhner in den Gartenhäusern ihrer Arbeitgeber untergebracht, die zwischen dem Mauerring und der Stadtgrenze standen. Man nannte sie die „Gartenhäusler“, diese gehörten buchstäblich zur Randbevölkerung der Stadt.

Im Jahr 1751 starb eine „Gartenhäuslerin“. Mit ihrem Tod entfachte erneut die Konfrontation zwischen Katholiken und Protestanten. Der damalige Pater Georg Dobler versammelte für den Leichenzug, der ohne die Totenfahne nicht auszudenken wäre, 40 gestandene Männer, um die Fahne zu schützen. Doch der Klügere gibt bekanntlich nach. Nach Anraten von hohen Vertretern der katholischen Kirche, nicht mit dieser Fahne durch protestantisches Territorium zu ziehen, wurde schließlich ein eigener, rein katholischer Friedhof auf dem Grund des Klosters angelegt.

Johannes Rahn und Veronika Schmid verpackten die Geschehnisse jener Tage in erfrischend humorvolle und in schwäbischer Mundart gesprochene Dialoge. Während Rahn mit Vehemenz und Sturheit auf den Leichenzug mit Fahne beharrt, versucht Schmid die Luft ihres „aufgeblasenen“ Gegenübers mit lässiger Diplomatie abzulassen.

Musikalisch umrahmt wurden die Dialoge mit Musik aus der freien Reichsstadt Isny. Veronika Schmid sang mit ihrer glasklaren Stimme Lieder im oberschwäbischen Dialekt, die unter anderem der „Ostracher Liederhandschrift“ entnommen wurden und im Jahr 1740 entstanden sind. Johannes Rahn begleitete die junge Sängerin mit der Harfe. Zusammen mit Anne Schlor an der Geige spielte Rahn mit der Harfe auch Musik, welche aus Allgäuer Notenbüchern entstammt und zwischen 1860 bis 1890 komponiert wurde. Das Publikum in der vollen Gaststube war begeistert von den Darbietungen und rief lauthals nach einer Zugabe. Diesem Wunsch kamen die Künstler bereitwillig nach und spielten eine Mazurka, einen Lebensfreude versprühenden, böhmischen Tanz.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen