Publikum genießt Musik, Tanz und gesprochenes Wort

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An ungewöhnlichem Ort trat die Theatergruppe Kiesel auf: Auf der Argenbrücke an der Hochwasserente.
An ungewöhnlichem Ort trat die Theatergruppe Kiesel auf: Auf der Argenbrücke an der Hochwasserente. (Foto: Treffler)

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Eine schwülwarme Nacht, nicht zu zählende Menschen auf den Straßen und fast kein Durchkommen dort, wo die Fülle der kulturellen Darbietungen ihren Standort hatte. Wann hat Wangen schon einmal eine solche Nacht der Instrumente, des Gesangs, des Tanzes und des gesprochenen Wortes wie der Bilder und Installationen erlebt? Die Resonanz bewegte sich zwischen großartig und phänomenal.

Gut beraten waren jene Besucher, die sich eine Art „Fahrplan“ gemacht hatten, um das Programm ihrer Wahl möglichst konsequent und rechtzeitig einhalten zu können. Aber auch jene, die sich von Ort zu Ort und von Darbietung zu Darbietung treiben ließen und nicht enttäuscht waren, wenn es für sie auf Anhieb keinen Platz gab, kamen auf ihre Kosten. Schließlich wurde vieles doch zu unterschiedlichen Zeiten wiederholt.

Wer sich beispielsweise das Weberzunfthaus als bevorzugtes Zentrum des Aufenthaltes gewählt hatte, der konnte hier zunächst etwas über das neue Projekt der Opernbühne Württembergisches Allgäu erfahren. Puccinis „La Bohème“ wurde nicht zuletzt in einer szenischen Darstellung vorgestellt und animierte sicherlich den einen oder anderen, im nächsten Jahr mit dabei zu sein.

„Auf Flügeln des Gesangs“ war das umschreiben, was Mareike Rief (Sopran) und Anna Welte (Mezzosopran) an Stimmlichem zu bieten hatten. Am Flügel von Margarete Busch begleitet verzauberte das Gesangsduo die Zuhörer mit Liebesliedern aus der Feder von Felix Mendelssohn Bartholdy oder Johannes Brahms. Besonders schön gelang das „Blumenduett“ aus der Oper „Lakme“ von Léo Delibes. Etwas später war dann Ines Gabor mit ihren „Lebensliedern“ zu hören.

Qual der Wahl für Chorfreunde

Die Freunde des Chorgesangs hatten die Qual der Wahl. Während der Deuchelrieder De-Chor in der evangelischen Stadtkirche „Gospel und More“ zu Gehör brachte, die Wangener Chorgemeinschaft „Taktzente“ im Gemeindehaus St. Martin „Akzente“ setzte und der Shanty-Chor des Bürgerforums im Innenhof der Badstube zum Mitsingen einlud, waren es etwas später dort die Modern Voices vom Liederkranz Kißlegg, die mit „The show must go on“ und „Don’t stop me now“ an die britische Popband „Queen“ erinnerten.

Fetzig ging es wie immer an der Stadtmauer nahe der Eselmühle zu, wo die Jazz-Point-Big-Band einmal mehr den „Jazz in die Stadt“ holte. Zur gleichen Zeit erwies hinter der Blauen Traube die Hallodrian-Jazz-Band der „Sweet Georgia Brown“ ihre Referenz und rief dem „kleinen Fräulein“ ein Hallo zu.

Natürlich wurde auch getanzt. Und zwar im Spitalhof: „Plattler und Volkstänze“ durch den Trachtenverein D’Argentaler und „Stepptanz mit TipTapToi“.

Wer die Treppe hinauf zur evangelischen Kirche kletterte, der konnte hier „Gartenzitate pflücken“. Und oben angekommen, für den breiteten sich im Garten der Begegnung Installationen aus Licht aus. Künstlerisch ging es im Frauentor mit Holzstichen von Hans-Peter Reutemann weiter.

Wer sich eher dem gesprochenen Wort zugeneigt fühlte, der war in der Buchhandlung Osiander genau richtig, wo selbstgeschriebene Texte beim „Poetry Slam“ warteten. Siegfried Spangenberg war es, der sich in diesem Jahr in der Bücherei im Kornhaus die großen Balladen vorgenommen hatte. Die 14. Wangener Lesebühne vereinte im „Mohrhaus“ Wangener Autorinnen und Autoren und ihre Kurzlesungen.

Gespannt durfte man auf das sein, was Hajo Fickus und die Theatergruppe Kiesel vorbereitet hatten. Ebenso ungewöhnlich wie Beifall hervorrufend war es diesmal die Brücke bei der Hochwasserente, die im Mittelpunkt der Szenerie stand. Aus den Texten namhafter Autoren war Heiteres, Dramatisches und sehr viel Nachdenkliches herauszuhören. „Like a bridge over troubled water“ – dieser Song von Simon und Garfunkel zog sich wie ein roter Faden durch die einzelnen Bilder.

Kleine Auszeiten willkommen

Für viele Besucher war es sinnvoll, sich mit von Georg Enderwitz zelebrierten „Orgel-Highlights“ eine Pause zu gönnen oder sich ganz aus dem Betrieb zurückzuziehen. Wie der Kantor der St. Martinskirche einzelne Orgelstücke und deren Umsetzung erklärte, das interessierte ebenso wie man hingebungsvoll seinem Spiel an der Rieger-Orgel lauschte. Vor allem war es das „Freispiel“ von Enderwitz, das zu Begeisterungsstürmen Anlass gab: eine Interpretation von Mozarts „Türkischem Marsch“.

Beiträge aus den Reihen der Gäste aus Prato wie auch deren Bewirtung fanden am Samstag mit dem „Italienischen Abend“ eine dankbar aufgenommene Fortsetzung.

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