Wangener will Unverpackt-Laden eröffnen

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Online-Redakteurin

Wer die Idee eines genossenschaftlich betriebenen Unverpackt-Ladens in Wangen mit vorantreiben möchte, schreibt eine E-Mail an bgbungard@t-online.de

In einem Laden, der Lebensmittel ohne Verpackungen anbietet, gelten besondere Hygienevorschriften. Davon weiß Alicia Dannecker, Inhaberin des Unverpackt-Ladens „Wohlgefühl“ in Ravensburg, zu berichten. „Wir haben von Anfang an mit dem Veterinäramt, also der Lebensmittelaufsicht, zusammengearbeitet“, so die Jungunternehmerin. „Sie hat uns dabei beraten, worauf wir achten müssen.“ Obligatorisch sei etwa ein Handwaschbecken. Die Lebensmittel dürften außerdem nur an bestimmten Orten aufbewahrt werden, also zum Beispiel nicht in einem Toilettenvorraum. Pflicht sind auch ein Fliegengitter im Lager sowie weitere präventive Schädlingskekämpfungsmaßnahmen. Dazu gehören laut Dannecker regelmäßige Sicht- und gegebenenfalls Geschmackskontrollen der Ware, weil „die Schädlinge meist nicht vor Ort in die Ware gelangen, sondern bereits vorher drin sind“. Wäre also ein Getreide von Schädlingen befallen, müsste der gesamte Sack komplett vernichtet werden. „Das hatten wir aber zum Glück noch nie.“ Weitere Maßnahmen: Das Besteck, mit dem die Leute ihre Lebensmittel abfüllen, muss täglich bei mehr als 70 Grad gereinigt werden, die Stoffhandtücher werden nur einmal verwendet und anschließend in der Maschine gewaschen, Schütten sind so konzipiert, dass weder der Kundenbehälter noch der Kunde damit in Kontakt kommen kann. Die Edelstahlbehälter zum Schöpfen haben zudem einen Deckel, den man einhängen kann, „damit er nicht irgendwo rumhängt, während die Leute schöpfen“. Dies alles sind aus Sicht von Dannecker „total logische und nachvollziehbare Dinge“. (jam)

„Ich habe die feste Absicht, einen Unverpackt-Laden in Wangen zu gründen.“ Mit diesen Zeilen hat sich ein Wangener an die Redaktion gewandt, nachdem er in der SZ gelesen hatte, dass sich zahlreiche Wangener einen solchen Laden für ihre Stadt wünschen. Das Thema war aufgekommen, weil ein Nutzer in der Facebookgruppe „Du weißt, dass du aus Wangen bist, wenn...“ eine entsprechende Frage gestellt hatte. Mehr als 200 Nutzer reagierten innerhalb weniger Tage auf diesen Beitrag, die allermeisten mit Zustimmung.

In einem Unverpackt-Laden, wie er seit Anfang des Jahres in Ravensburg existiert, werden Lebensmittel und -Kosmetika ohne Verpackung angeboten. Kunden können sie aus Schütten und Schöpfen in mitgebrachte, geliehene oder vor Ort gekaufte Mehrwegverpackungen einfüllen. Von diesem Konzept zeigen sich viele Verbraucher auch in Wangen begeistert. Das zeigt auch eine Abstimmung auf Schwäbische.de: Dort stellte die „Schwäbische Zeitung“ seinen Lesern die Frage: „Wünschen Sie sich einen Unverpackt-Laden auch für Wangen?“ 55 Menschen antworteten mit einem Mausklick. Davon stimmten mehr als 87 Prozent mit „Ja“, nur jeder Achte wählten „Nein“.

Berthold Bungard bekam dadurch neuen Auftrieb. Der 58-Jährige ist in Wangen vielfach engagiert, unter anderem als Honorardozent an der Krankenpflegeschule, als Standortleiter des Schülerforschungszentrums und als Mitglied im Kirchengemeinderat. Schon lange setzt er sich in Wangen für die Themen Mitmenschlichkeit, Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein. Die Idee eines Unverpackt-Ladens beschäftigt ihn schon seit Monaten. Bereits im November vergangenes Jahr habe er sich dazu mit Gleichgesinnten getroffen. Im Raum schwebte die Idee einer GmbH. Die scheiterte allerdings an den „finanziellen und zeitlichen Bedingungen“. Konkret: Drei Menschen waren zu wenig, um solch ein Vorhaben zu stemmen.


In einem Unverpackt-Laden werden Lebensmittel, Reinigungsmittel und Kosmetika, ohne Verpackung angeboten.
In einem Unverpackt-Laden werden Lebensmittel, Reinigungsmittel und Kosmetika, ohne Verpackung angeboten. (Foto: Uli Deck/dpa)

Also habe er, Bungard, sich in die genossenschaftliche Idee eingearbeitet. Auch einen Businessplan habe er schon. Sein Konzept solle angelehnt sein an die Unverpackt-Läden in Ravensburg und Markdorf. Auch eine Sitzecke, wie sie seine Vorbilder haben, wünscht sich der verheiratete Vater von vier Kindern aus Deuchelried.

Mit dem Laden möchte der Wangener mehrere Botschaften verbreiten: „Unverpackt einzukaufen ist kein Verzicht – auch wenn solch ein Laden natürlich ein kleineres Sortiment hat als ein Discounter oder ein Supermarkt.“ Im Gegenteil solle der Laden auch Entschleunigung bewirken: Einkaufen, Kaffee trinken, mit den Verkäufern ins Gespräch kommen. „Einkaufen mit mehr Lebensqualität verbinden“, ist Bungards Wunsch. Zusätzlich wolle er das Geschäft als Forum nutzen, um über das Thema Umweltschutz zu informieren. Auch Das Thema fairer Handel gehöre in dieses Konzept, findet der studierte Theologe und Psychologe. Deshalb sei er mit dem Eine-Welt-Laden im Gespräch. „Sie sollen einen eigenen Bereich im Laden haben und dort ihre Waren verkaufen“, so Bungard.

Beim Stammtisch der „Grün-Offenen Liste“ (GOL) wolle er im September sein Vorhaben vorstellen, um weitere Mitstreiter zu gewinnen. Die Inhaberin des Ravensburger Ladens Wohlgefühl, Alicia Dannecker, habe sich bereits bereit erklärt, ihr Konzept bei diesem Treffen vorzustellen. „Mich überzeugt die genossenschaftliche Idee, weil dabei mehrere Leute gestalterisch mitwirken und etwas bewegen können“, schwärmt der Wangener. Deshalb hofft er, dass sich ihm bald weitere Interessierte anschließen.

Wer die Idee eines genossenschaftlich betriebenen Unverpackt-Ladens in Wangen mit vorantreiben möchte, schreibt eine E-Mail an bgbungard@t-online.de

In einem Laden, der Lebensmittel ohne Verpackungen anbietet, gelten besondere Hygienevorschriften. Davon weiß Alicia Dannecker, Inhaberin des Unverpackt-Ladens „Wohlgefühl“ in Ravensburg, zu berichten. „Wir haben von Anfang an mit dem Veterinäramt, also der Lebensmittelaufsicht, zusammengearbeitet“, so die Jungunternehmerin. „Sie hat uns dabei beraten, worauf wir achten müssen.“ Obligatorisch sei etwa ein Handwaschbecken. Die Lebensmittel dürften außerdem nur an bestimmten Orten aufbewahrt werden, also zum Beispiel nicht in einem Toilettenvorraum. Pflicht sind auch ein Fliegengitter im Lager sowie weitere präventive Schädlingskekämpfungsmaßnahmen. Dazu gehören laut Dannecker regelmäßige Sicht- und gegebenenfalls Geschmackskontrollen der Ware, weil „die Schädlinge meist nicht vor Ort in die Ware gelangen, sondern bereits vorher drin sind“. Wäre also ein Getreide von Schädlingen befallen, müsste der gesamte Sack komplett vernichtet werden. „Das hatten wir aber zum Glück noch nie.“ Weitere Maßnahmen: Das Besteck, mit dem die Leute ihre Lebensmittel abfüllen, muss täglich bei mehr als 70 Grad gereinigt werden, die Stoffhandtücher werden nur einmal verwendet und anschließend in der Maschine gewaschen, Schütten sind so konzipiert, dass weder der Kundenbehälter noch der Kunde damit in Kontakt kommen kann. Die Edelstahlbehälter zum Schöpfen haben zudem einen Deckel, den man einhängen kann, „damit er nicht irgendwo rumhängt, während die Leute schöpfen“. Dies alles sind aus Sicht von Dannecker „total logische und nachvollziehbare Dinge“. (jam)

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