Vera Stiller
Redakteurin

Das Interesse war riesengroß: Anwohner der Wohngebiete „Vorderes Ebnet“ und „Gehrenberg“ kamen am Mittwochabend in den Großen Sitzungssaal des Wangener Rathauses, um mit Oberbürgermeister Michael Lang in einen „offenen Meinungsaustausch“ zum Thema „Zukünftige Gestaltung des Wohnmobilstellplatzes“ zu treten.

Bevor Lang die aktuelle Situation mit den einzelnen Konfliktschwerpunkten und dann auch die denkbaren Lösungsansätze vor Augen hielt, bekam Jochen Dietrich die Gelegenheit, die Sicht von Betroffenen mittels einer „Film-Momentaufnahme“ darzustellen. Deutlich war zu erkennen, was die Anwohner rund um den Wohnmobilstellplatz und die Anfahrt dazu nicht mehr hinnehmen wollen: einen überfüllten Stellplatz, der dazu verführt, auch Straßen und Wege zuzuparken, sowie ständiges An- und Abfahren und Rangieren der Fahrzeuglenker.

18 Fahrzeuge in einer Stunde

„An einem Sonntag waren es 18 Wohnfahrzeuge in einer einzigen Stunde“, fasste Dietrich zusammen und scheute sich auch nicht, das Foto eines in die Hecke urinierenden Mannes zu zeigen. Fazit aus allen Unannehmlichkeiten war für ihn, der sich bei den Unterzeichnern eines an den Oberbürgermeister gerichteten Schreibens bedankte, das: „Ich würde meine Kinder nicht mehr auf der Straße spielen lassen.“

Spielende Kinder war etwas später auch das Stichwort für alle Eltern, die befürchtet hatten, der vorhandene Spielplatz müsse den Plänen für einen Sport- oder Bürgerpark weichen. „Auf dem ins Internet gestellten Projektplan ist der Erhalt der Spielmöglichkeit für unsere Kinder nicht zu erkennen“, so der Einwand einer besorgten Mutter. Doch Michael Lang konnte schnell beruhigen: „Der Plan wurde überholt und weist neben dem Erhalt der Sportplätze natürlich auch einen Spielplatz aus. Allerdings beides durch kleinere Veränderungen gestaltbar.“

Im weiteren Verlauf machte der Rathauschef deutlich, dass man „eine bestmögliche Lösung für alle Belange hinbekommen will“. Doch er ließ ebenso keinen Zweifel daran: „Wohnmobilbesitzer sind wertvolle Gäste. Wer sich ein solches Fahrzeug für 100 000 Euro leisten kann, der geht auch zum Einkaufen und besucht die Gaststätten. Deshalb bevorzugt er kurze Wege und will beispielsweise nicht in ein Industriegebiet abgeschoben werden.“

OB verwirft P14-Vorschlag

Den Vorschlag aus dem Saal, den Platz in die Nähe des E-Centers zu verlagern, verwarf Lang mit dem Argument: „Der P14 ist übervoll. Wenn wir da etwas wegnehmen würden, dann könnte man das nicht verstehen. Sie ja, aber andere nicht.“ Um dann schnell mit dem Parkplatz Gehrenberg (Südring bei der Bahnunterführung) auf die „einzige sinnvolle Alternative“ zu kommen. „Wir haben alles abgeklappert. Woanders gibt es keine Möglichkeit“, sagte Lang, wusste gleichzeitig aber, dass mit einer Verlagerung hierher „nicht alle Probleme gelöst sind“.

Nachdem der Oberbürgermeister ausdrücklich betont hatte, dass nichts gegen die Leute selber, „weil 98 Prozent der Wohnmobilisten anständig sind“, sondern gegen die Begleitumstände getan werden soll, stellte er nach zahlreichen positiven Wortmeldungen fest: „Das Votum geht in Richtung Verlegung des Wohnmobilstellplatzes zum Parkplatz am Südring, wo neben den 38 Camper-Plätzen auch Parken für Anwohner möglich sein soll.“

Bevor laut Michael Lang jedoch „Strukturen festgelegt und Details besprochen werden können“, ist zunächst einmal der Gemeinderat gefragt. Auf die Nachfrage, mit welchem Zeitumfang zu rechnen sei, sagte Lang: „Ob die Pläne im nächsten oder übernächsten Jahr umgesetzt werden können, hängt allein von der Dauer des notwendigen Genehmigungsverfahrens ab.“ In diesem Zusammenhang unterstrich der Oberbürgermeister noch einmal seine zuvor schon gemachte Aussage: „Es gibt keine Entwicklung, die nur gut ist. Sie schafft immer auch neue Betroffenheiten.“

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