Welche Zukunft hat der Wangener Einzelhandel?

Lesedauer: 5 Min
An Markttagen und bei gutem Wetter – so wie hier vergangene Woche Mittwoch – ist die Wangener Altstadt bestens gefüllt. Das ist
An Markttagen und bei gutem Wetter – so wie hier vergangene Woche Mittwoch – ist die Wangener Altstadt bestens gefüllt. Das ist aber nicht immer so. Auch deshalb gibt es Probleme. (Foto: Treffler)
Redaktionsleiter

Quo Vadis, Wangener Einzelhandel? Um diese grundsätzliche Fragestellung ist es in der jüngsten Verwaltungsausschusssitzung des Gemeinderats gegangen. Anlass dazu war die bevorstehende Händlerbefragung, deren Inhalte Wirtschaftsförderer Holger Sonntag vorstellte. Aus den Wortmeldungen mehrerer Ausschussmitglieder war aber herauszuhören, dass sich die Stadtpolitiker Sorgen machen: Die Öffnungszeiten seien nicht einheitlich, Geschäftsübergaben machen Probleme, und laut Stadt ist die Leerstandsquote leicht gestiegen.

„Die Einschläge kommen näher“, konstatierte Sonntag, bezogen auf den Wandel angesichts des zunehmenden Onlinehandels. Aktuell gebe es in der Innenstadt 27 Leerstände, zehn mehr als zuletzt, aber noch deutlich unter dem Höchststand von 47 vor einigen Jahren. Gleichwohl beziehen sich die Zahlen nicht allein auf Ladenlokale. Hier gibt es derzeit sechs Vakanzen, erklärte Sonntag auf SZ-Nachfrage. Denn eingerechnet in die Statistik sei jede Art innerstädtischer Gewerberaum, also auch Büros oder Garagenflächen.

Im Ausschuss erklärte der Wirtschaftsförderer zudem: „Es tut sich was in der Altstadt.“ Damit meinte er „vielversprechende Neueröffnungen“, die einige Ausschussmitglieder aber hinterfragten: GOL-Fraktionschef Tilman Schauwecker hatte eine erhöhte Fluktuation beobachtet, und manch’ neues Geschäft schließe auch schnell wieder. FW-Fraktionsvorsitzende Ursula Loss begründete dies auch mit einem derzeit laufenden Generationenwechsel – und sprach ein Problem an: „Die kleinen Geschäfte können sich fast nicht halten. Die Läden sind viel zu klein.“

Eine Lösung wäre die Zusammenlegung von Ladenlokalen benachbarter Gebäude. Dazu fand OB Michael Lang deutliche Worte: „Ich habe jegliche Illusion bei der Zusammenlegung von Geschäftsflächen verloren.“ Die Stadt habe daran oft gearbeitet, „aber nie ist es gelungen“. Als Ursache nannte er fehlende gemeinsame Interessen von Hauseigentümern. Diese seien aber nötig, denn größere Flächen stärkten die Attraktivität der Innenstadt. Zumal die Stadt angesichts des schwieriger werdenden Geschäfts generell umso mehr gefordert sei, zu fragen: „Was können wir tun?“

Händlerumfrage stehtin diesem Sommer an

Hilfestellung soll dabei eine im Sommer anstehende Händlerumfrage in der Innenstadt und im Waltersbühl geben. Die Vorlage der Ergebnisse steht für den Herbst an. Kern soll laut Holger Sonntag die Weiterentwicklung des Einzelhandels in beiden Quartieren stehen. Konkret will die Stadt Themen abfragen wie den fließenden und ruhenden Verkehr, die Kundenfrequenz (Sonntag: „Bei schlechtem Wetter reißt sie ab.“) und den Effekt von Veranstaltungen. Bei Letzteren wolle man wissen, was sich lohnt oder wo man möglicherweise in eine „Eventfalle“ tappt.

Ganz bewusst offen gehalten werden sollen die Fragen, betonte der Wirtschaftsförderer. Auch zu den immer wieder strittigen, weil nicht einheitlichen Öffnungszeiten. „Das ist ein altes Thema, das gelöst werden sollte“, forderte CDU-Fraktionsvorsitzender Paul Müller. Und Ursula Loss befand: „Einheitliche Öffnungszeiten sind ein großer Wunsch der Bevölkerung.“ Thema sind dabei nicht nur Schließungen mittags, Müller sprach insbesondere den Samstag an. Dort schlössen die Läden zu früh, weil die Kunden erst gegen 10 oder 11 Uhr in die Stadt zum Einkauf kämen.

Auf Widerspruch stießen die Äußerungen nicht, wohl aber auf die mahnende Stimme von Gudrun Bungard: „Man sollte den Einzelhandel nicht überfrachten.“ Denn lange Geschäftsöffnungen bedeuteten nicht zwingend ein Plus an Kunden, wohl aber mehr Arbeit oder eine geringere Rendite, sollten deshalb zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden müssen. Dem pflichtete Holger Sonntag bei: Bei inhabergeführten Geschäften sei in Sachen Zeitaufwand „oft das Ende der Fahnenstange erreicht“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen