Mann tauscht selbst angepflanztes Marihuana gegen Ecstasy ein

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Claudia Bischofberger

Mit zwei selbst gezogenen Pflanzen Marihuana hat sich ein 36 Jahre alter Mann seinen Bedarf an Ecstasy und Amphetaminen finanziert. Bei diesen Tauschgeschäften sei jedoch zu keiner Zeit eine kommerzielle Absicht dahinter gewesen und kein Bargeld geflossen.

Schon sehr früh musste der Mann Schmerz-und Schlaftabletten einnehmen, da er in seiner Kindheit einen schweren Fahrradunfall hatte. Bei dem Unglück sei ihm die Schädeldecke nach hinten geklappt, worauf er über sechs Wochen im Krankenhaus verbracht hätte. Doch die vom Arzt verschriebenen Medikamente hätten kaum eine therapeutische Wirkung gezeigt. „ Mit 13 Jahren habe ich angefangen Cannabis zu konsumieren ,da konnte ich dann das erste Mal wieder nachts schlafen und ich hatte seit vielen Jahren nach dem Unfall keine Schmerzen mehr“, erklärte der Mann dem Richter.

Verschiedene Schicksalsschläge

Mit seinem Abschluss auf einer Förderschule bekam er zwar eine Lehrstelle als Koch, die er jedoch nach zwei Jahren wegen Differenzen mit seinem Vorgesetzten nicht beendet hatte. Seinen weiteren Lebensweg zeichnet der Mann mit verschiedenen Schicksalsschlägen innerhalb der Familie. Vor sechzehn Jahren hätte der Vater einen Gehirnschlag gehabt, während die Mutter mit dem Krebs zu kämpfen gehabt hätte. Sein Bruder sei auch in dieser Zeit von einem Bagger überfahren worden.

Da der Vater ein Pflegefall ist und nichts mehr alleine machen kann, pflegt er ihn seit drei Jahren gemeinsam mit der Mutter. Seit dieser Zeit ist der Angeklagte auch arbeitslos. In einer Selbsthilfegruppe, die er freiwillig besucht, hätte man ihm dringend geraten einen Psychologen aufzusuchen. Auch zu dem Zweck, sich von seiner Sucht zu befreien. „Ich möchte die Droge hinter mir lassen und ein neues Leben beginnen,“ beteuert er dem Richter. Ein geladener Zeuge bestätigt, dass bei den Tauschgeschäften niemals Geld geflossen sei. Richter Peter Pahnke war jedoch skeptisch, wie durch die Einnahme von Ecstasy und Amphetaminen Schlafstörungen bekämpft werden sollen. „Wir können, außer dem Angeklagten selbst, die Wirkung dieser Mittel nicht beschreiben“, verteidigt der Anwalt seinen Mandanten.

Zudem sei die von der Staatsanwaltschaft geforderte Geldsumme von 270 Euro für den Mann eine Summe, die katastrophale Folgen hätte. Da der Angeklagte den Unterhalt von seiner inzwischen 13 Jahre alten Tochter nicht regelmäßig bezahlen konnte, seien seine Schulden auf über 14 000 Euro gewachsen. Auch sprächen weitere Punkte für eine Strafmilderung: Ein Geständnis in vollem Umfang, die regelmäßige Teilnahme bei der Selbsthilfegruppe und die Tatsache, dass er keine Gewinnerzielung beabsichtigt hätte beim Betreiben genannter Tauschgeschäfte.

Am Ende wurden dem Mann zu den acht Monaten Freiheitsentzug dann schließlich eine drei jährige Bewährungszeit eingeräumt und die Aufsicht eines Bewährungshelfers über ein Jahr lang. Zusätzlich muss sich der Mann verpflichten auch weiterhin diese Gruppe zu besuchen. Bis zum März 2019 hat er 35 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu leisten.

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