Claudia Bischofberger

Weil ein Mann gegen das Gewaltschutzgesetz verstoßen hat und seine Bewährungszeit von vorangegangenen Taten noch nicht vorbei ist, muss der Mann nun für zwei Monate und zwei Wochen ins Gefängnis, wie das Amtsgericht in Wangen entschied.

Es war dem Mann nicht mehr gestattet, sich seiner ehemaligen Sozialarbeiterin auf einen Umkreis von 50 Metern zu nähern, ihr nachzustellen oder sie anzusprechen. Dennoch suchte er sie immer wieder auf und wartete in ihrer Mittagspause an ihrem Arbeitsplatz auf sie.

„Ich gebe offen zu, dass es Probleme mit mir gegeben hat, aber ich bin nicht nach Deutschland gekommen, um Probleme zu machen.“ Diese Worte übersetzte der anwesende Dolmetscher für den Angeklagten. Er habe sich in das junge Mädchen verliebt und wollte mehr als eine Sozialarbeiterin-Betreuten-Beziehung. „Die Liebe ist keine Schande, und sie ist zwischen uns vorhanden,“ sagte der Geflüchtete. Dennoch konnte er dem Richter nicht sagen, ob diese Liebe auf Gegenseitigkeit beruhe.

Der nach eigener Aussage stark mit psychischen Problemen behaftete Mann leide zudem noch an einem massiven Alkoholproblem. Dies sei auch der Grund, dass er noch nicht wieder zurück in seine Heimat ist. Außer, dass er ohne Pass sei, könne er in dem Zustand, indem er sich momentan befinde, keinen Fuß in seiner Heimat fassen. Seit acht Jahren habe er seine Mutter nicht mehr gesehen, die in Algerien lebt. Doch wegen der politischen Lage könne man dort nicht leben.

Offene Entschuldigung

Zehn Jahre lang habe er in seiner Heimat die Koranschule besucht und Maschinenbau gelernt. Als politisch Verfolgter habe er dann im Jahr 2011 Algerien verlassen. Drei Jahre habe er in Bulgarien gelebt, und im Jahr 2015 sei er dann in Deutschland gelandet. Über den gestellten Asylantrag sei noch nichts entschieden. Der Anwalt des Angeklagten konnte ein Attest vorweisen, bei dem ein Psychologe eine posttraumatische Belastungsstörung attestierte.

Neben einer offenen Entschuldigung beteuerte der Mann auch, dass er der jungen Frau nur gefolgt sei, um sich zu verabschieden. Die Geschädigte, die als Zeugin anwesend war, gab an, dass sie sich über einen längeren Zeitraum von dem Mann verfolgt und belästigt fühlte. Auch, als sie nachts heimkam, sei er vor ihrer Wohnung gestanden. Es sei ihm daraufhin angewiesen worden, nur noch die Kollegin aufzusuchen, sollte es Probleme geben. Doch daran habe er sich nicht gehalten.

Noch einmal entschuldigte sich der Mann bei der jungen Frau, die ihm nun direkt vor Augen saß. „Alle Menschen machen Fehler. Ich habe etwas Falsches getan. Der Alkohol hat mich krank gemacht,“ mit diesen Worten formuliert er sein Schlusswort. Während die Staatsanwaltschaft auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren auf Bewährung plädierte sowie 80 Arbeitsstunden, hielt der Anwalt 50 Arbeitsstunden und eine offene Bewährungszeit für angemessen. Die Staatsanwältin und der Rechtsanwalt waren sich einig, dass das Geständnis und die Reue hinsichtlich der Urteilsfindung zu einer Linderung beitragen sollten.

Zwar hielt dies auch Amtsrichter Peter Pahnke dem Angeklagten zugute, räumte jedoch ein, dass durch zuvor begangene Straftaten ein Bewährungsbruch vorliege. Diebstahl, Beleidigung, Körperverletzung und Hausfriedensbruch – Verbrechen, deren Bewährungszeit noch nicht abgelaufen sei. „Man muss die Taten im Kontext betrachten“, erklärte er. Und es sei in keinerlei Hinsicht eine positive Sozialprognose vorhanden. Ein noch nicht entschiedener Asylantrag, kein Pass und massive Alkoholprobleme. Da reiche keine Geldstrafe mehr.

Daher hielt der Richter eine Inhaftierung von zweieinhalb Monaten für angemessen.

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