Am Ziel: Timo Schwarzkopf mit dem EM-Gürtel.
Am Ziel: Timo Schwarzkopf mit dem EM-Gürtel. (Foto: Florian Wolf)
Redaktionssekretariat

Es war Timo Schwarzkopfs 21. und zumindest bislang wohl wichtigster Profikampf. Der K.o. im EBU-EU-Europameisterschafts-Duell gegen den bisherigen Titelträger Florin Cardos am Samstag bedeutet für den 27-jährigen Wangener ein wichtiges Sprungbrett für deutlich höhere Aufgaben und Einsätze. Die Titelverteidigung und das Duell gegen den Sieger der höchst angesiedelten Europameisterschaft, das voraussichtlich im Frühjahr sein wird, sind nun die weiteren sportlichen Stationen. Gelingt das, könnte sich Schwarzkopfs größter Traum erfüllen.

„Ich will die Box-Weltmeisterschaft nach Wangen holen“, sagt Schwarzkopf mit fester Überzeugung. Wangen, das ist für ihn nach seinen beiden K.o.-Siegen vor eineinhalb Jahren und am vergangenen Samstag deutlich mehr als „nur“ ein gutes Pflaster. Wangen, das ist Heimat, die Nähe zur Familie, zu Freunden und Unterstützern, die für ihn fast so etwas wie ein legales Doping sind. „Ich habe mich am Samstag schon in der Kabine unschlagbar gefühlt“, blickt Timo Schwarzkopf, der eigentlich Festim Kryeziu heißt, noch einmal auf den Kampf zurück.

Der Jugendtrainer ist begeistert: „Festim hat mit Kopf geboxt.“

Als es dann ernst wurde, Schwarzkopf im Ring stand, locker die Knie anzog und streckte, ein bisschen tänzelte, redete er lächelnd mit Bruder Urim. Dieser coacht ihn seit und nach der Trennung vom langjährigen Trainer Conny Mittermeier. „Es war alles so anders als beim letzten Kampf in Amerika, bei dem ich verletzt und im Kopf blockiert war. Es hat einfach alles gepasst. Ich habe mich gefühlt wie in meinem Wohnzimmer“, sagt Schwarzkopf.

Dort, im 800 Zuschauer fassenden „Wohnzimmer“ erklangen nicht nur zahlreiche „Timo“- und „Festim“-Anfeuerungsrufe. Dort standen sie auch alle, seine langjährigen Wegbegleiter, die Kraft und Rückhalt bedeuten. Während Freundin Elsa Höninger an Schwarzkopfs Sieg glaubt, aber dennoch kaum zuschauen kann, ist Sigi Wojcik, sein einstiger Jugendtrainer, einer, der ganz genau hinguckte. „Das war super. Er hat locker und geplant geboxt, mit einer Rechten richtig getroffen. Das war’s. Festim hat mit Kopf geboxt“, wird er nach dem Sieg sagen. Aus den Augen von Festims Bruder Urim spricht Stolz und Freude: „Ich hab ihm nur gesagt: Mach‘ das! Aber das war harte Arbeit und ich habe gedacht, das geht länger.“

Schwarzkopfs Weiterentwicklung, das Warten können auf den richtigen Augenblick, beeindruckt auch Jürgen Rölli, in dessen BC Wangen der „kleine Festim“ das Boxen angefangen und erlernt hat. Die Zielstrebigkeit nach oben zu kommen, die Kryeziu schon als 12- oder 13-Jähriger in sich hatte, beeindruckt den langjährigen Vorsitzenden des Wangener Boxclubs: „Er ist ungemein gereift. Er schaut sich den Gegner an und weiß genau, wo er hinschlagen muss und tut es auch.“ Dass Schwarzkopf immer noch ins BCW-Bambini-Training kommt, auch mit den Jüngsten arbeitet, wenn es seine Zeit erlaubt, imponiert Rölli – genau wie dessen „Naturkraft“: „Ich habe ihm vor zwei Tagen schon gesagt, deine rechte Schulter entscheidet den Kampf.“ Genau so war es letztlich.

Die Hilfe seines BC Wangen war ihm wieder einmal gewiss

Von zwei Dingen ist Timo Schwarzkopf fest überzeugt: „Hier in Wangen schlägt mich keiner. Und ich habe hier mehr als 100 Prozent gebracht.“ Es gilt nun weiterzumachen in Sachen Europameisterschaft, auf sich aufmerksam machen für höhere Aufgaben. „Ich brauche aber auch die Unterstützung der Wangener.“ Eine hohe Summe hat er investiert, um den EM-Boxabend überhaupt nach Wangen zu holen. Die Hilfe seines BC Wangen war ihm wieder einmal gewiss. „Die Zuschauer waren Bombe“, sagt Schwarzkopf.

Und am Sonntagmorgen erreichte ihn auch eine Nachricht von Jürgen Bremer, dem ehemaligen WBA- und WBO-Weltmeister, der ihm gratulierte. Viel Zeit zu feiern blieb Timo Schwarzkopf übrigens nicht. Denn schon früh am Morgen hieß es, verschiedene Boxer des Abends und die albanischen Fernsehleute, die den Kampf des Deutschen mit albanischen Wurzeln am Sonntagabend im dortigen Fernsehen ausstrahlten, zum Flughafen zu fahren und schließlich die Argensporthalle wieder aufzuräumen. Eigenhändig und im Kreis der Unterstützer, versteht sich.

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