Schwäbische Zeitung

Die Einstellung des Rinder-Besamungszuschusses für die Landwirte in der Gemeinde Fronreute hat den Haslacher Ortsheimatpfleger einen Vergleich zur Situation der Landwirtschaft von den 1950er-Jahren und heute in „seiner“ Ortschaft zu ziehen. Die Daten hat er im vergangenen Jahr erhoben und sie beziehen sich auf das Gebiet der Kirchengemeinde Haslach, die nach Neukirch hinein reicht.

Insgesamt gab es im Bezirk der Kirchengemeinde Haslach in den 1950er-Jahren 69 Landwirte, berichtet Ahr. Davon waren 56 Landwirte im Voll- und 13 Landwirte im Nebenerwerb. Der größte Hof mit Kuhbestand war in Schomburg und hatte 45 Kühe. Zum zweitgrößten Hof war ein deutlicher Abstand, denn der hatte – in der Haslachmühle – 24 Kühe. Dafür bewirtschaftete dieser Hof eine Mühle und zwei Sägewerke.

Der kleinste Hof stand laut Ahr damals in Kilberg und hatte fünf Kühe und einen Hopfenbestand von 800 Ranken. Von diesem Bestand lebte damals eine Familie mit vier Kindern.

Für die Besamung der Kühe hatten die Landwirte in den 1950er-Jahren in der Kirchengemeinde Haslach 35 Bullen. Einige kleine Weiler außerhalb des Hauptortes Haslach hielten sich einen Farren, also ein geschlechtsreifes männliches Hausrind, der der als Ringfarren gepflegt wurde. Die Landwirte fütterten und pflegten dieses Tier jeweils für zwei Jahre und gaben ihn dann für wiederum für zwei Jahre an den Nachbarn weiter, schreibt Wolfgang Ahr. Und so sei es weiter gegangen. Kosten und Zuschüsse waren laut Ahr zweitrangig: „Hauptsache es war genügend Futter vorhanden“, so der Heimatpfleger.

Neben der Landwirtschaft waren Vollerwerbs-Landwirte noch damals im Gaststättenbereich (3), im Mühlenbereich (2) und als Sägewerker (4) tätig. Unter den Landwirten im Nebenerwerb gab es Totengräber, Küfer, Kaufladen, Metzger, Schmiede und Taglöhner. Auch im Bereich Straßenbau waren einige beschäftigt.

Von den 56 Landwirten im Vollerwerb sind heute noch sechs übrig geblieben. Im Bereich Nebenerwerb sind noch zwei gemeldet, berichtet Wolfgang Ahr. Der Kuhbestand hat sich von 820 auf 398 reduziert. Auf den größten Hof entfallen davon 150 Tiere. Von insgesamt 21 Mägden und 29 Knechten ist noch ein Knecht beschäftigt.

Vom Hopfenbestand mit 62 100 Ranken ist laut Ahr gar nichts mehr übrig. Arbeitspferde, Schweine und Hühner haben sich demnach ebenfalls drastisch reduziert.

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