Lyrik und Prosa mal zehn in Wangen

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Das Literarische Forum Oberschwaben traf sich zu seiner 57. Tagung im Wangener Weberzunfthaus.
Das Literarische Forum Oberschwaben traf sich zu seiner 57. Tagung im Wangener Weberzunfthaus. (Foto: stiller)
Vera Stiller
Redakteurin

Seit nunmehr 51 Jahren kommen in jedem Jahr Autoren nach Wangen, um hier den Dialog mit Gleichgesinnten zu führen. So auch am Samstag, als beim Literarischen Forum im Weberzunfthaus zehn Autoren ihre unveröffentlichten Texte vortrugen.

Der damalige Landrat Walter Münch hatte 1967 zusammen mit Martin Walser, Maria Müller-Gögler und Josef W. Janker sowie einigen Germanisten und Journalisten zu dieser Begegnung zwischen Schreibenden und Literaturinteressierten aus Oberschwaben und darüber hinaus eingeladen. Das Konzept ist seither gleich geblieben. Nachdem eine Jury die Anmeldungen gesichtet und über die Zulassung entschieden hat, werden die davon betroffenen Autoren informiert. Beim Forum selber, das nicht öffentlich ist, präsentieren diese ihre noch nicht veröffentlichten Texte und stellen sich der Kritik der Gäste, die zumeist ebenfalls Literaten sind. Im Anschluss daran dürfen sich die Verfasser der Texte noch einmal selbst äußern.

„Wer sich hier behauptet und bewährt, der braucht seine zukünftigen Leser nicht mehr zu fürchten“, hatte Gisela Linder, die verstorbene „Chronistin des Forums“ einmal geschrieben. Ob diese zunächst bedrohlich anmutende Aussage auch auf das Ergebnis des Forums vom vergangenen Wochenende zutrifft, bleibt abzuwarten. Festzustellen ist auf jeden Fall, dass fern jeder Bissigkeit und überaus konstruktiv kritisiert wurde, und die gut gemeinten Vorschläge hilfreich sein werden, um einen Text oder vielleicht nur eine Verszeile neu zu überdenken. So deuteten es zumindest einige der Teilnehmer abschließend an.

Zurück zum Beginn des Tages: Oswald Burger, seit 1991 Organisator, Moderator und Autor in Personalunion, stellte zu Beginn den Vergleich zwischen Stadt und Forum her: „In der Zeit seit den 1960er-Jahren gibt es erst den zweiten Oberbürgermeister und den zweiten Forumsvorsitzenden.“ „Und auch erst den zweiten Kulturamtsleiter“, meldete sich Hermann Spang zu Wort. Wie er die Tatsache, dass die Literaten immer wieder nach Wangen kämen, als eine Auszeichnung für die Stadt erachtete.

„Ein bisschen zu manieriert“

Michael Lichtwarck-Aschoff machte mit den ersten Seiten seines Buchs „Der Sohn des Josef Schneider“ den Anfang der Leserunden. Ihm folgten Albrecht Gralle, Marcus Hammerschmitt, Christine Langer, Bastian Kresser, Simone Adams, Marlies Birkle, Christine Walker, Kurt Oesterle und Martin Obrecht mit Lyrik und Prosa. Sätze der aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angereisten Autoren im Alter zwischen 37 und 69 Jahren wie „Wer nicht dabei war, der weiß am besten, wie es war“, „Was nicht erlaubt war, das wurde zur Pflicht“ oder „Die Kleider trocknen mir am Leib, zwölf Fehler sind mein Heimatland“ bleiben in Erinnerung.

Während es offensichtlich leichter fiel, einen fortlaufenden Text und dessen Inhalt zu bewerten (zum Beispiel: „Gefällt mir gut, weil viel Lebenswirklichkeit drinsteckt“), waren die Ansichten über die Gedichte doch sehr viel schwerer zu fassen. Die Rückmeldungen reichten von „beeindruckend“ bis „ist persönlicher Geschmack“. Jury-Mitglied Stefanie Kemper brachte es auf den Punkt. Sie glaubte, dass es sinnvoller wäre, jedes Gedicht einzeln durchzugehen, um sich ein abschließendes Urteil bilden zu können.

Im weiteren Verlauf der Beurteilungen hörte man Worte wie „ein bisschen zu manieriert“, „Wiederholungen machen kaputt“ und „Philosophensprache hat in Gedichten nichts zu suchen“. Jemand glaubte sogar, dass man aus einem bestimmten Gedicht „so viel mehr hätte machen können“. Und es tauchte die Frage nach Perspektiven, nach der Richtigkeit des gewählten Erzählers und der tatsächlichen Notwendigkeit des erhobenen Zeigefingers auf. Gerne durfte auch geschmunzelt werden. Nachdem Albrecht Gralle in sein historisches Buch „Märchenhafter Tod“, das die Zeit des 19. Jahrhunderts in Württemberg beleuchtet, ein „schwäbisches Soir Vivre“ untergebracht hatte, wurde dies allgemein als „Kühnheit“ bezeichnet.

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