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(jps/mag/bee/knf) - Der Raum Wangen versinkt am Donnerstag buchstäblich im Schnee. Über aktuelle Entwicklungen des Tages gibt es hier fortlaufende Aktualisierungen.

Mehrere Veranstaltungen von Hallensperrungen betroffen

Wangen erlebt den stärksten Wintereinbruch seit langem. Ist der viele und vor allem schwere Schnee für Autofahrer und Fußgänger eine Last, so stellt er zunehmend auch eine Gefahr dar. Die Stadt hat deshalb für einige Hallen im Stadtgebiet aus Sicherheitsgründen die Sperrung angeordnet. Davon betroffen ist laut Mitteilung ab sofort die Praßbergsporthalle. Ab morgen Freitag sind auch die Alte Sporthalle, die Argensporthalle sowie die Sporthallen in Deuchelried, in Karsee, in Neuravensburg, in Niederwangen und in Primisweiler gesperrt.

Diese Dächer sind nur bis 150 Kilogramm pro Quadratmeter ausgelegt, so die Stadt. Vergleichsmessungen ergaben bereits vor zwei Tagen eine Baulast von 110 Kilogramm bei einer Schneehöhe von 39 Zentimetern. Inzwischen liegt der Wert bei 120 Kilogramm bei 63 Zentimetern. Da diese Werte aber nicht auf dem Dach ermittelt werden können, sondern in der Fläche simuliert werden müssen, müssen sie ohnehin mit der gebotenen Vorsicht betrachtet werden.

Weiterer Schnee beziehungsweise Regen dürften zur Verschärfung der Situation beitragen, schätzt die Stadt. Um Gefahren von vornherein abzuwehren, werden die flachen Überdachungen am Schulzentrum im Ebnet in Kürze von Hand abgeschaufelt und gestützt.

Geöffnet bleiben bis auf Weiteres die Ebnet-Sporthalle, die Lothar-Weiß-Halle, die Berger-Höhe-Sporthalle, die Sporthalle in Leupolz und die Festhalle in Haslach.

Von den Hallensperrungen sind mehrere, für das kommende Wochenende geplante Veranstaltungen betroffen: so der Tischtennis-Spieltag mit Mannschaftswettkämpfen am Samstag in der Praßberg-Sporthalle, ein Fußball-Hallenturnier des WfV, ebenfalls am Samstag, in der Argensporthalle sowie die von den Mühlenhexen in der Alten Sporthalle geplante Party am Samstagabend. Letzteres hat zur Folge, dass am Donnerstagabend auch das vorherige Hexenerwachen der Zunft und der Nachtumzug durch die Altstadt abgesagt wurden. „Schweren Herzens“, wie der merklich betroffene Zunftmeister Florian Scharnagel erklärte. Alternativen für die Alte Sporthalle habe es nicht gegeben einen Ersatztermin in dieser Fasnet ebenfalls nicht.

Am Mittwochabend waren Zunft und Stadt zunächst noch übereingekommen, dass die Veranstaltung über die Bühne gehen kann.

Unterdessen hat die Ortschaft Karsee inzwischen auch wetterbedingt ihren für Freitag geplanten Neujahrsempfang abgesagt.

Schneebruch: Wangener Stadtpark gesperrt

Äußerst gefährlich ist derzeit auch der Aufenthalt im Wald wegen Schneebruchs. Diese Gefahr dürfte über das Wochenende auch noch zunehmen, wenn die Schneefallgrenze auf rund 1000 Meter ansteigt und der Regen zusätzlich das Gewicht der Schneelast verstärkt, befürchtet die Wangener Stadtverwaltung. Deshalb sei es ratsam, in nächster Zeit auf Spaziergänge im Wald ganz zu verzichten. Aus demselben Grund ist derzeit auch der Stadtpark gesperrt. Martin Blum, Leiter des städtischen Bauhofs, sagt: „So eine Schneebruchgefahr habe ich noch nie erlebt.“

Winterdienst Tag und Nacht im Einsatz

Der Winterdienst der Stadt Wangen ist seit Sonntag Tag und Nacht mit 47 eigenen Mitarbeitern und zehn Mitarbeitern von Dienstleistern im Einsatz, teilt die Stadtverwaltung weiter mit. „Sie alle arbeiten bis ans Limit und tun ihr Bestes, damit der Verkehr rollen kann“, berichtet sie.

