Amtsgericht Wangen: Mann hat Arbeitslosengeld mit Rauschgifthandel aufgebessert

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 Ein wegen Rauschgifthandel Inhaftierter stand in Wangen vor Gericht.
Ein wegen Rauschgifthandel Inhaftierter stand in Wangen vor Gericht. (Foto: Scharpenberg)
Claudia Bischofberger

Am Amtsgericht Wangen wird der Fall eines bereits in der Justizvollzugsanstalt Ravensburg einsitzenden Häftlings verhandelt. Der 35-jährige, deutsche Staatsangehörige wurde beschuldigt, in vier schweren Fällen Handel mit Rauschgift betrieben zu haben. Die Verhandlung wurde vertagt, weil ein weiterer Zeuge vernommen werden muss.

Der Angeklagte aus der Region hatte eine handwerkliche Ausbildung abgeschlossen, bestreitet seinen Lebensunterhalt aber durch den Bezug von Hartz IV und verkaufte zudem erhebliche Mengen von Haschisch, Amphetaminen, Ecstasy und Marihuana. Das erworbene Rauschgift streckte er zudem mit Koffein. Die Anleitung, wie man das mache, habe er dem Internet entnommen. Auch das Streckmittel stamme aus dem Netz. Der Angeklagte selbst habe neben Haschisch, Ecstasy und Marihuana, zudem Heroin und LSD konsumiert. Er gab zu, dass er abhängig ist. Der Lebenslauf des 35-Jährigen ist geprägt von einer langen Liste weiterer Straftaten. Schon als Jugendlicher fiel er wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung und schweren Raubes auf. Seine derzeitige Haft endet Mitte April. Der Vater zweier Kinder möchte diese Zeit noch ohne Komplikationen absitzen und danach in eine Therapie gehen. Bereits jetzt habe er Kontakt zu einer Suchtberatungsstelle aufgenommen.

Auch habe er vor, wieder in seinen Beruf zurückzukehren. Der leitende Ermittler sagte im Zeugenstand aus, dass es zunächst nicht so leicht gewesen sei, überhaupt den aktuellen Wohnsitz des Angeklagten zu finden. Er sei damals immer wieder bei Freunden und Bekannten untergekommen. Bei allen angegebenen Wohnsitzen sei jedoch Rauschgift gefunden worden, das dem Mann zugeordnet werden konnte.

Die Aussagen eines früheren Freundes hatten dem Angeklagten zur Last gelegt, er habe ihm einmal pro Woche über ein Jahr hinweg je drei bis fünf Gramm Marihuana verkauft. Während der Angeklagte die vier schweren Fälle von Rauschgifthandel zugab, bestritt er die Anschuldigungen seines ehemaligen Freundes. Diese Tatsache gab dem Gericht zu denken.

Der Richter war aber der Meinung, dass diese Vergehen im Gegensatz zu den vier schweren wegen der vergleichsweise geringen Menge fast schon unerheblich seien und man diese vernachlässigen könne. Da war der Staatsanwalt jedoch anderer Meinung. Nach einem Telefonat mit dem Oberstaatsanwalt wurde entschieden, dass ein wichtiger Zeuge noch vernommen werden müsse, um auch die „leichteren“ Vergehen zu ahnden. Daher wurde ein weiterer Prozesstermin festgelegt.

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