Westermayer soll für Ravensburg zuständig sein

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W. Westermayer
W. Westermayer (Foto: Schuler, Katja)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter
Leiter Lokalredaktion Ehingen

Nach dem Tod des Ravensburger CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Schockenhoff zeichnet sich ein Neuzuschnitt der Aufgabenbereiche von Waldemar Westermayer (Leutkirch) und Heinz Wiese (Ehingen) ab: Nach Informationen der Schwäbischen Zeitung soll Westermayer künftig den Wahlkreis Ravensburg übernehmen, Wiese dafür den Wahlkreis Ulm/Alb-Donau, für den derzeit dessen Leutkircher Kollege zuständig ist. Wiese bestätigte den Sachverhalt, Westermayer hielt sich bedeckt, kündigte aber eine Entscheidung auf CDU-Bezirksebene binnen der kommenden zehn bis 14 Tage an.

Hinter der möglichen Rochade steckt folgender Sachverhalt: Nachdem Andreas Schockenhoff Mitte Dezember überraschend gestorben war, rückt per Landesliste Ronja Schmitt aus Calw in den Bundestag nach. Die 25-Jährige studiert derzeit in Norditalien.

Waldemar Westermayer war ebenfalls über die Landesliste in den Bundestag gekommen, als Annette Schavan Mitte vergangenen Jahres ihr Bundestagsmandat niedergelegt hatte und als Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland an den Vatikan gegangen war. Seither ist der Leutkircher Landwirt und Obmann des Kreisbauernverbands für Schavans früheren Wahlkreis Ulm/Alb-Donau zuständig. Für die CDU sitzt er außerdem im Leutkircher Gemeinderat und im Kreistag. Heinz Wiese wiederum war bei der Bundestagswahl 2013 über die Landesliste nach Berlin gekommen. Für den Bezirk Württemberg-Hohenzollern dort vertreten, hat er keinen Wahlkreis in seinem Aufgabenbereich.

Stimmen aus der Landesgruppe

Mit dem Tod von Andreas Schockenhoff wurden bereits zum Jahresende in der baden-württembergischen Landesgruppe in Berlin Stimmen laut, dass Wiese den Raum Ulm übernimmt und Westermayer Ravensburg. Beide wären damit bei den politischen Zuständigkeitsbereichen quasi in ihrer Heimat „angekommen“.

Allerdings zeigt sich der Ehinger Heinz Wiese wenig begeistert von den Gedankenspielen in der CDU: „Noch kann ich mich dafür nicht begeistern. Die Politik ist kein Schachbrett, auf dem man die Figuren hin und herschieben kann.“ Zudem müsste der Wählerwille respektiert werden: „Wir müssen glaubhaft bleiben“, erklärte er. Zudem fühlt sich Wiese in seiner aktuellen Rolle sehr wohl: „Ich kenne den Bezirksverband wie kein anderer.“

Laut Wiese habe Westermayer die Idee ins Spiel gebracht: „Es ist verständlich, dass der Kollege Westermayer sich in Richtung Ravensburg orientiert. Somit ist es auch klar, dass er Ambitionen auf die Nachfolge Schockenhoffs hat.“

„Prädestiniert für Ravensburg“

Von diesen wollte Westermayer auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung am Freitag noch nichts wissen. Er sagte zwar: „Es ist klar, dass ich eigentlich für den Wahlkreis Ravensburg prädestiniert bin, weil ich da wohne.“ Allerdings gelte es, „die bestmögliche Lösung für beide Wahlkreise und allen Beteiligten zu finden.“ Mit Letzteren stünden jetzt Gespräche an. Westermayer nannte dabei auch die eigentliche Schockenhoff-Nachrückerin Ronja Schmitt.

Die Entscheidung hänge zudem davon ab, ob auch andere Kriterien erfüllt seien. Westermayer zählt dazu etwa die berufliche Zukunft der Mitarbeiter seines Abgeordnetenbüros in Berlin. Die dortige Mannschaft habe er von Annette Schavan übernommen. Sie sei von daher auf den Raum Ulm/Alb-Donau „fixiert“. „Deswegen wäre es nicht richtig, wenn ich sie mitnähme“, erklärte der Leutkircher Abgeordnete.

„Kann mit beiden Lösungen leben“

Auf die Frage, ob er künftig lieber für seinen bisherigen Wahlkreis zuständig sein oder besser neue Aufgaben in seiner Heimat angehen möchte, erklärte Westermayer: „Ich kann mit beiden Lösungen sehr gut leben.“ Zugleich betonte der Leutkircher gegenüber der SZ, in Ulm „nicht die Aufgaben liegenlassen und davonlaufen“ zu wollen.

Am Sonntag spricht Waldemar Westermayer übrigens beim Neujahrsempfang der Kolpingsfamilie Ehingen (Alb-Donau-Kreis). Dort wolle er die mögliche Personal-Rochade aber nur ansprechen, „wenn ich gefragt werde“.

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