300 Kilometer umfasst demnach das Straßennetz, das mit 22 Großräumern, von denen wiederum zehn mit Streuern ausgerüstet sind, bearbeitet wird. Außerdem sind neun Schmalspurschlepper unterwegs, um unter anderem Fußwege zu räumen.

Seit Montagabend 20 Uhr werden die Schneemassen gefräst und zu den Schneelagerplätzen transportiert. Dazu sind eine große Fräse sowie zwei Kompaktfräsen im Einsatz sowie Lkws nach Bedarf, heißt es weiter. Gefräst werden könne nur in der Nacht, weil tagsüber der Verkehr dadurch zusätzlich behindert würde.

OB Lang dankt Räumdiensten

Oberbürgermeister Michael Lang dankte allen Kräften für ihren Einsatz. Insbesondere bezog er die für die Stadt arbeitenden Dienstleister mit ein, die der extreme Wintereinbruch vor verschärfte Aufgaben stelle. Er bat zudem all jene, die sich durch die Fräsgeräusche und den Lärm der Lkws gestört werden, um Verständnis.

Die Räum- und Streupläne folgen laut Stadt einem bestimmten Muster: „Es werden jene Straßen bevorzugt geräumt, die ,verkehrswichtig’ sind. Dazu gehören Bundesstraßen, dann aber auch die vorrangig die Busstrecken. Bei Glätte gilt Steigungen ein besonderes Augenmerk.“ Die Verwaltung weist ferner daraufhin, dass Schnee nicht von Grundstücken auf die Straße gebracht werden darf: „Dabei handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit.“

Damit der erwarteten milden Witterung vermutlich Tauwetter einsetzen wird, sei es zudem ratsam, die Gullis freizuräumen, damit das Tauwasser abfließen kann.

Sorge um zwei Kirchen

Wegen der ergiebigen Schneefälle ist seit Montag und bis auf weiteres die Kirche in Schwarzenbach gesperrt, wie der Wangener Architekt Karl Herter auf SZ-Anfrage mitteilte. Das Kirchenschiff des Gebäudes aus dem Jahr 1958 habe eine leichte Dachkonstruktion mit Nagelbrettbinder, die nur für eine Schneelast von 100 Kilogramm pro Quadratmeter ausgelegt sei. „Wir haben am Donnerstagnachmittag an der Berger-Höhe-Schule einen Wert von 125 Kilogramm ermittelt“, so Herter. „Da wird es bei dem flachgeneigten Kirchendach mit einer Reserve von maximal zehn Prozent kritisch.“

Sorge besteht aktuell auch bei der Wangener St. Martinskirche. Hier ist der Schnee vom steileren Hauptschiffdach auf die beiden flacher geneigten Seitenschiffdächer gerutscht. „Wenn es weiter schneit, wird es auch hier kritisch und es besteht die Gefahr eines Wassereinbruchs“, so der Architekt. „Deshalb wird am Montag der Schnee von den Seitendächern geräumt.“

Bei Kirchen komme laut Herter bei der Schneelast erschwerend hinzu, dass die Gebäude nicht geheizt sind, so könne der Schnee auf den Dächern nicht von unten antauen und besser abrutschen: „Wir kommen deshalb aktuell an die Schmerzgrenze bei diesen Gebäuden.“

Zahlreiche Unfälle wegen des Schnees

Auf den Straßen im Verantwortungsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz passierten von Mittwoch, 20 Uhr, bis Donnerstag, 11 Uhr, 48 wetterbedingte Unfälle. Der Unfallschwerpunkt lag im Landkreis Ravensburg mit 19 Unfällen, gefolgt vom Bodenseekreis mit 16 Unfällen, dem Landkreis Konstanz mit 10 Unfällen und zuletzt dem Landkreis Sigmaringen mit drei Unfällen. Häufigstes Szenario, laut Pressestelle des Polizeipräsidiums Konstanz: Fahrzeuge waren auf schneeglatter Straße zu schnell unterwegs und rutschten von der Straße oder kollidierten mit anderen Fahrzeugen. „Die Autofahrer waren vorsichtig unterwegs, das große Chaos blieb aus“, sagte eine Polizeisprecherin am Nachmittag.

Zu den Unfällen gehörte auch ein in der Nacht auf Donnerstag von der Kreisstraße zwischen Waldburg und Schlier abgekommenes und umgekipptes Räumfahrzeug der Straßenmeisterei Wangen.

