Stadt droht Chance zu vergeben

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Stadt droht Chance zu vergeben
Stadt droht Chance zu vergeben
Jan Peter Steppat

Dass sich die allermeisten Fragen der Anwohner von Haid und Wittwais bei der Vorstellung des potenziellen Baugebiets um Verkehrsthemen drehten, ist logisch. Denn Autofahrer können die künftigen Bauplätze nur auf drei Wegen erreichen: entweder durch die oft ohnehin verstopfte Siemensstraße oder über die bestehenden Wohnstraßen in der Haid beziehungsweise der Wittwais. Hier kommt jede Menge Planungsarbeit auf die Stadt zu.

Aus Sicht der Anwohner ist es ebenso logisch ist, dass die Stadt ihnen weit entgegenkommt. Sie haben Sorge, dass ihnen etwas vor die Nase gesetzt wird, was ihnen nicht gefällt. Allerdings: Genau damit ist die Stadt gerade dabei, eine Chance zu verspielen: Sie trennt Eigenheime einerseits und Miet- oder Sozialwohnungsbau andererseits sauber voneinander und leistet allgemein wachsenden sozialen Kluften auch räumlich Vorschub. Der mögliche integrative Charakter von Siedlungen fehlt bei den vorgestellten Ideen völlig.

Dabei wäre er durch eine bessere Mischung von Eigenheimen, Mietwohnungen und auch sozial gebundenen vier Wänden baulich leicht herzustellen. Ein Blick in die Bregenzer Straße reicht, um zu erkennen, wie (in Kooperation von BG und Stadt) neu entstandener sozialer Wohnungsbau auch aussehen kann: baulich gut eingefügt in den dort ebenfalls herrschenden Einfamilienhaus-Charakter.

Vielleicht fehlt es der Stadt aber schlicht an Mut, derlei Ideen schon grundsätzlich skeptischen Anwohnern näher zu bringen. Zumal deren Sprecher Maximalforderungen aufgestellt haben, „ausschließlich die Bebauung mit Einfamilienhäusern“ vor der Haustür haben zu wollen. Mit Verlaub: Das ist reines Kirchturmdenken und angesichts der Lage auf dem Wohnungsmarkt purer Egoismus. Wenn Heinz Philipps dann auch noch um den Charakter Wangens als „einer der schönsten Städte Deutschlands“ wegen der Bebauung von gut 40 Hektar Wiese fürchtet, dann ist es höchste Zeit, verbal zwei Gänge zurückzuschalten. Und übrigens auch, sich gedanklich mit Kompromissen zu beschäftigen.

j.steppat@schwaebische.de

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