Beim FC Lindenberg und dem FC Wangen lernte er das Kicken, beim Karlsruher SC (Bild) gelang ihm der Durchbruch, nun ist Markus M
Beim FC Lindenberg und dem FC Wangen lernte er das Kicken, beim Karlsruher SC (Bild) gelang ihm der Durchbruch, nun ist Markus M (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
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Benjamin Schwärzler

Eine Nachricht, die Sportfans in Lindenberg und Wangen tief bewegt: Knapp zwei Jahre nach dem Selbstmord von Robert Enke hat sich Hannover-Torwart Markus Miller (29) wegen „mentaler Erschöpfung“ in stationäre Behandlung begeben. Der Familienvater will damit laut öffentlicher Erklärung versuchen, „den beginnenden Burnout“ zu stoppen. In der Jugend parierte Miller Bälle für den FC Wangen, in Lindenberg ist er geboren.

Bernd Rinn erreicht die Nachricht von Millers Offenbarung auf dem Weg in den Urlaub – und völlig unerwartet. Rinn hat den heutigen Bundesligaprofi in der Jugendmannschaft des FC Wangen ausgebildet, war sein Trainer. Der Kontakt besteht bis heute. Erst vor ein paar Wochen habe er „mit dem Markus“ telefoniert. „Da war er fröhlich wie immer“, sagt Rinn. Überhaupt hätte er nie damit gerechnet, dass Miller auch nur gefährdet sein könnte für einen Burnout. „Er hat doch auch so ein stabiles Umfeld, eine tolle Familie.“ Jugendtrainer ist „verdammt traurig“

Mit der Überraschung kam die Betroffenheit bei Rinn. Es mache ihn „verdammt traurig, dass es dem Markus nicht gut geht“. Doch Rinn glaubt an seinen ehemaligen Schützling, an dessen Genesung: „Der schafft das“, sagt er. Miller habe schon oft Kampfgeist bewiesen, sich auch nach schlimmen Verletzungen immer wieder rangekämpft. „Er ist ein charakterlich unheimlich starker Mensch“, sagt sein Jugendtrainer. Den Schritt an die Öffentlichkeit fand Rinn „mutig und richtig“.

Betroffenheit herrscht nicht nur in Wangen, auch in Lindenberg sorgen sie sich um „ihren Markus“. „Im Namen aller Allgäuer wünsche ich Markus Miller alles Gute und dass er bald wieder lachen kann“, schreibt Nutzer „Winnie“ im Gästebuch auf der Internetseite des FC Lindenberg. Es ist der Heimatverein des 29-Jährigen.

Millers Bruder Thomas (34) kann und will keine näheren Informationen an die Öffentlichkeit tragen. „Markus hat uns gebeten, nichts zu sagen“, erklärt er. Alles, was er sagen könne, sei: „Wir werden auf dem Laufenden gehalten.“ Sämtliche Informationen würden ansonsten von Hannover 96 gesteuert.

„Du bekommst nichts geschenkt. Wenn du was erreichen willst, musst du dich reinhängen“, hat Markus Miller einmal gesagt. 15 Jahre war er damals alt und stand kurz vor seinem Wechsel zum VfB Stuttgart. Als Sechsjähriger hat er beim heutigen Kreisligisten FC Lindenberg das Fußballspielen erlernt. Über die Zwischenstation FC Wangen ging es nach Stuttgart (1997 bis 2002), dann ein Jahr zum FC Augsburg und weiter zum Karlsruher SC, mit dem „Killer-Miller“, so sein Spitzname, in die Erste Bundesliga aufstieg.

Vor gut einem Jahr wechselte der zweifache Familienvater, der seiner Frau Marina in der Stadtpfarrkirche Lindenberg das Ja-Wort gegeben hat und dessen Eltern noch in Lindenberg wohnen, zu Hannover 96. Über die Rolle des Ersatzkeepers ist er dort nicht hinausgekommen. „Sicherlich eine schwierige Situation für ihn“, sagt Klaus Kottmann, Präsident des FC Wangen. Er kennt Miller nicht persönlich, hat aber mit dessen Vater über die Karriere des Ex-FClers gesprochen. „Da klang es noch so, als sei Markus Miller froh, bei Hannover untergekommen zu sein“, so Kottmann. Er drücke dem Bundesligaprofi auf jeden Fall fest die Daumen für eine baldige Gesundung. Menschen nehmen im Netz Anteil

Auch im sozialen Netzwerk Facebook nehmen Menschen Anteil an Millers Krankheit. In den Gruppen „Gute Besserung Markus Miller“, „Markus Miller, wir stehen hinter dir“ und „Markus Miller, du schaffst das“ hinterlassen Hunderte Fans ihre Genesungswünsche. „Viele denken an Dich und fühlen mit Dir und Deinen Lieben“ schreibt ein Nutzer. Ein anderer lobt den Gang an die Öffentlichkeit als „ganz starke Aktion vom Markus und von Hannover 96“. Geballten Zuspruch signalisiert auch der Verfasser der Zeilen „Zusammen sind wir groß und stark wie eine Wand“.

Markus Miller hat sich vor vier Jahren mal selbst als „eher ruhigeren Typ, der, wenn es darauf ankommt, auch mal draufhauen kann“ charakterisiert. In Wangen und Lindenberg hoffen nun viele alte Weggefährten, dass ihn seine innere Stärke wieder gesunden lässt. „Das wünsche ich ihm von ganzem Herzen“, sagt Bernd Rinn.

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