Schulunterricht geht auch am Freitag weiter

An den Wangener Schulen wird es auch am Freitag Unterricht geben. Dies erklärte der geschäftsführende Schulleiter und Chef der Realschule. „Höchstwahrscheinlich“ gelte dies auch am Montag. Allerdings stehe es den Schulleitern frei zu reagieren. So könnte der Unterricht frühzeitig beendet werden, sollte sich herausstellen, dass keine Busse mehr fahren.

Kloos betonte, dass in den vergangenen Tagen und am Donnerstag an der Realschule geregelter Unterricht stattgefunden habe. Alle Lehrer seien gekommen, auch jene, die etwa im bayerischen Lindenberg wohnen. Bei der vergleichsweise ruhigen Wetterlage am Mittwoch seien zudem nur wenige Schüler daheim geblieben. Am Donnerstag, als erneut starker Schneefall einsetzte, sei die Zahl fehlender Kinder angestiegen. Seinen Informationen zufolge stelle sich die Situationen an den anderen Wangener Schulen ähnlich dar. „Der Schulbetrieb ist relativ wenig beeinträchtigt“, so Kloos.

Kritik an Entbindung von Entschuldigungspflicht

In diesem Zusammenhang kritisiert der geschäftsführende Schulleiter das Regierungspräsidium Tübingen als Schulaufsicht: Die Behörde hatte zu Wochenbeginn betont, dass die Schulen im Württembergischen Allgäu (zunächst) bis einschließlich Donnerstag geöffnet blieben, allerdings auch erklärt: „Wer witterungsbedingt nicht kommen kann, gilt in der Schule ausnahmsweise als entschuldigt. Eine persönliche Entschuldigung ist nicht notwendig.“

Das Entbinden von der Entschuldigungspflicht hat Kloos an dieser Regelung gestört. Das mache die Situation schwierig und erhöhe den Aufwand. Zudem müsse die Schule den Überblick behalten, wer aus welchen Gründen nicht anwesend ist. Deshalb sei er sich mit den anderen Wangener Schulleitern einig, weiter auf Entschuldigungen zu bestehen, entsprechend sei es beispielsweise auch auf der Homepage der Realschule kommuniziert worden. Dieses Vorgehen habe geklappt: „Die Eltern sind da sehr gewissenhaft.“

Keinerlei Einwände hat Kloos hingegen beim Aufrechterhalten der Schulpflicht: „Das ist richtig, so lange es vertretbar ist.“ Und dass die Schulpflicht derzeit vertretbar ist, steht für ihn außer Frage: „Geschneit hat es vor 20 Jahren auch schon“, sagt er mit Blick auf die generellen Winterverhältnisse im Allgäu.

Kein Unterricht an Gemeinschaftsschule Argenbühl

Deutlich stärkere Auswirkungen hat der Schneefall auf den Schulbetrieb in Argenbühl: Nur 25 Kinder insgesamt aus allen Klassenstufen 1 bis 10 zusammengenommen sind am Donnerstagmorgen an der Gemeinschaftsschule in Eglofs angekommen. 90 Prozent aller Kinder schafften es nicht, da der Schulbus nicht fahren konnte. Auch in Amtzell sind Kinder teilweise nicht erschienen. Aber: Auch dort bitten Schulen darum, dass Kinder, die wegen Schnee nicht zur Schule kommen können, entschuldigt werden.

Die Eltern sollen selbst entscheiden, ob sie ihr Kind zur Schule schicken können oder nicht, sagt Maria Stemmer, Leiterin der Gemeinschaftsschule in Eglofs: „Die Schule hat offen. Wir schicken die Kinder auch nur nach Hause, wenn wir das abgesprochen haben und eine Betreuung gesichert ist“, erklärt die Rektorin. Am Mittwoch seien 70 Kinder nicht gekommen, am Donnerstag dann fast keines mehr. „Die Kinder aus Eglofs und der näheren Umgebung konnten zu Fuß zur Schule kommen, die meisten sind aber auf den Bus angewiesen“, erklärt Stemmer die leeren Klassenräume.

Da mit 25 Kindern aus allen Klassenstufen kein sinnvoller Unterricht machbar gewesen sei, seien die Schüler nach Absprache mit den Eltern alle wieder nach Hause geschickt worden. Das Kollegium sei bis 11 Uhr an der Schule gewesen. Am Freitag will die Rektorin in der Früh wieder mit dem Busunternehmen sprechen und dann auf der Homepage vermelden, ob die Busse fahren und so die Kinder wie gewohnt zur Schule kommen können, oder nicht. Wer wegen Schnee nicht zum Unterricht kommen kann, soll sich entschuldigen.

