Stadt Wangen und Kulturgemeinde eröffnen Theatersaison

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 Hajo Fickus plaudert beim Saison-Eröffnungsabend des Theaterbeirats über die Frage, wie Theater mit Essen und Trinken überhaupt
Hajo Fickus plaudert beim Saison-Eröffnungsabend des Theaterbeirats über die Frage, wie Theater mit Essen und Trinken überhaupt zusammenhängt. (Foto: Stiller)
Vera Stiller
Redakteurin

Die Stadt Wangen und der Theaterbeirat der Kulturgemeinde haben am Freitagabend im voll besetzten Café Zunftwinkel Appetit auf die sechs Stücke von November 2018 bis März 2019 gemacht. Mitglieder der Badischen Landesbühne Bruchsal, des Landestheaters Dinkelsbühl und des Landestheaters in Memmingen sowie Jörg van Veen für das Theater Lindenhof stellten das Programm vor.

Gut bewirtet und zwischen den einzelnen Wortbeiträgen mit Musik der „Wangen Brass“ bestens unterhalten, so wurde die Eröffnung der Theatersaison wieder zu einer rundum gelungenen Sache. Bevor die Gäste jedes einzelne Stück jedoch vorgestellt bekamen, machte Jörg van Veen sie noch mit Neuerungen vertraut. „Dies ist die erste Saison, in der sich die beiden großen städtischen Kulturreihen in einem Programm präsentieren“, sagte der Vorsitzende des Theaterbeirats der Kulturgemeinde.

Zugleich freute sich van Veen, dass sich die Altstadtkonzerte und das Theater nicht nur optisch im Programmheft widerspiegelten, sondern dass auch die Besucher erstmals die Möglichkeit bekämen, „sich mit dem neuen Mischabonnement das für sie Beste aus beiden Reihen herauszupicken“. Der Dank ging in Richtung Hermann Spang und Silke Vielhaber für die „immer besser werdende Zusammenarbeit zwischen Kulturamt und Theaterbeirat“.

Den ersten „großen und schnellen Ritt durch den Spielplan“ unternahm Claudia Herzog-Kaiser vom Landestheater Schwaben in Memmingen. Wobei sie deutlich machte, dass alle drei in Wangen präsentierten Bühnenstücke von Einzelgängern, von „besonderen Figuren“, handelten. In der ebenfalls romantischen wie musikalischen Liebeskomödie „Eine Sommernacht“ seien es Bob und Helena, denen in ehrlichen Momenten klar würde, dass sie das „lebensverändernde Ereignis“, auf das sie warteten, selbst herbeiführen müssten. In „Supergute Tage“ ist es der Autist Christopher Boone, der Einblicke in seine „sonderbare Welt“ gewährt. Mit „Margarete Maultasch“ dürfe das Wangener Publikum Bekanntschaft mit einer „Frau von unerschöpflicher Lust und Frechheit“ schließen.

Von der Badischen Landesbühnewird die Geschichte vom „Steppenwolf“ in die Stadthalle kommen, die Hermann Hesse 1927 erzählte und die von der tiefen Lebenskrise eines fast 50-Jährigen handelt. Wie von Chefdramaturg Tristan Benzmüller zu erfahren war, lässt der Regisseur Tempo bringende Textpassagen chorisch und in verteilten Rollen sprechen. „Große Wirkung entfalten die bildstarken Videoprojektionen“, sagte Benzmüller und fügte an: „Nicht zu vergessen die Musik, vor allem die von Mozart.“

Jazz Point als Bühne

Sebastian Engmann hatte aus Dinkelsbühl mit der „Sternstunde des Josef Biedermann“ die Geschichte eines zu kurz Gekommenen mitgebracht. Wörtlich sagte der Dramaturg: „Die Stärke des Stückes besteht darin, dass die von Biedermann erzählten Anekdoten an das Publikum weitergegeben werden.“ Um dann abschließend zu erklären: „Es verspricht ein amüsanter Abend mit hanseatischem Charme zu werden.“

Nachdem Jörg van Veen für das Landestheater Schwaben „Eine Sommernacht“ vorgestellt und davon gesprochen hatte, dass es sich hierbei um eine hinreißende Romanze mit viel Spielwitz handeln würde, nannte er deren Besonderheit: „Weil zuweilen eine vollzählige Musikkapelle auf der Bühne steht, eignet sich auch der Jazz Point in Beutelsau als Aufführungsort sehr gut. Und das gleich an zwei Abenden.“

In seiner bekannt humorigen Art hatte van Veen zuvor mit Hajo Fikus den „George Clooney der Wangener Theaterbretter“ begrüßt und darüber informiert, dass dieser die Anwesenden darüber rätseln ließe, „in welcher Weise Theater mit Essen und Trinken zusammenhängt“. Fikus machte dabei auch mit „absoluten Verboten auf der Bühne“ vertraut und nannte Beispiele des Aberglaubens.

Pfeifen sei ebenso nicht erlaubt wie das Schwärzen des Gesichtes. Lieber verpflichte man Roberto Blanco als Othello, sagte Fikus und erzählte eine „wahre Geschichte“ über eine „Probe aufs Exempel“. Überraschendes Ergebnis: Statt Apfelsaftschorle wird auf den Brettern, die die Welt bedeuten, tatsächlich echter Sekt kredenzt.

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