Wangen feiert sich mit Kretschmann und Sinfonie

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Das Finale des Festakts: Luftballons kommen von der Decke. James Barnes bedankt sich für den Applaus für die Welturaufführung s
Das Finale des Festakts: Luftballons kommen von der Decke. James Barnes bedankt sich für den Applaus für die Welturaufführung s (Foto: Jan Peter Steppat)
Schwäbische Zeitung
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Wangen im Allgäu feiert seinen 1200. Geburtstag. Da gratuliert auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Wangen hat den offiziellen Höhepunkt des Jubiläumsjahres gefeiert. Beim dreieinhalbstündigen Festakt am Freitagabend im Festsaal der Waldorfschule gab es viel Lob von Ministerpräsident Winfried Kretschmann für die Stadt. Vor allem aber war die Feier vor rund 700 Gästen gekennzeichnet durch die gelungene Welturaufführung der Achten Sinfonie James Barnes durch die Stadtkapelle. Der US-Komponist hatte sie eigens für das 1200-jährige Bestehen Wangens geschaffen.

Am Ende war es eine Stimmung wie bei einem Silvesterkonzert der Stadtkapelle. Die vom Bühnendach losgelassenen Luftballons wurden von den Festgästen zertreten; eine laute Knallerei war die gewollte Folge. Zuvor hatte Barnes seine Achte Sinfonie für Wangen dirigiert. Laut OB Michael Lang hatte der Amerikaner die siebte anlässlich des 150-jährigen Gedenkens an den US-Bürgerkrieg geschaffen.

Die vier Sätze der Sinfonie waren erst bestimmt durch Düsterheit und Dramatik, ging ins Moderne über, ehe es romantisch wurde. Das Finale strotzte vor Fanfaren und Hymnen: ein passendes Ende für die Feier eines runden Stadtgeburtstags.

Auch Barnes fühlt sich geehrt

Geehrt fühlten sich viele Wangener durch das Werk, geehrt fühlte sich aber auch der Komponist selbst. Nach einem Stoßseufzer bekundete Barnes seinen Dank, dass er die Sinfonie für Wangens 1200-jähriges Bestehen „komponieren durfte“. Berührt zeigte er sich zudem, dass er seine Musik im Land der großen klassischen Komponisten der Musikgeschichte spielen konnte. Und scherzhaft fügte Barnes noch eine Besonderheit an: „Für einen Amerikaner ist es schwer zu begreifen, dass etwas 1200 Jahre alt ist.“

Als diese Worte fielen gehörte die Festrede von Ministerpräsident Winfried Kretschmann bereits der jüngsten Wangener Stadtgeschichte an. Dem Anlass gemäß fand der Regierungschef nur lobende Worte für die einstige Freie Reichsstadt. Man merke den Wangenern angesichts ihres Selbstbewusstseins diese Historie immer noch an. Nach einem kurzen Ausflug durch die Stadtgeschichte bemerkte Kretschmann: „Die Wangener Altstadt ist wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch.“ Eine mit Besonderheiten. Denn: „Wo gibt es das schon, dass die Passanten von einer Figur mit den Gesichtszügen des Alt-Oberbürgermeisters angespuckt werden“, fragte er mit Blick auf den Verdruckten Allgäuers am Pfaffenturm.

Lob fürs Ehrenamt

Lob gab es auch für die starke, diversifizierte, mittelständische Wirtschaftsstruktur Wanges, dessen Funktion als Zentrum des Württembergischen Allgäus und den Bekanntheitsgrad weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Kretschmann nahm auch die Schilderung OB Langs auf, der in seiner Eingangsrede das starke ehrenamtliche Engagement in der Stadt betont hatte. Der Ministerpräsident bezeichnete dieses als das „größte Gut“, nicht nur in Wangen, sondern in ganz Baden-Württemberg.

Beim Thema Asyl wird Kretschmann politisch

Politisch wurde der Ministerpräsident, als er zahlreiche Beispiele ehrenamtlichen Engagements in Wangen aufzählte - und beim großen Helferkreis für Asylbewerber ankam: „Ich bin sehr glücklich, dass es in unserem Land eine große Hilfsbereitschaft gibt.“ Allerdings differenzierte er zwischen Flüchtlingen, die aus Angst um ihr Leben nach Deutschland kommen und jenen aus Balkanstaaten, die hier seien, weil sie sich in Deutschland wirtschaftlich ein besseres Leben erhofften: „Dafür ist das Asylrecht nicht gemacht“, erklärte Kretschmann. „So weh es tut“, hier komme man um „Rückführungen“ nicht herum. Gleichwohl plädierte der Ministerpräsident für ein „modernes Bleiberecht“.

Redner und Moderator Lang

Erster Redner des Abends war Oberbürgermeister Michael Lang, der nicht nur humorvoll Wangen beschrieb, sondern auch launig durch den gesamten, dreieinhalbstündigen Abend führte. In kurzen Zügen stellte er charakteristische Merkmale der Stadt vor. Dazu gehörte, dass Wangen nach wie vor ein starker Behördenstandort sei. „Wenn man ein Finanzamt vor Ort hat, zahlen die Bürger unglaublich gern Steuern“, erklärte der Rathauschef augenzwinkernd. Nicht ohne hinzuzufügen: „Vielleicht müsste man deshalb eine Außenstelle des Wangener Finanzamts in Griechenland eröffnen. Aber das habe ich nicht gesagt...“

In Richtung Kretschmann pries er die Wangener Stadtkapelle an: „Wenn sie mal ein gutes Orchester brauchen: Unsere Stadtkapelle ist die beste“, sagte er bezüglich des vor zwei Jahren errungenen Siegs beim Deutschen Orchesterwettbewerb. Dieser Tatsache widersprach niemand und war auch am Applaus für die später folgende Uraufführung der Sinfonie abzulesen.

Dichter Programmreigen

Weitere Programmpunkte des Abends waren unter anderem der beifallumtoste Auftritt eines Kinderchors, der aus hunderten Wangener Schülern und Chören der Jugendmusikschule gebildet wurde. Caroline Schnitzer begeisterte mit ihrer Stimme, als sie Werke von Donizetti, Schumann und Sinatra sang. Der Auftritt des Bürgermeister aus Frankreichs Partnerstadt La Garenne-Colombes wurde begleitet durch die sportlich-artistische Darbietung dreier Parcour-Läufer. Nicht weniger Körperbeherrschung erforderte die Modern-Dance-Aufführung junger Italiener aus Wangens dortiger Partnerstadt Prato.

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