Das wünscht sich auch Sara Schmucker, Rektorin des Ländlichen Schulzentrums in Amtzell. Hier seien nicht ganz so viele Kinder dem Unterricht wegen Schnee ferngeblieben wie in Argenbühl. Der Unterricht fand normal statt.Trotzdem seien die Klassen auch hier teilweise leerer, da einige Schulbusse nicht fahren konnten. „Wenn ein Kind nicht an der Schule ankommt und wir keine Entschuldigung vorliegen haben, machen wir uns Sorgen. Gerade jetzt, da viele Äste zum Beispiel auf Wege fallen“, sagt Schmucker. Darum bitte sie alle Eltern, ihre Kinder zu entschuldigen, falls diese nicht zur Schule kommen können. Wer gesund zu Hause ist, solle dann den Tag über nutzen, um Schulaufgabe zu erledigen, „damit der Schultag nicht ganz verloren ist“. Doch auch etwas positives habe der Schnee mit sich gebracht, erzählt Schmucker: Eine Klasse habe die weiße Pracht im Schulhof genutzt und Schneemänner gebaut.

Anders als am Samstag in Neuravensburg wird der Narrensprung in Bodnegg am Sonntag wie geplant stattfinden. Die Bodnegger Narrenzunft hat beschlossen, die Veranstaltung trotz der großen Schneemassen durchzuziehen. Mitglieder und Helfer sind nun damit beschäftigt, die Ortsmitte von Schnee zu befreien. Besucher der Veranstaltung werden gebeten, wenn möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.

Notfallpläne bei der Müllabfuhr

Aufgrund der derzeitigen extremen Schneelage ist es für die Müllfahrzeuge in einigen Gemeinden im Landkreis Ravensburg nicht möglich, die Wohnstraßen zu befahren und die Abfallbehälter zu leeren, teilte das Landratsamt Ravensburg am Donnerstag mit. In diesen Fällen haben die betroffenen Haushalte die Möglichkeit, bei der nächsten Leerung die doppelte Menge an Abfall zur Abholung bereitzustellen, so die Kreisverwaltung.

Um den zusätzlichen Aufwand für die Bürger möglichst gering zu halten, hat das Abfallwirtschaftsamt des Landratsamtes kurzfristig folgende Regelung beschlossen: Der zusätzliche Hausmüll kann bei der nächsten Leerung in einem üblichen Plastiksack neben die Restmülltonne gestellt werden. Der Biomüll sollte bei der nächsten Abholung in einem Karton oder in einer reißfesten Papiertüte und das Altpapier ebenfalls in einem Karton bereitgestellt werden.

Diese Regelungen gelten auch für das Wangener Stadtgebiet, das beim Restmüll ein eigenes (Verwiege-)System hat. Vom Entsorger Veolia hieß es am Donnerstag dazu: Auch Wangener Bürger könnten zusätzlichen Hausmüll bei der nächsten Leerung in einem Sack gesammelt neben die Tonne stellen. Die Mitarbeiter würden diesen dann nach der ersten Leerung in die Tonne befördern, den Müll erneut wiegen und leeren.

Ob es etwas bringt, wenn Anwohner kleiner Straßen ihre Tonnen zur nächsten, anfahrbaren Hauptstraße bringen, bezweifelt Veolia. Aufgrund der großen Schneemengen sei unsicher, ob die Fahrer die Behälter überhaupt erkennen könnten.

Achberg hebt Gehwegräumpflicht auf

Auch die Gemeinde Achberg reagiert auf die Schneemassen – auf ihre Weise: Wie dem Amtsblatt vom Donnerstag zu entnehmen ist, hebt die Verwaltung bis auf weiteres die Anliegerpflicht zum Freiräumen der Gehwege aus. Der Grund: Sie werden zum Deponieren des Schnees benötigt und in der kommenden Zeit durch den örtlichen Bauhof maschinell geräumt. Folge: „Die Fußgänger müssen zusammen mit den Kfz die Straßen benützen. Die Autofahrer werden um besondere Rücksicht gebeten“, heißt es in der amtlichen Mitteilung.

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