Stadt Wangen fordert vor allem besseren Lärmschutz

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Mehr Lärmschutz fordert die Stadt Wangen bei der Elektrifizierung der Allgäubahn.
Mehr Lärmschutz fordert die Stadt Wangen bei der Elektrifizierung der Allgäubahn. (Foto: Rasemann)
Schwäbische Zeitung

Grundsätzliches Wohlwollen gegenüber der Elektrifizierung der Allgäubahn, aber Kritik an der Darstellung und den Plänen der Bahn: So lässt sich die Stellungnahme der Stadt Wangen bei der Anhörung im Planfeststellungsfahren zum Abschnitt zwischen Kißlegg und Hergatz zusammenfassen. Die Forderungen beziehen sich vor allem auf einen besseren Lärmschutz.

Fragen zum Lärmschutz dominierten bereits die jüngste Infoveranstaltung zur Allgäubahn-Elektrifizierung, die die Stadt Anfang Juli veranstaltete. Bis zum Mittwoch, 13. Juli, dem letztmöglichen Termin für den Abschnitt 14 (Gemarkungsgrenze zu Kißlegg bis Immelmannstraße), gingen insgesamt 97Einwendungen von betroffenen Bürgern ein. Auch die Wangener Verwaltung hat über ihren juristischen Vertreter, Fachanwalt Hansjörg Wurster, mittlerweile eine Stellungnahme Richtung Regierungspräsidium abgeschickt. Die war dann auch Thema in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

In ihrer Stellungnahme kritisiert die Stadt die Prognose der Bahn, die für 2025 mit und ohne Elektrifizierung von täglich 17 Güterzügen ausgeht, obwohl aktuell kein einziger durch Wangen fährt. Dadurch solle der Eindruck erweckt werden, dass es zu keiner erheblichen Veränderung beim Lärm kommt. Vor allem die bei Nacht fahrenden Güterzüge würden sich hier nachteilig auf die Wangener auswirken. Aus dem laut Stadt „zentralen Konfliktpunkt“ beim Verkehrslärm durch die Züge folgt die städtische Forderung, dass ein aktiver Schallschutz Vorrang haben müsse gegenüber einem passiven (Lärmschutzfenster). So verlangt die Verwaltung Lärmschutzwände und ein ruhigeres, „besonders überwachtes“ Gleis im gesamten Siedlungsbereich. Die Pläne der Bahn sehen beispielsweise auf Höhe Adler-Quartier, Kneippweg oder Gehrenberg keine Lärmschutzwände vor. Laut Stellungnahme sind die Ausführungen der Bahn zum Schallschutz „von der Interessenlage geprägt, das Problem möglichst kostengünstig (...) zu regeln“. Kritik gibt es seitens der Stadt auch an der Umweltverträglichkeitsstudie der Bahn. Sie unterschlage die negativen Auswirkungen durch höheren Lärm und höhere Schadstoffe, die wegen der verlängerten Schließzeiten der Schranken entstünden. Weitere Kritikpunkte betreffen die Kosten für die Kommune, die Untersuchungen zu den Erschütterungen und den Lärm durch die Baumaßnahmen. So verlangt die Stadt den Verzicht auf nächtliche Arbeiten. Gefordert wird auch ein Fernverkehrshalt, eine Aussage zur B 32-Unterführung und die Verbreiterung der Unterführung an der Immelmannstraße.

Die kritische Stellungnahme wurde von allen Fraktionen begrüßt und dabei auch Zweifel an den Messungen der Bahn geäußert. Wert gelegt wurde aber auch auf die grundsätzlich positive Einstellung zur Elektrifizierung der Allgäubahn. „Wenn in einer Gesellschaft Mobilität gefordert wird, muss dafür auch ein gewisser Preis gezahlt werden“, sagte dazu Tilman Schauwecker (GOL).

Einfluss hat die Stadt mit ihrer Stellungnahme nur an den wenigen Stellen, wo sie direkt betroffen ist. Deshalb mussten die betroffenen Bürger aus rechtlichen Gründen selbst ihre Einwände schriftlich darlegen. In einem Erörterungstermin, der in Wangen frühestens im Herbst stattfindet, werden die Einwendungen dann im Beisein des Regierungspräsidiums und von Vertretern der Bahn verhandelt.

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