Ins mehr als 500-jährige Hensler-Haus in Wangen zieht wieder Leben ein

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OB Michael Lang wünschte Andrej und Sarah Mach viel Glück und dankte Elisabeth und Ernst Hensler für ihr Engagement in Sachen S
OB Michael Lang wünschte Andrej und Sarah Mach viel Glück und dankte Elisabeth und Ernst Hensler für ihr Engagement in Sachen Sanierung (von links). (Foto: weber)
Schwäbische Zeitung
Redaktionssekretariat

Mit der offiziellen Eröffnung des „Vivo – Café Restaurant Bar“ ist wieder Leben ins Hensler-Haus eingekehrt. Schließlich bedeutet „Vivo“ nichts anderes als Leben. Das 1505 erbaute Haus erstrahlt nach 27 Monaten Bauzeit in neuem Glanz. Über der Gastronomie hat sich vor zwei Wochen die Werbeagentur FFI angesiedelt. In den drei Stockwerken darüber entstehen laut Elisabeth Hensler drei Ferienwohnungen und mehrere, größere Mietwohnungen.

„Mit dem ,Vivo’ wäre eine Traum verwirklicht“, sagte Sarah Mach, Betreiberin des neuen Café Restaurants, bei ihrer Begrüßung. Ende 2015 sei der erste Kontakt zur Familie Hensler entstanden. Durch viele Höhen und Tiefen seien sie und Ehemann Andrej gegangen, bis nun endlich – am Freitag mit geladenen Gästen, am Sonntag für die Öffentlichkeit – das Restaurant eröffnet werden konnte.

„Wir sind sehr froh, dass wir uns für euch entschieden haben“, sagte Ernst Hensler, Geschäftsführer der Anton Hensler GmbH & Co. KG, Eigentümer, Bauherr und Investor des markanten Gebäudes an der Bindstraße. „Wo immer wir unterstützen können, tun wir es.“ Hensler ging auch auf die Chronik des Gebäudes ein – und auf die Hintergründe, warum das Hensler-Haus 15 Jahre lang mehr oder weniger im Dornröschenschlaf schlummerte. Seit 1998 stand das Gebäude leer. Seit 1998 gab es auch eine Baugenehmigung: „Wir haben dann mit der Bauvorbereitung begonnen.“ Dass dann die Baustelle ins Stocken geriet, dazu hätten, so Hensler, „viele Mitwirkende und noch mehr Mitredende aus nah und fern“ beigetragen. Zwischen 2002 und 2006 wurden dann drei Hensler-Gebäude in Lindau angegangen und saniert. „Und in Wangen kam ein Bauzaun drum herum.“

Wenig Traurigkeit über Streichung von Denkmalliste

Die Traurigkeit hielt sich in Grenzen, als das Haus von der Denkmalliste gestrichen wurde, so Hensler. In Wangen hätte sich im Laufe der Zeit auch eine „andere Sichtweise auf die Dinge“ durchgesetzt: „Auch in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit.“ Vor fünf Jahren habe er von der Stadt zugesichert bekommen, voll unterstützt zu werden: „Dann sind wir das Thema angegangen.“ Den eigenen Bauzeitenplan habe die Hensler GmbH Anfang 2016 um sechs Monate nach hinten verlegt und mit jenem der Stadt zusammengelegt: „Wir haben uns in die Sanierung der Bindstraße integriert.“

Kritisch hinterfragte Ernst Hensler, ob es sich beim Hensler-Haus nun um ein Gerber- oder ein Kaufmannshaus handle. Fakt ist: 1907 war Anton Hensler Senior mit seinem Spezereiwarengeschäft von Niederwangen nach Wangen gekommen. „Ich als Handelsunternehmer habe es als Handelshaus erlebt“, sagte Ernst Hensler als Vertreter der vierten Generation. Die fünfte Generation ist mit Diplom-Kauffrau und Tochter Elisabeth im Übrigen vor sieben Jahren ins elterliche Unternehmen eingetreten: „Die Kaffeerösterei in Lindau leitet sie alleine.“ Daneben war sie auch in die Sanierung des Hensler-Hauses in Wangen eingebunden. Laut Ernst Hensler war es eine „sehr spannende, herausfordernde Baustelle“. Das „Gesicht“ des Hauses, seine optische Gestaltung, wurde jener Farb- und Dachgebung des Jahres 1952 angepasst – einschließlich der Fensterläden.

„Heute ist ein Tag für die Geschichte“, sagte Oberbürgermeister Michael Lang, nachdem er Sarah Mach zur Existenzgründung gratuliert hatte. Nahezu auf den Tag genau könne die Sanierung des Hensler-Hauses und der Bindstraße abgeschlossen werden. Auch Lang ging auf die Historie des Hensler-Gebäudes ein, auf den Brand des Hauses und seinen Neuaufbau im Jahre 1775: „Über 200 Jahre gehörte das Haus den Gerbern. Es hat dann Jahre gebraucht, bis man sich eine neue Planung überlegte.“ Auch dieser Zeitensprung zeige, dass es mitunter Zeit brauche, um eine neue Nutzung zu finden, sagte Lang in Anspielung auf den Leerstand und die Ruhephase des Hensler-Hauses zwischen 1998 und 2014.

Noch ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen wird nun die Fertigstellung der drei oberen Stockwerke. „Wir möchten auch ein bisschen den Druck raus nehmen“, erklärte Elisabeth Hensler. Ganz oben, im Dachgeschoss, wurde im Übrigen die Technik untergebracht. Es sei, sagt sie, wohl der Technikraum mit der schönsten Sicht über Wangen.

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