Am BSW konnten alle Lehrerstellen besetzt werden.
Am BSW konnten alle Lehrerstellen besetzt werden. (Foto: ARChiv: bee)

Nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung droht den Beruflichen Schulen in Deutschland ein massiver Lehrermangel. Demnach würden bis 2030 insgesamt rund 60 000 Lehrkräfte gebraucht, weil bis dahin die Hälfte der derzeitigen Berufsschullehrer in Pension gehe (die SZ berichtete). Laut Regierungspräsidium (RP) Tübingen sieht die Situation am Beruflichen Schulzentrum Wangen (BSW) zumindest aktuell vergleichsweise gut aus.

Die Unterrichtsversorgung am Beruflichen Schulzentrum Wangen lag im Schuljahr 2017/18 bei 95,1 Prozent, wie das RP Tübingen auf SZ-Anfrage mitteilt. Genaue Zahlen für das aktuelle Schuljahr lägen noch nicht vor, es hätten jedoch am BSW heuer alle Stellen besetzt werden können, auch in seltenen Fächern wie der Milchtechnologie, sagt ein RP-Sprecher: „Auch konnten für die Lehrkräfte, die gleich zu Beginn des Schuljahres wegen Mutterschutz längerfristig ausfielen, geeignete und sehr gut qualifizierte Vertretungslehrkräfte befristet eingestellt werden. So startete die Schule mit einer guten Unterrichtsversorgung in das Schuljahr.“

Allgemein zeige sich jedoch, dass aktuell Vertretungslehrkräfte nur noch schwer zu bekommen seien. „Sollte es daher im Laufe des Schuljahres zu weiteren längerfristigen Ausfällen aufgrund von Krankheit oder Mutterschutz/Elternzeit kommen, könnte sich dies entsprechend auf die Unterrichtsversorgung auswirken“, der Sprecher des Regierungspräsidiums weiter.

Nach Prognosen des Statistischen Landesamts würden die Schülerzahlen an den Beruflichen Schulen landesweit aber in den kommenden Jahren kontinuierlich abnehmen. Trotz des geänderten Ausbildungsangebots durch den Start der Strukturreform sind die Schülerzahlen am BSW mit derzeit knapp 2000 aktuell ungefähr gleich geblieben.

Im Gegensatz zum Standort Wangen haben die Berufsschulen in Ravensburg Schwierigkeiten, manche freigewordene Stelle zu besetzen. Probleme gebe es schon jetzt in bestimmten Fachrichtungen, wie ein weiterer RP-Sprecher auf SZ-Anfrage erklärt. An der Gewerblichen Schule bestünden demnach aktuell Engpässe in den Fächern Farbtechnik, Raumgestaltung und Medientechnik, weil es an Bewerbern für diese Stellen fehle. Auch um Naturwissenschaften zu unterrichten, würden sich zu wenig Lehrer bewerben. In diesen Fächern sei es deshalb auch jetzt schon schwierig, im Krankheitsfall oder für Lehrerinnen in Mutterschutz geeignete Vertretungslehrer zu finden.

Auf lange Sicht dürfte sich nach Erwartung des RP das Problem der Nachbesetzung von Lehrerstellen weiterhin auf einzelne Fächer konzentrieren. Gerade in den gewerblichen Fächern und den Naturwissenschaften gebe es auch die Möglichkeit des Seiten- oder Direkteinstiegs.

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