Rückkehr zur Sachlichkeit

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 Bernd Treffler
Bernd Treffler (Foto: Ras)
Schwäbische Zeitung

Die geplante Ferienanlage bei Humbrechts ist vorerst vom Tisch, die Gastronomenfamilie Leonhardt hat ihren Antrag zurückgezogen. Damit ist bis auf Weiteres auch eine Debatte beendet, die stellenweise vor allem emotional und weniger sachlich geführt wurde. Das ist bei einem Standort mitten in der Allgäuer Landschaft und der schieren Größe des Vorhabens sicher verständlich, aber letztlich wenig zielführend.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, hängt auch mit einer unprofessionellen Kommunikation zusammen. Verwaltung und Antragsteller hätten bereits im Vorfeld die Einwohner von Humbrechts über die wichtigsten Punkte des Vorhabens informieren sollen. Dem Vernehmen nach sollen auch einige Niederwangener Ortschaftsräte die detaillierten Unterlagen erst wenige Tage vor der Sitzung erhalten und so erst kurzfristig das wahre Ausmaß des Projekts erfahren haben. Da wundert es wenig, dass sich viele Anlieger und manche Entscheidungsträger schlichtweg überrumpelt gefühlt haben. Und angesichts der zahlreichen Stellungnahmen von Behörden und einer positiven Machbarkeitsstudie den Eindruck gewannen, dass das Projekt von langer Hand vorbereitet und darüber vielleicht schon so gut wie entschieden ist. Ins Bild einer misslungenen Kommunikation passt auch der Name des Bebauungsplans. Wer „Wohnmobilstellplätze Humbrechts“ sagt, aber damit eine Ferien- und Freizeitanlage mit gut 50 Stellplätzen, diversen Bewirtschaftungsgebäuden, acht Bungalows sowie einem Wellnessbereich meint, der verkauft andere schlichtweg für dumm.

In den vergangenen Wochen wurde deshalb schon viel Porzellan zerschlagen. Das sind keine guten Vorzeichen, wenn die Diskussion über ein wie auch immer geartetes Tourismus-Angebot bei Humbrechts (oder auch anderswo) wieder aufgenommen werden soll. Bei künftigen Gesprächen sollte jedoch klar sein: Die Wohnmobilszene wird weiter boomen, die Region Wangen als beliebtes Urlaubsziel muss sich rechtzeitig darauf einstellen – nicht nur, aber auch wegen der Landesgartenschau in sechs Jahren. Noch wichtiger aber: Wer eine Anlage für Wohnmobilisten mit Zusatzangebot plant, sollte rechtzeitig mit den Leuten reden, die Fakten erläutern, Beweggründe erklären, samt möglichem Vorteil für die Region. Nötig ist jetzt eine Rückkehr zur Sachlichkeit, ungeachtet von Namen, Funktionen oder vielleicht bestehenden Animositäten.

b.treffler@schwaebische.de

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