Sensoren sorgen auf der Allgäubahn für Sicherheit

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Auch auf der eingleisigen Allgäubahnstrecke in Wangen, hier auf Höhe der Praßbergsiedlung, überwachen Sensoren die Sicherheit.
(Foto: reichert)

Nach dem fürchterlichen Zugunglück in Oberbayern ist auch eine Diskussion um die Sicherheit auf eingleisigen Eisenbahnstrecken entbrannt. Und im Württembergischen Allgäu fragen sich jetzt wohl viele: Kann so etwas ebenso bei uns passieren? Schließlich werden die Allgäubahnstrecken in den Regionen Wangen, Kißlegg und Leutkirch nur eingleisig befahren. Und: Wie sieht die Sicherheitstechnik eigentlich hierzulande aus?

Laut Deutscher Bahn, verfügen seit 2012 alle Strecken des insgesamt 33 000 Kilometer langen Schienennetzes der DB, egal ob ein- oder zweigleisig, über sogenannte Zugbeeinflussungssysteme. Sie sorgen dafür, dass Züge zum Stehen kommen, wenn Signale nicht beachtet oder die zulässigen Geschwindigkeiten nicht eingehalten werden. Wie auf den Bahnstrecken im Württembergischen Allgäu, wird hierfür hauptsächlich die sogenannte punktförmige Zugbeeinflussung (PZB) eingesetzt.

Elektronik bremst Züge bei Bedarf bis zum Stillstand ab

Die funktioniert laut Deutscher Bahn, vereinfacht gesagt, so: Bei der PZB kommunizieren Sensoren am Gleis und am Fahrzeug miteinander. Überfährt etwa ein Zug ein Rot anzeigendes Signal, wird er automatisch bis zum Stillstand abgebremst. Außerdem überwacht das System, ob an einem bestimmten Punkt die zulässige Geschwindigkeit des Zuges überschritten wird. So sind an Stellen, an denen ein Zug seine Geschwindigkeit um mehr als 20 Prozent reduzieren muss, wenn beispielsweise weil eine enge Kurve kommt, sogenannte Geschwindigkeitsprüfungen vorgeschrieben. Ist der Zug an den Messpunkten zu schnell, wird er ebenfalls bis zum Stillstand zwangsgebremst. Dasselbe gilt etwa auch für Tempolimits in Baustellenbereichen. Der erste Messpunkt weist den Lokführer im Führerstand auf die notwendige Tempodrosselung hin, falls noch nicht geschehen. Bestätigt der Lokführer diesen Hinweis nicht und setzt er die Geschwindigkeit des Zugs dann immer noch nicht herab, erfolgt nach dem zweiten Messpunkt die Zwangsbremsung.

Bei Zuggeschwindigkeiten von über 160 Kilometern in der Stunde sorgt die sogenannte Linienzugbeeinflussung (LZB) für zusätzliche Sicherheit. Ergänzt werden die Zugbeeinflussungssysteme durch die Sicherheitsfahrschaltung (Sifa). Sie sorgt dafür, dass ein Zug gebremst wird, wenn der Triebfahrzeugführer während der Fahrt handlungsunfähig wird. Zur punktförmigen Zugbeeinflussung sagt Roland Kortz, Sprecher der Deutschen Bahn in Stuttgart: „Das System ist so ausgelegt, dass Begegnungsunfälle nicht vorkommen können. Wenn ein Zug ein grünes Signal hat, dann hat der andere Zug automatisch ein rotes Signal.“

Warum es auf der ebenfalls mit PZB ausgerüsteten Bahnstrecke in Oberbayern dann trotzdem zu dem schrecklichen Zusammenprall der beiden Regionalzüge kommen konnte, darüber wird derzeit heftig spekuliert.

„Sicherheitsvorsorge ist unabhängig von Zahl der Züge“

Zurück zur Allgäubahn: Auch nach der Elektrifizierung wird die eingleisige Strecke im württembergischen Teil, grob zwischen Aitrach und Hergatz, weiter nur mit dem PZB-System ausgestattet sein. Denn trotz des Ausbaus für schnellere Neigetechnikzüge wird die Geschwindigkeit in diesem Bereich maximal 160 Kilometer pro Stunde betragen. Momentan liegt sie zwischen 80 und 120 Stundenkilometern. Auch die Prognose der Deutschen Bahn, wonach im Jahr 2025 zwischen im Bereich Leutkirch, Kißlegg, Wangen und Hergatz täglich bis zu 75 Züge (statt, wie bisher, rund 45) verkehren, hat keinen Einfluss auf das bestehende System. „Die Sicherheitsvorsorge ist unabhängig von der Zahl der Züge“, sagt hierzu ein Bahnsprecher aus München.

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