Jungstorch der Erba stürzt bei erstem Flugversuch ab

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Claudia Bischofberger

Der erste Flugversuch für einen der drei Jungstörche vom Erbakamin ist dramatisch geendet. Er flog gegen das Gebäude des ehemaligen Erba-Altenheims, prallte auf ein Autodach und landete schließlich auf der Straße.

Eine aufmerksame Anwohnerin hatte die Szene am vorletzten Sonntag mitbekommen und informierte umgehend die beiden Vogelexperten, Gerhard Lang und Georg Heine des Naturschutzbunds (Nabu) Wangen. Als sie am Ort des Geschehens in der Christian-Fopp Straße eintrafen, hielt die Frau den Storch fest und versuchte ihn mit Wasser zu versorgen. Nach genauer Unterschung des Vogels stellten Heine und Lang fest, dass kein Flügel gebrochen war und es auch sonst keinen Grund gab, einen Tierarzt hinzuzuziehen. Mit ein wenig Ruhe könnte das Tier bald wieder in die Freiheit entlassen werden können. Gerhard Lang nahm ihn daher mit nach Hause.

In seiner Obhut verbrachte der Jungstorch dort eine Nacht. Er bekam Putenfleisch und hätte auch Wasser getrunken, so der Vogelexperte. Die Speiballen waren von Gerhard Lang in ein veterinär-biologisches Speziallabor nach München geschickt worden. Dort fand man nach heraus, dass die Mahlzeit des Vogels vor seinem Flugversuch aus mindestens zwei Mäusen bestanden hatte.

Am nächsten Tag beschlossen Lang und Heine, den Storch in einem Niederwangener Feld seinen Artgenossen zu übergeben. Auf der Wiese befanden sich an jenem Morgen mindestens acht Störche. Laut Gerhard Lang waren auch einige Jungstörche darunter. Alles sei ruhig und besonnen ablaufen. Weich in einen Karton gebettet sei das Tier, das keinerlei Angst oder Panik zeigte, vom Auto an den Rand der Wiese transportiert worden. Vorsichtig wurde der Storch auf die Beine gestellt. Auf etwas wackeligen Beinen stakste er davon und erblickte auch gleich seine Artgenossen. Immer wieder schlug er mit den Flügeln, so als wolle er feststellen, dass noch alles funktionierte.

Jungstorch geht in die Knie

Schon bei der ersten Annäherung an einen Storch ging der junge Vogel vor seinem Artgenossen in die Knie und flatterte aufgeregt mit den Flügeln. Diese Geste könne man laut den Vogelexperten als eine Art Betteln interpretieren, die die Jungvögel ausführen, wenn die Elterntiere mit Futter ankommen. „Unter den dort anwesenden Störchen war sicher ein Geschwistervogel und ein Elternteil des verunglückten Storches“, so Lang. In den darauffolgenden Tagen habe man immer wieder eine Gruppe Alt- und Jungstörche auf dieser Wiese beobachten können. Dies führe zu der Gewissheit, dass mindestens zwei der Erba-Jungstörche Bestandteil der Gruppe seien, so Lang.

Die jüngste Kontrollen am Kamin der Erba hätten ergeben, dass noch ein flügger Jungvogel von den Eltern gefüttert würde und immer wieder Flugversuche am Nest mache. Nach dem Absturz des eines Jungstorchs beobachten die Anwohner die Bewegungen am Nest sehr genau und würden sofort Hilfe durch den Nabu verständigen, sollte sich etwas Derartiges wiederholen.

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