Mitglieder des Arbeitskreises „Archiv für schlesische Mundart“ haben bei den 68. Wangener Gesprächen Gedichte von Philo vom Wal
Mitglieder des Arbeitskreises „Archiv für schlesische Mundart“ haben bei den 68. Wangener Gesprächen Gedichte von Philo vom Walde vorgetragen. (Foto: Vera Stiller)
Vera Stiller
Redakteurin

Vorträge, Lesungen und Literarische Gespräche, eine Ausstellung und als Höhepunkt die Verleihung des Eichendorff-Literaturpreises an die in Leipzig lebende Autorin Kerstin Preiwuß – das alles zeichneten die Wangener Gespräche aus, die vom 27. bis 30. September in der 68. Auflage vom „Wangener Kreis, Gesellschaft für Literatur und Kunst. Der Osten“ in Wangen veranstaltet wurden.

Der neue Vorsitzende des Vereins, Johannes Rasim, hatte die Tagung unter den von Horaz geprägten Leitsatz „Jener Winkel der Erde lacht mir vor allem“ gestellt. Um damit auf das kleine Haus von Gerhart Pohl im Riesengebirge zu verweisen, das während der Zeit des Nationalsozialismus als Zufluchtsort für Andersdenkende und Verfolgte diente.

Michael Schuster aus Bernburg stellte den Verein „Fluchtburg“ und die einstigen Gäste vor, die damals am Fuße der Schneekoppe Unterschlupf und Hilfe fanden. Darunter der Maler und Schriftsteller Johannes Wüsten, der Journalist Theodor Haubach, der Künstler Albert Daudistel und der Volkskundler Will-Erich Peukert sowie der Schriftsteller Jochen Klepper.

Stefanie Kemper aus Maierhöfen war es, die einen Nachruf auf Ulrich Schacht hielt, der am 16. September im Alter von 67 Jahren überraschend verstorben war. Der Eichendorff-Preisträger des Jahres 2013 war für viele „ein Aufrechter, ein Protestant alten Schlages. Einer, der meinte, was er sagte.“

Eine große Freude bereiteten Mitglieder des Arbeitskreises für schlesische Mundart den Zuhörern im Weberzunfthaus, deren Erinnerungen an die Heimat und ihre Sprache noch wach sind. Unter der Überschrift „A Singvägerle! Aus der Schläsing“ trugen Christa Negro, Alois Burkert, Wolfgang Prahl, Dietrich Roth und Friedrich-Wilhelm Preuß Gedichte und Lieder vor, die ebenso erheiterten wie sie Wehmut wach riefen. Der 1868 in Kreuzendorf geborene Johannes Reinelt, der unter dem Pseudonym Philo vom Walde bekannt wurde, hatte einst die Texte verfasst.

Bevor es zum Empfang der Stadt ging, stellte sich Marko Martin den Fragen von Johannes Rasim. Der 48-jährige Schriftsteller und Publizist verließ 1989 als Kriegsdienstverweigerer die DDR und lebt seither, sofern er nicht die Welt bereist und seine gemachten Erfahrungen von Land und Leuten weitergibt, in Berlin. Sein Buch „Tel Aviv. Schatzkästchen und Nussschale, darin die ganze Welt“ war auch Grundlage für die Lesung, die am Abend folgte.

Immer wieder werden bei den Wangener Gesprächen Ausstellungen gezeigt. So auch diesmal. Ulrich Schmilewski vom Kulturwerk Schlesien eröffnete am Samstag im Giebelsaal der Badstube eine bis zum 31. Oktober geöffnete Präsentation von Bildern, die Gerda Stryi-Leitgeb (1905–1992) gemalt hat. Bereits mit 16 Jahren war die Künstlerin von Kattowitz nach Breslau gekommen, um sich für die Aufnahme in die „Staatliche Akademie für Kunst“ zu bewerben. Wenngleich die Arbeiten in der vorgelegten Mappe unfertig waren, so erkannte Professor Otto Mueller das Talent der jungen Frau. „Ach, nehmen wir sie doch!“, soll er gesagt haben. Und er hat es nie bereut.

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