So stehen die Wangener zur geplanten Widerspruchslösung bei der Organspende

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Nikolai Kytzia

Im Jahr 2017 sank die Zahl der Organspenden in Deutschland auf einen Tiefpunkt und das obwohl laut Gesundheitsministerium alle acht Stunden ein Patient auf der Warteliste wegen eines fehlenden Spendeorgans stirbt. Um diese Umstände zu verbessern, legte Gesundheitsminister Jens Spahn am 31. August einen neuen Gesetzentwurf vor. Bisher gilt in Deutschland die Entscheidungslösung. Das heißt, man muss seine Entscheidung zur potentiellen Spende eines eigenen Organs ausdrücklich in einem Organspendeausweis festhalten. Spahn plädiert in seinem Gesetzesvorschlag für die in vielen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien oder Österreich bereits angewandte Widerspruchlösung. Dabei wird eine Zustimmung zur Organspende automatisch vorausgesetzt, so lange man nicht ausdrücklich „nein“ sagt. Minister Spahn fordert eine breite Debatte über Parteigrenzen hinaus: „Immerhin greift der Staat hier in die Freiheit des Einzelnen ein.“ (niko)

Seit einigen Tagen rückt das Thema Organspende wieder mehr in den Fokus, denn als Lösung für das Problem fehlender Organspender hat Gesundheitsminister Jens Spahn die sogenannte Widerspruchlösung (siehe Kasten) ins Gespräch gebracht. Die Zustimmung zur Organspende ist dabei automatisch gegeben, so lange man nicht ausdrücklich „nein“ sagt. SZ-Mitarbeiter Nikolai Kytzia hat Passanten in Wangen nach ihrer Meinung dazu befragt.

„Generell ist die Holpflicht der Ablehnung ein gutes Instrument, damit wir uns damit beschäftigen und aus ethischen Gründen sollte sich jeder damit befassen, da es jeden betreffen kann“, findet Olav Kessler aus Wangen, der einen Spendeausweis hat. Jedoch weist er auch auf die Komplexität des Themas hin. Viele würden aus Bequemlichkeit eine Auseinandersetzung mit diesem Thema vermeiden, die jedoch sofort stattfinde, wenn es einen selbst beträfe.

„Ich finde den Schritt gewagt, es sollte davor vielleicht lieber mehr Aufklärung und Werbung - sprich Öffentlichkeitsarbeit – für Organspende passieren“, sagt Jennifer Jehle aus Wangen, die grundsätzlich Organspende nicht abgelehnt. Jedoch sieht sie zuerst einmal den Bedarf, den Bürgern die Angst vor dem Thema Organspende zu nehmen, das ihrer Meinung nach unzureichend kommuniziert wird.

Obwohl Raphael Le Cossec aus Amtzell die neue Idee gut findet, fehlt ihm wie Jehle ebenfalls Aufklärung, die die Angst vor einer Spende nehmen soll, sowie das Vertrauen in ein funktionierendes System. „Ich traue einer reibungslosen Umsetzung nicht ganz, denn mit Organen kann viel Geld verdient werden – Stichwort Organhandel.“

Für Johannes Weinbacher aus Wangen geht das etwas zu weit: „Ich finde es unwürdig, dass der Tote nicht in Ruhe gelassen wird, sondern am Ende noch an ihm rumgeschnippelt wird.“ Zudem nennt er als weiteren Kritikpunkt, dass für ihn der Hirntod nicht der Tod eines Menschen ist.

„Viele schrecken davor zurück, sich mit dem eigenen Tod zu befassen“, sagt Konni Mohrhauser aus Wangen, die schon länger einen Organspendeausweis besitzt und die neue Idee grundsätzlich gut findet. Erst halte sich jeder zurück, im Falle des Eigenbedarfs sähe es bei vielen schnell anders aus. Das Problem liegt ihrer Meinung nach eher daran, dass Krankenhäuser für eine Organentnahme zu wenig finanziellen Ausgleich erhalten.

Für Amelie Preuss aus Wangen, die selbst einen Organspendeausweis hat, ist die Sache klar: „Ich finde es gut, dass die Leute sich selbst darum kümmern müssen, wenn sie kein Spender sein möchten, denn so sind sie zu einer Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema gezwungen.“

Johanna Schmidt aus Sieberatsweiler beklagt ebenfalls fehlende Öffentlichkeitsarbeit bei dem Thema Organspende. Vielen müsste man erst einmal die Angst nehmen, da sie eventuell Kopfkino hätten. „Falls die neue Regelung durchkommt, muss auf alle Fälle dafür gesorgt werden, dass auch wirklich jeder davon mitbekommt“, sagt Schmidt.

Im Jahr 2017 sank die Zahl der Organspenden in Deutschland auf einen Tiefpunkt und das obwohl laut Gesundheitsministerium alle acht Stunden ein Patient auf der Warteliste wegen eines fehlenden Spendeorgans stirbt. Um diese Umstände zu verbessern, legte Gesundheitsminister Jens Spahn am 31. August einen neuen Gesetzentwurf vor. Bisher gilt in Deutschland die Entscheidungslösung. Das heißt, man muss seine Entscheidung zur potentiellen Spende eines eigenen Organs ausdrücklich in einem Organspendeausweis festhalten. Spahn plädiert in seinem Gesetzesvorschlag für die in vielen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien oder Österreich bereits angewandte Widerspruchlösung. Dabei wird eine Zustimmung zur Organspende automatisch vorausgesetzt, so lange man nicht ausdrücklich „nein“ sagt. Minister Spahn fordert eine breite Debatte über Parteigrenzen hinaus: „Immerhin greift der Staat hier in die Freiheit des Einzelnen ein.“ (niko)

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