Quartett bietet faszinierendes Musikspektakel

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Das Publikum war am Samstagabend fasziniert von der „Monacobagage“ aus München.
Das Publikum war am Samstagabend fasziniert von der „Monacobagage“ aus München. (Foto: stiller)

Ein ausverkauftes Haus und ein aus dem Häuschen geratenes Publikum – das ist das Markenzeichen von der „Monacobagage“. Und das seit mehr als zwölf Jahren. Zeit also für die Künstler, dieses Prädikat mit einem „Best off“ zu krönen.

Bereits die wilde Bühnenlandschaft mit unzähligen Musikinstrumenten machte neugierig auf das, was die „Münchner Vaganten“ an Einfällen und Überraschungen so alles in petto haben würden. Dabei fing alles ganz harmlos an. Unbeweglich standen Andy Arnold, Johann Bengen, Miene Costa und Martin Deubel da und bedienten fast lustlos ihre Instrumente. Ganz nach dem Motto: „Wenn ihr schon mal da seid, dann fangen wir halt an.“

Doch natürlich bleibt das nicht so. Dazu haben die Vier viel zu viel Power. Und das Programm heißt zudem „Alles außer Kontrolle“. Nachdem sie sich ihrem Publikum vorgestellt haben, legen sie los. Bayerisch versteht sich. Obwohl Martin aus Dortmund kommt und Miene überhaupt das einzige echte Münchner Kindl ist. Wenn auch mit portugiesischen Wurzeln. Sie ist es denn, die über das wahre „Schu(b)platteln“ mittels einer deftig bedienten Mini-Kommode mit Schubkästen aufklärt. Das Lied mit den Kaskaden von bajuwarischen Schimpfworten können später sogar die Kollegen.

Viel gelacht wird, wenn Miene Costa den „Glockensong“ mit amerikanischem Akzent vorträgt und dabei noch einen atemberaubenden Stepptanz hinlegt. Und ganz verrückt wird es, wenn sie als alternde Diseuse Mut zur Hässlichkeit beweist und mit geschwärztem Zahn zum Publikum hinuntersteigt. Wobei sie so urkomisch in die Runde grinst, dass auch der letzte Zuschauer vor lauter Gejohle Seitenstechen bekommt.

Ganz seiner distinguierten Art entsprechend deklamiert Geiger Martin Deubel Gedichte und fühlt sich mit der „Ballade vom heulenden Jüngling“ reif für einen Nobel-Literaturpreis. Andy Arnold kann nicht nur meisterhaft Klarinette und Saxofon spielen, er ist sich auch als Sänger nicht zu schade, die „Striptease-Paula“ auf Sächsisch zu besingen: „Oh, Paula, latsch noch mal ohne Klamotten durch’s Lokal“. Bleibt noch der grandiose Schlagzeuger Johann Bengen, der erfolglos einer Mücke hinterher jagt und zusammen mit Andy resümiert: „Das war eine Schnapsidee, ausgerechnet in Novosibirsk Straßenmusik machen zu wollen.“

Nein, die „Monacobagage“ ist wirklich nicht zu übertreffen. Sie tanzt, singt und spielt, jodelt, klatscht und treibt ein tolles Spektakel auf der Bühne. Das Publikum ist schier aus dem Häuschen, applaudiert ohne Unterlass. Schließlich wird mit der „Königin, die lacht“ auch der Klassik Referenz erwiesen, wie mit den „Sowosamma-Negern“ an Fredl Fesl erinnert wird. Und immer wieder gibt es herrlich verrückte Gstanzln zu bewundern: „Um vier Uhr macht der Tierpark zu, jetzt hat auch das Kängu-ruh“ oder „Im Zoo bestaunen wir das amerikanische Trumpeltier“.

Am Ende wird’s besinnlich

Nach zwei Stunden Spielzeit wird es besinnlich. „Die Einschläge kommen immer näher“ heißt es da. „Wir sind der Zeit voraus und zählen rückwärts“, sagt die Bagage und stimmt zusammen mit dem Publikum den „Final Countdown“ an. Und obwohl die vier Tausendsassas das „Euer Wangen ist so idyllisch und klein – was uns aber am besten gefällt: wir fahren nachher wieder heim“ von sich gegeben haben, bleibt am Ende der Wunsch nach einem baldigen Wiedersehen.

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