Großer Jubel bei Mannschaft und Fans: die MTG Wangen bleibt in der Württembergliga.
Großer Jubel bei Mannschaft und Fans: die MTG Wangen bleibt in der Württembergliga. (Foto: Saschae Riethbaum)
Schwäbische Zeitung
Uli Coelius

MTG: Kucera, Nerger (beide Tor); Bächle, Fischer, Glatzel, Köhler, Kuttler, Aaron Mayer, Elia Mayer, Natterer, David Paul, Schnitzer, Staudacher, Straub.

Die Stimmung in der für gewöhnlich brodelnden „Hölle Süd“ hat sich überraschend in Grenzen gehalten. Womöglich allzu deutlich fiel am Samstagabend in der Argensporthalle der 35:23 (18:13)-Erfolg der Wangener Handballer im Bezirksderby gegen den längst gesicherten TV Gerhausen aus. Bereits gut eine Viertelstunde vor Abpfiff beim Stand von 24:16 lud der euphorisierte Hallensprecher zur Klassenerhaltsfeier ein. Die MTG bleibt nach einer insgesamt „vogelwilden“ Saison definitiv Mitglied der Württembergliga Süd. Was in den letzten zwei Spieltagen folgt, ist lediglich die Kür.

„Es fühlt sich gut an.“ Diese fünf Worte wiederholte Trainer Timo Feistle, der zusammen mit Reinhard Geyer die MTG Wangen innerhalb von vier Spieltagen vom Tief zurück ins Hoch beförderte, bei gefühlten 60 Sekunden in unterschiedlichsten Tonlagen mindestens vier Mal. Feistle wäre freilich nicht Feistle, schon in der Vergangenheit ein Erfolgsgarant für Wangener Stabilität, wenn er in den Katakomben der weitläufigen Argensporthalle fast strohtrocken angefügt hätte: „Ich war mir sicher, dass wir das schaffen.“

Am 17. März hatte das Trainergespann Feistle/Geyer erstmals auf der MTG-Bank gesessen als Nachfolger von Markus Rosenwirth, der vielleicht die Zügel im Wangener Team ein wenig zu locker ließ. Es folgten der 35:28-Sieg bei Absteiger HSG Albstadt, das ungewöhnlich souveräne 28:17 beim HV RW Laupheim, immerhin Gewinner des Pokals um den Württembergischen Handball-Verband (HVW), das 25:25 im zweiten Bezirksderby beim TSV Bad Saulgau – der Traditionsverein ist neben Albstadt nun zweiter Absteiger – sowie schließlich das konzentriert heraus gespielte 35:23 gegen Gerhausen. Timo Feistle sehr sachbezogen: „7:1 Punkte können sich sehen lassen, seit Reinhard und ich die MTG wieder übernommen haben. Nach dem letzten Spieltag ist aber Schluss.“

Mayer sicher vom Punkt

Aaron Mayer, Regisseur und Torjäger (allein sieben Siebenmeter gegen Gerhausen sicher verwandelt) definiert den Klassenerhalt über eine „mannschaftliche Geschlossenheit. Auf Grund meiner beiden langwierigen Verletzungen muss ich mich ohnehin ganz hinten anstellen. Fakt aber ist, wir gewinnen und wir verlieren gemeinsam.“ Ein zufriedenes Grinsen kann sich der 22-Jährige dennoch nicht verkneifen: „Mag sein, dass wir vor der Saison zu viel erwartet haben. Trotz allem machen wir jetzt die Nacht zum Tage.“

Der stets vorbildliche Kapitän Sebastian Staudacher, der nach eigenem Bekunden auf alle Fälle eine weitere Spielzeit dran hängt, gibt zu bedenken, „dass wir überwiegend noch immer eine sehr junge Mannschaft sind.“ Dass es sozusagen auf den letzten Drücker zum Klassenerhalt reichte, führt der 28-jährige „Oldie“ im MTG-Team primär auf eine „stabile Abwehr“ sowie ein „akzeptables Angriffsverhalten“ zurück.

Als es für die Wangener in der Tat drauf ankam, reduzierten sich die Ausfälle auf ein Minimum. „Endlich konnten wir wieder richtig gut trainieren“, verrät Aaron Mayer. Gegen Gerhausen ließ die MTG wahrlich nichts anbrennen in der berüchtigten „Hölle Süd“. Wobei die Gäste allenfalls in der Person von Trainer Jochen Trinkner quasi über einen Aktivposten verfügten. Ansonsten jedoch ließ der Gegner, bisweilen träge wie eine Holzeisenbahn mit Batteriebetrieb, die Wangener nach Herzenslust schalten und walten. Die MTG erlaubte sich bei einer überwiegend couragiert zupackenden 6:0-Abwehr und konstruktivem Konterhandball – herausragend Keeper Sebastian Nerger – nur wenige Wackler. Letztendlich stand der ungefährdete Sieg schon zur Pause fest (18:13).

Einen Schönheitspreis, geschweige denn Bestleistungen in Richtung machbarer Top-Fünf-Platzierung, haben die Wangener in ihrer wankelmütigen Saison aber in keiner Weise verwirklicht. „Ganz klar, nach dem letzten Spieltag muss diese Spielzeit gründlich aufgearbeitet werden“, weiß Timo Feistle. „Dann allerdings ohne Reinhard Geyer und mich.“ Es ist gerade noch mal gut gegangen für die MTG. Und vielleicht macht es bei der anstehenden Trainersuche für 2018/2019 durchaus Sinn, eine externe Lösung vorzuziehen. Zukunftsmusik. Noch. „Jetzt soll die Mannschaft erst einmal gebührend feiern. Das hat sie sich verdient“, findet Timo Feistle. Wie gesagt, zwei Spiele bleiben, gegen Heiningen (Vierter) und bei Aufsteiger Fridingen/Mühlheim (Sechster). Kür. Danach allerdings muss eine schonungslose Bilanz folgen. Mit allem Drum und Dran.

MTG: Kucera, Nerger (beide Tor); Bächle, Fischer, Glatzel, Köhler, Kuttler, Aaron Mayer, Elia Mayer, Natterer, David Paul, Schnitzer, Staudacher, Straub.

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