Klöppeln: Mehr als bloße Handarbeit

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Klöppelhochburg Wangen – 4000 Handarbeiter erwartet

Wissen Sie, was klöppeln ist? Klöppeln ist eine Handarbeitstechnik, die bis ins 16. Jahrhundert zurück reicht. Heute gibt es immer noch viele Klöppel-Fans und rund 4000 von ihnen werden an diesem Wochenende in Wangen im Allgäu erwartet. Rahel Krömer hat sich beim 35. Deutschen Klöppelspitzenkongress in der Allgäustadt umgesehen.

Schwäbische Zeitung
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Es herrscht reger Betrieb im Eingangsbereich der Anton-von-Gegenbaur-Schule in Wangen. Doch statt von Schülern wird die Schule in diesen Tagen von Klöpplerinnen bevölkert. Sie sind aus ganz Deutschland zum 35. Klöppelspitzenkongress des Deutschen Klöppelverbands angereist. In den nächsten Tagen werden Tausende Besucher in Wangen erwartet. Den ersten Vorgeschmack, was hinter dieser filigranen Handwerkskunst steckt, bekamen Oberbürgermeister Michael Lang und Vertreter der Presse am Donnerstag bei einer Führung durch die Kurse.

Nervös, aber sichtlich erfreut ob des Interesses begrüßen die Verbandsvorsitzende Dorothee Spies und ihre Stellvertreterin Sabine Pichl die Besucher, bevor der Rundgang startet.

Erster Stopp ist der Kurs von Martina Kampmann, der das Thema „Funktionsspitze“ behandelt. Auf den ersten Blick herrscht Chaos auf den Arbeitstischen: Jede Menge Material von den Klöppeln über Nadeln und verschiedene Fäden liegt herum. Auf den zweiten Blick wird aber schnell ersichtlich, dass dem nicht so ist. Die Frauen, die hier an ihren Stücken arbeiten, wissen genau wo was liegt, und jeder Handgriff sitzt. Die Fäden werden mit Hilfe der namensstiftenden Klöppel, an denen sie mit einem Ende befestigt sind, ineinander verflochten. Der fertig geflochtene Faden wird dann um eine Nadel, die im Klöppelkissen steckt, gelegt und dann beginnt es wieder von vorne. Nur in die andere Richtung. So geht es hin und her. Die Nadeln werden nach einem Muster gesteckt, dass auf dem Klöppelkissen befestigt ist. Dadurch entstehen in vielen kleinen Schritten die fertigen Stücke.

Die Damen sind merklich stolz auf ihre filigranen Arbeiten. Der Art des Klöppelmaterials sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. Alles was lang genug ist und um eine Nadel gelegt werden kann, kann benutzt werden. Draht, Bast, Papier – alles möglich. Dorothee Spies erinnert sich: „Wir hatten auch schon verrückte Sachen. Mit Kanülen aus dem Krankenhaus zum Beispiel.“

Im nächsten Kurs sitzt Marion Steinbeck aus der Nähe von Dortmund. Über 600 Kilometer hat sie auf sich genommen, um am Kurs und am Kongress teilzunehmen. Aber auch um Bekanntschaften wieder zu treffen. Man kennt sich schon vom letzten Mal. „Hier tanke ich meine Batterien fürs ganze Jahr auf“, sagt sie und widmet sich mit einem seligen Blick wieder ihrer Arbeit. Diesen Blick haben alle Teilnehmer im Kurs, während sie über ihren Stücken sitzen. Auch der einzige Mann im Raum. Geredet wird so gut wie gar nicht während der Arbeit. Zu vertieft in ihre Aufgabe sind sie. „Auf die Handgriffe konzentrieren muss man sich nicht mehr, wenn man es einmal raus hat. Es ist einfach eine sehr beruhigende Tätigkeit“, erklärt Dorothee Spies. Und das obwohl für aufwendigere Arbeiten schon einmal mehrere Hundert Klöppel verwendet werden.

Bekannt als „das Duracellhäschen unter den Klöpplerinnen“

Eine langwierige ist es aber auch. Für ihre Tasche, die Kursleiterin Barbara Corbit präsentiert, habe sie 14 bis 15 Abende gebraucht. Das ist schnell, denn wie Sabine Pichl lachend einwendet, ist Barbara Corbit als „das Duracellhäschen unter den Klöpplerinnen“ bekannt. Bevor es mit dem eigentlichen Klöppeln losgehen kann, muss erstmal das Muster entworfen und gezeichnet werden, aus dem dann eine Vorlage, der sogenannte Klöppelbrief, erstellt wird. Mehr dazu lernen die Teilnehmer des Kurses von Ute Klug.

Verschiedene komplex aussehende Entwürfe haben die Frauen vor sich liegen und sind am Zeichnen. Ute Klug macht das mittlerweile ganz modern mit dem Zeichencomputer. „Dafür sind aber Vorkenntnisse nötig, die man nur durch das Zeichnen mit der Hand lernt“, sagt sie. Die fertigen Entwürfe landen in den Mappen der Kursteilnehmerinnen. „Das ist der größte Schatz einer Klöpplerin“, erläutert Sabine Pichl. Trotzdem lassen sich die Teilnehmerinnen gerne gegenseitig in ihre Mappen schauen. Nur ungefragtes Kopieren der Entwürfe sei gar nicht gern gesehen. „Wie bei jedem anderen Künstler auch“, führt die stellvertretende Vorsitzende aus. Damit verdeutlicht sie gleichzeitig das Selbstverständnis der Kursteilnehmerinnen. Klöppeln ist eben nicht bloß Handarbeit, sondern Handwerks-kunst.

Die Öffnungszeiten der Ausstellungen des 35. Klöppelspitzenkongress in Wangen:

Freitag, 21 April: 10 - 17 Uhr

Samstag, 22 April: 9 - 17 Uhr

Sonntag, 23 April: 9 - 12 Uhr

Klöppelhochburg Wangen – 4000 Handarbeiter erwartet

Wissen Sie, was klöppeln ist? Klöppeln ist eine Handarbeitstechnik, die bis ins 16. Jahrhundert zurück reicht. Heute gibt es immer noch viele Klöppel-Fans und rund 4000 von ihnen werden an diesem Wochenende in Wangen im Allgäu erwartet. Rahel Krömer hat sich beim 35. Deutschen Klöppelspitzenkongress in der Allgäustadt umgesehen.

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