Petra Krebs gelingt historischer Wahlerfolg

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Hat Grund zum Lachen: Petra Krebs, hier bei der Wahlparty der Grünen am Sonntagabend im Hinderofencafé.
Hat Grund zum Lachen: Petra Krebs, hier bei der Wahlparty der Grünen am Sonntagabend im Hinderofencafé. (Foto: Anja Reichert)
Schwäbische Zeitung
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Seit Sonntag, 22.45 Uhr, steht fest: Neben Raimund Haser, der für die CDU das Direktmandat holte, zieht mit Petra Krebs (Grüne) eine zweite Kandidatin als Abgeordnete für den Wahlkreis Wangen-Illertal in den Landtag ein. Ein Ereignis, das historisch ist: Erstmals, seit der Wahlkreis Mitte der 70er-Jahre in den heutigen Zuschnitt gegossen wurde, schafft ein Bewerber über das Zweitmandat den Sprung nach Stuttgart. Erstmals ist aus dem Wahlkreis dort jemand ohne CDU-Parteibuch vertreten. Mit Petra Krebs ist es zudem Premiere für eine Frau. Und: Die Wangenerin ist die einzige Grüne landesweit, die es bei dieser Wahl über das Zweitmandat geschafft hat. Am Tag nach dem Erfolg hat sich Petra Krebs im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ geäußert.

Die Wahlnacht

„Während des Sonntags und bis zur ersten Hochrechnung war ich total entspannt. Ich war fest überzeugt, dass wir vorne liegen. Und als das Ergebnis kam, habe ich gedacht: Bingo!“, beschreibt Krebs ihre Gefühle. Als „Krönung“ habe sie empfunden, in ihrer Heimatstadt Wangen Raimund Haser übertrumpft zu haben. Für diesen hat sie indes wohlwollende Worte parat: „Ich gönne es ihm“, sagt Krebs zu seinem Erfolg, das Direktmandat trotz schwerer Stimmenverluste für die CDU erobert zu haben. Denn: „Er hat einen sehr fairen Wahlkampf gemacht.“

Während für Haser schnell klar war, Paul Locherer beerben zu können, begann für Krebs mit jeder weiteren Stunde der Auszählung der eigentlich spannende Teil des Wahlabends. Die 47-Jährige, die am Tag zuvor noch Geburtstag feierte, gibt zu, lange „frustriert“ gewesen zu sein ob der Unsicherheit, es selber in den Landtag geschafft zu haben. „Irgendeiner hat am Abend zu mir gesagt: So fühlen sich Männer im Kreißsaal. Das fand ich passend.“

Um 22.45 Uhr kam für Krebs dann die erlösende Nachricht bei der Wahlparty der Grünen im Hinderofen-Café – verbunden mit einen durchaus kuriosen Erlebnis: „Ich laufe gerade die Treppe von der Toilette hoch, da bricht auf einmal dieser Jubelsturm los“, beschreibt sie die Reaktion ihrer Parteifreunde. Was folgte, waren ein Schluck Bier und dann Umarmungen für jeden Mitstreiter.

Der Tag danach

Dem Frühstück und der ausgiebigen Zeitungslektüre gingen seit Sonntagnacht zahlreiche Glückwünsche einher. Auch am Montagmittag gibt eine sichtlich aufgeräumte Petra Krebs zu: „Ich habe einen Dauersmiley im Gesicht und bin immer noch nicht ganz geerdet.“ Doch die Realität des Alltags folgte schnell: Nachmittags stand für die Wangener Stadträtin mit den anderen Mitgliedern des Technischen Ausschusses eine Besichtigung des Freibads an. Abends tagte das Gremium im Rathaus.

Was jetzt auf Krebs zukommt

Am heutigen Dienstag steht schon die erste Reise nach der Wahl in die Landeshauptstadt an: Bisherige und neue Fraktionsmitglieder treffen sich. Und mit der landespolitischen Arbeit geht es gleich weiter: Am Donnerstag konstituiert sich die neue Grünen-Fraktion. Und im März steht ein Seminar für die „Neuen“ an, bei dem es um Büros, Mitarbeiter und andere Regularien geht. „Aber damit habe ich mich noch gar nicht beschäftigt“, bekennt Krebs.

Job und Gemeinderat

Als Abgeordnete lässt die Krankenschwester ihren Job bei den Fachkliniken „ruhen“, wie sie sagt. Dies garantiere, später bei Bedarf wieder einsteigen zu können. Mit Blick auf die zurückliegende Wahlkampfzeit lobt sie: „Ich hatte viel Unterstützung von meinem Arbeitgeber, das muss ich sagen.“

Weiterhin mit voller Kraft will sich Petra Krebs im Wangener Gemeinderat engagieren. Diese Aussage stand vor der Wahl, und sie steht auch jetzt. „Von der Praktikabilität her ist das möglich“, glaubt die frisch gewählte Abgeordnete. Und auch politisch sei die Doppelbelastung richtig: „Erst im Gemeinderat kriege ich ja richtig mit, was die Leute hier bewegt.“

Fraktionsarbeit

Mit den Themen Gleichstellung und Gleichberechtigung hatte Petra Krebs im Wahlkampf persönliche Akzente gesetzt. Hier will sie auch in Stuttgart ansetzen: „Ich würde gern frauenpolitische Sprecherin der Fraktion werden. Das Thema treibt mich seit meiner Jugend um.“ Gleichwohl ist Krebs nicht so vermessen, als Neuling mit Vehemenz gleich personelle Ansprüche stellen zu wollen: „Es gibt sicher noch mehr Frauen, die sich dafür interessieren.“ Auch in der Sozialpolitik sieht sie einen inhaltlichen Schwerpunkt. Aber erst einmal geht es darum, in Stuttgart anzukommen.

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