Verunsicherung bei Lärmschutz und Güterzügen

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Bei der Infoveranstaltung zur Elektrifizierung der Allgäubahn in Wangen gab es viele Fragen und teilweise Verunsicherung.
Bei der Infoveranstaltung zur Elektrifizierung der Allgäubahn in Wangen gab es viele Fragen und teilweise Verunsicherung. (Foto: arc)
Schwäbische Zeitung

Warum steht bei meinem Haus keine Lärmschutzwand? Wie viele Güterzüge werden künftig durch Wangen fahren? Wie muss ich meine Einwendungen formulieren? Solche und weitere Fragen tauchten bei der gut besuchten Infoveranstaltung zur Elektrifizierung der Allgäubahn im Rathaus auf. Spätestens bis zum 13.Juli müssen die Einwände für den ersten Abschnitt beim Regierungspräsidium eingegangen sein.

Zu Beginn der städtischen Infoveranstaltung erläuterte Tiefbauamtsleiter Peter Ritter im Schnelldurchlauf die „nicht sehr plastisch dargestellten“ Pläne der Bahn. Diese hat die zu elektrifizierende Strecke auf Wangener Gemarkung in zwei Abschnitte eingeteilt: von der östlichen Grenze zu Kißlegg bis hinein ins Stadtgebiet auf Höhe Immelmannstraße (Abschnitt 14), und dann weiter bis zur Landesgrenze nach Bayern (14.1). Neben der Form und der Anordnung der Strommasten ging Ritter auch auf die Veränderungen bei den Bahnübergängen ein. Die Übergänge Ratzenried, Oflings und Fachkliniken werden umgebaut, beziehungsweise modernisiert, der Übergang am Friedhofsweg soll aufgelöst werden.

Falsches Schallschutzgutachten?

Der geplante Verlauf der Lärmschutzwände wurde ebenfalls skizziert. Diese verlaufen bekanntlich entlang der gesamten Praßbergsiedlung und sind auf diesem Abschnitt drei Meter hoch. Auf der in Richtung Lindau bahnlinken Seite gibt es auch einen zwei Meter hohen Abschnitt auf Höhe der Fachkliniken. Die nächsten Lärmschutzwände sollen dann wieder ab Höhe Flandernstraße und bis auf Höhe Nahwärmezentrale stehen: drei Meter hoch Richtung Zeppelinstraße und lediglich ein Meter hoch Richtung „Urtel“. Der letzte aktive Lärmschutz ist dann bahnrechts auf Höhe des Bauhofs und ein Stück weit über die Argenbrücke hinaus. Der Neubau der beiden Brücken über die Lindauer Straße und über die Obere Argen war außerdem Thema, genau wie die prognostizierte Anzahl von Güterzügen. Hier zeigte sich der Tiefbauamtsleiter erstaunt, dass die Bahn aktuell mit null Güterzügen, für 2025 jedoch – auch ohne Elektrifizierung – mit insgesamt 17 der lauten Güterzüge rechnet.

Dies ist für Hansjörg Wurster ein Zeichen dafür, wie die Bahn mit nicht nachvollziehbaren Zahlen eine Steigerung des Lärms kleinreden will. Der Fachanwalt aus Freiburg vertritt in Sachen Elektrifizierung der Allgäubahn juristisch nicht nur Wangen, sondern auch andere Kommunen wie Kißlegg und Leutkirch. Die DB-Pläne sieht Wurster, der als Hauptproblem die lauten Güterzüge ausgemacht hat, grundsätzlich kritisch, denn sie „geben nicht die Betroffenheit der Bürger wieder“. Der Jurist erläuterte den rund 150 Interessierten im Sitzungssaal des Rathauses, wie die Einwendungen zu formulieren sind und was sie beinhalten können: private und öffentliche Belange, den Anspruch auf aktiven und nicht nur passiven Lärmschutz wie entsprechende Fenster, oder dass es nachts keinen Baulärm durch Rammarbeiten für die Masten geben soll. Die Einwendungen für den Abschnitt 14 müssen bis 13. Juli beim RP eingegangen sein, die für den Abschnitt 14.1 (liegen bis Anfang August aus) noch bis zum 17. August.

Angst vor Erschütterungen

Bei der Fragerunde wurde deutlich, dass es bezüglich der Elektrifizierung und der Bahnpläne noch viele Unklarheiten, teilweise auch Ängste gibt. „Ich befürchte, dass die Erschütterungen durch die Güterzüge Schäden an meinem Haus verursachen“, sagte eine Praßbergerin. Eine Bewohnerin des Kneippwegs wunderte sich, warum bei ihrer Straße keine Lärmschutzwand geplant sei. Andere wollten wissen, wie schnell die Güterzüge durch Wangen fahren werden und wie laut diese sein werden. „Das ist unser zentraler Einwand“, antwortete Hansjörg Wurster. Ein falsches Schallschutzgutachten schaffe hier eine falsche Berechnungsgrundlage. Wangens OB Michael Lang sicherte den Bürgern zu, dass auch die Stadt ihre und die Betroffenheit der Bürger dem RP vortragen werden. Am Ende der zweistündigen Infoveranstaltung waren es jedoch viele Fragen, deren Antwort noch aussteht.

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