Mit der Schneefräse nachts unterwegs

Für Abonnenten
Lesedauer: 6 Min
 Die Mitarbeiter des Bauhofs sind nachts mit der Fräse unterwegs und transportieren die Schneemassen ab.
Die Mitarbeiter des Bauhofs sind nachts mit der Fräse unterwegs und transportieren die Schneemassen ab. (Foto: Fotos: Susanne Müller)
Susanne Müller
Redakteurin
Viel Vergnügen beim Lesen
Für Abonnenten

Dieser Inhalt steht normalerweise nur unseren Abonnenten zur Verfügung, für Sie ist er frei.

22 Uhr am Mittwochabend: Orangefarbene Blinklichter erhellen die Epplingser Halde und Am Sommerrain. Seit zwei Stunden sind Stefan Gufler, Einsatzleiter beim städtischen Bauhof, und die Fahrer von drei Fremdfirmen mit der Fräse und insgesamt vier Großfahrzeugen dabei, die Schneeberge aus dem Gebiet zu bringen.

Die Fräse gräbt sich in die Haufen und haut Schneefontainen auf die Lkw. Ist die Ladefläche voll, fährt der Fahrer weg und der nächste Laster rollt von hinten heran. Es geht wie am Fließband. Abgefahren wird der Schnee in diesem Winter an mehrere Stellen, weil die bisher genutzte Fläche in der Auwiesensiedlung zum großen Teil durch die Baustelle der Baugenossenschaft belegt ist. In diesem Fall landet der Schnee bei der Brücke in Epplings und wird von einem Radlader aufgeschoben, damit alles Platz findet. Ein paar Nachbarn stehen an der Straße, fotografieren, filmen oder schauen einfach nur zu. „Das sieht man nicht jeden Tag“, sagt einer von ihnen sichtlich beeindruckt und ist froh, dass der Bauhof für Abhilfe sorgt: „Es soll ja noch mehr kommen.“

Die Anwohner wurden – wie in solchen Fällen üblich – über die bevorstehenden Räumaktion informiert. „Wir haben Parkverbotsschilder mit Hinweis auf die Aktion aufgestellt, damit keine Autos mehr an der Straße parken, wenn wir kommen“, berichtet Stefan Gufler. Dabei zeigten sich auch viele Anwohner sehr kooperativ. So konnten Fahrzeuge, die sonst an der Straße stehen, während der Arbeiten des Winterdiensts vor Garagen am Eingang der Siedlung parken.

Dass sich nicht alle Bürger durch solche Vorwarnungen erreicht werden, zeigte sich jedoch auch an diesem Abend. Einsatzleiter Gufler berichtete von einem Anwohner, der unbedingt mit seinem Auto zu seiner Garage fahren wollte. „Solche Dinge kosten uns Zeit“, sagte Gufler. Und mitten an der Abzweigung Epplingser Halde und Am Sommerrain parkte ein Fahrzeug, dessen Halter zwar ermittelt werden konnte, aber dennoch unauffindbar war. „Er kommt aus Schlier und ist hier vermutlich irgendwo zu Besuch“, sagte Gufler. Für die Männer in den Großfahrzeugen bedeutete es Millimeterarbeit, um den Wagen herum zu räumen, ohne ihn zu beschädigen.

Gegen 22.30 Uhr ist der Spuk in Epplings vorüber, die Blinklichter setzen sich Richtung Wangener Innenstadt in Bewegung. „Wir fräsen jetzt an der Isnyer Straße, weiter an der Klosterbergstraße, Gegenbaurstraße, Immelmannstraße, Boelkeplatz, Rindalphornweg, Grüntenweg sowie an der Rudolf-Steiner-Straße bis zur Spinnerei“, sagte Gufler. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Bushaltestellen und Parkbuchten. Wie beim Räumen liegt auch bei den Fräsarbeiten der Schwerpunkt auf verkehrswichtigen Verbindungen. An der Isnyer Kreuzung stellt Gufler sein Einsatzfahrzeug quer und zwei Warnbaken auf. Autofahrer, die während der Fräsarbeiten Richtung Isny wollen, leitet er freundlich um. Der Weg führt über den Atzenberg. „Das ist in Ordnung“, kommentiert ein Fahrer und fragt besorgt: „Wissen Sie, wie es an der Eglofser Steige aussieht?“

Ein Anwohner wird von dem Spektakel auf die Straße gelockt. Er ist in Sonthofen aufgewachsen. Ein Winter wie dieser sind für ihn nichts Neues. „Die Leute vom Bauhof hier machen einen echt guten Job“, sagt er. Persönlich braucht er den Winter nicht mehr. „Wenn man mal um die 50 ist, bedeutet Winter vor allem Arbeit“, sagt er, macht ein paar Fotos und zieht sich dann zurück.

Für Stefan Gufler und die Männer auf den großen Fahrzeugen endet der Einsatz mit dem beginnenden Berufsverkehr am Morgen. Dann wird eine lange Nacht hinter ihnen liegen. Sie werden dann Kollegen begegnen, die schon wieder den aktuellen Schneefall von der Straße räumen – während die überwiegende Mehrheit der Wangener wohlbehalten schläft.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen