Kardinal Walter Kasper feiert Diamantenes Priesterjubiläum

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Schwäbische Zeitung
Vera Stiller
Redakteurin

Unter großer Anteilnahme der Christengemeinschaft aus Stadt und Land hat am Ostermontag Kardinal Walter Kasper sein Diamantenes Priesterjubiläum begangen. Der Festtag begann mit einem würdevollen, von Chor, Solisten und Instrumentalisten musikalisch gestalteten Gottesdienst in St. Martin. Dort, wo Kasper Ostern 1957 seine Primiz gefeiert hatte.

Als mit dem großen Halleluja von Georg Friedrich Händel die Messfeier ihren grandiosen Abschluss erlangte, da hatten die Gäste in der voll besetzten St. Martinskirche einen ebenso würdevollen wie menschlich warmen Gottesdienst miterlebt. Klang doch aus allem Gesagten, Gesungenen oder Musizierten die Hochachtung für und die Freude über einen Mann heraus, der trotz seiner weltumspannenden Kirchenkarriere immer wieder gerne in seine Heimatgemeinde zurückkehrt.

Erste Besucher sehr früh in der Kirche

Bereits eine Stunde zuvor waren die ersten Besucher ins Gotteshaus gekommen, um sich einen schönen Platz im Mittelschiff der österlich geschmückten Kirche zu sichern. Man wollte möglichst nah den Einzug der zahlreichen Ministranten, Priester und Würdenträger miterleben und einen guten Blick auf die Geschehnisse im Altarraum haben. Von Pfarrer Claus Blessing insbesondere begrüßt wurde zu Beginn der Messe Prominenz aus Kirche, Staat und Gesellschaft wie aus der Reihe der Familie von Walter Kasper.

„Ich kann es kaum glauben, dass zwischen meiner ersten Heiligen Messe und der ersten Predigt tatsächlich 60 Jahre lieben.“ Mit diesen Worten und dem Hinweis auf seinen Wahlspruch aus dem zweiten Korintherbrief („Nicht Herren eures Glaubens sind wir, sondern Diener eurer Freude“) erinnerte Kardinal Walter Kasper in seiner Ansprache an die Stationen seines langen priesterlichen Lebens. Wobei es ihm besonders wichtig war, auf das Zweite Vatikanische Konzil mit seinem „Aufbruch zur Ökumene“ und dem damit verbundenen „Zusammenrücken“ hinzuweisen.

„Ich wollte einfach nur Pfarrer werden...“

„Ich wollte einfach nur Pfarrer werden – habe es aber nie geschafft“, sagte der 84-Jährige mit einem Lächeln und verdeutlichte: „30 Jahre lang lehrte ich als Professor für Dogmatik an Universitäten und wurde im April 1989 zum Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart berufen.“ Auch nach Rom habe er nie gewollt, gestand Kasper. Der Umzug in die Heilige Stadt sei einem Sprung ins kalte Wasser gleichgekommen. Und doch, so der Kardinal, habe er es nie bereut.

Die Versöhnung zwischen der Ost- und Westkirche sei für ihn eine „faszinierende Aufgabe“ gewesen. Weil man diese Arbeit aber nicht vom Schreibtisch aus machen könne, habe er sich viel auf Reisen begeben. Um nicht nur andere Kulturen und andere Hautfarben kennenzulernen, sondern zu erfahren, „dass man einer großen Familie angehört“.

Nichts, so das Fazit von Kardinal Kasper, sei von ungefähr gekommen, sondern von Gott, „der die Fäden unseres Lebens in der Hand hält“. Wie einst die Jünger, so begleite Jesus Christus auch uns heutige Menschen auf dem „Emmaus-Weg“, damit auch wir erkennen könnten: „Jesus ist nicht tot, er lebt.“

„Wie geht es mit der Kirche weiter?“

Der Dank „für alles, was ich tun durfte“ führte den Kardinal hin zu der Frage: „Wie geht es mit der Kirche weiter?“ Nicht nur die Welt sei aus den Fugen geraten, auch die Kirche befinde sich in einer schweren Übergangssituation. „So kann es nicht bleiben“, war Kasper sicher und zeigte sich überzeugt davon, dass nicht „moderne Schminke“ weiter helfe, sondern dass ein Neuanfang allein aus dem österlichen Glauben und in einer „Umkehr zu Gott“ entstehen könne.

„Ohne Gauben an den lebendigen Gott und an das Christentum würden wir unsere Seele verlieren“, sagte der Geistliche und wunderte sich: „Warum sind wir so oft freud- und mutlose Christen?“ Den Priestern sprach Kasper die Aufgabe zu, Menschen Halt und Hoffnung zu geben und sie das Beten zu lehren. Und nachdem er für sich „eine Zeit der Ruhe“ gewünscht hatte, rief er den Anwesenden zu: „Bleibt fröhlich in der Hoffnung, seid österliche Menschen!“

July bekennt sich zu Kaspers Einfluss

Noch innerhalb der Kirchenmauern überbrachte Landesbischof Frank Otfried July die Grüße und Glückwünsche der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und freute sich darüber, „dass Walter Kasper schon an dem Studenten July ökumenisch gewirkt hat“. Und Prälat Clemens Stroppel, Generalvikar der Diözese Rottenburg-Stuttgart, war es, der den Kardinal einen „Brückenbauer“ nannte. Walter Kasper habe „in der Frage der Liebe immer wieder nachgebessert“ und „den Blick für alle Christen auf Jesus Christus gerichtet“.

Nachdem die Niederwangener Bürgerwehr draußen auf dem Marktplatz für den Wangener Ehrenbürger Salut geschossen hatte, ging es in den Gemeindesaal zu einem zwanglosen Empfang, in dessen Mittelpunkt die Begegnung stand. Man traf sich, schüttelte Hände, freute sich über das Wiedersehen. Viele bahnten sich einen Weg durch die Menschenmenge, um Kardinal Kasper persönlich zu gratulieren.

Russisches Straußenei als Geschenk der Stadt

Und der Jubilar? Der strahlte über das ganze Gesicht, ließ keine Gelegenheit aus, um sich an diese oder jene Begebenheit erinnern zu lassen und hierzu seinen Beitrag zu leisten. Beglückt zeigte er sich auch über das von Oberbürgermeister Michael Lang übergebene Geschenk der Stadt Wangen: ein von einem russischen Künstler bemaltes Straußenei mit der Abbildung des Heiligen Martins und einer Widmung, die an diesen schönen Tag erinnern soll.

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