Heike Barth (rechts) vom DRK-Blutspendedienst „zapft“ Selina Gsell einen halben Liter Blut ab.
Heike Barth (rechts) vom DRK-Blutspendedienst „zapft“ Selina Gsell einen halben Liter Blut ab. (Foto: Steppat)
Redaktionsleiter

Blutspenden sind wichtig: Darauf weisen Experten immer wieder hin. Andererseits nimmt die Spendenbereitschaft stetig ab, heißt es. Am Freitag war wieder einmal Blutspendetermin in Wangen. Ein Ortsbesuch.

Es ist kurz nach 15 Uhr: Am Eingang der Alten Sporthalle bilden zehn bis 15 Menschen eine kleine Warteschlange. Gleich sind sie mit ihrer Anmeldung an der Reihe. Anschließend durchlaufen sie quasi einen Parcours mit diversen Stationen. Am Ende, etwa eine Stunde später, werden nicht nur diese Leute einen halben Liter Blut verloren haben – unter anderem dafür, dass andere im Notfall überleben können.

Zwischen 280 und 350 Menschen kommen im Schnitt zu den vier Spendeterminen, die das Deutsche Rote Kreuz Wangen und der DRK-Blutspendedienst jährlich in der Alten Sporthalle organisieren. Dazu gibt es noch je ein Termin in Neuravensburg und in Amtzell, berichten Christian Pilous und Carsten Schliz. Beide sind beim DRK Wangen tätig. Pilous als stellvertretender Leiter der Fachgruppe Information und Kommunikation, Schliz ist stellvertretender Bereitschaftsleiter.

Von einer Blutspendemüdigkeit wollen die beiden jungen Männer nicht unbedingt reden. Wohl aber sagt Pilous, dass die Bereitschaft in der Tendenz abnimmt. Allerdings werde auch immer mehr Blut gebraucht, nicht nur zur Versorgung von Schwerverletzten und bei großen Operationen, sondern auch für andere Patienten, etwa bei Bluttransfusionen.

Motivation für die Spende

Das weiß Selina Gsell ebenfalls. Auch sie schafft beim Wangener DRK ehrenamtlich, hauptberuflich arbeitet sie an den Fachkliniken: „Da sieht man, wie oft man Blutspenden braucht“, sagt sie – und zieht daraus ihre Motivation, als sie sich am Freitag zum zwölften Mal auf die Liege legt, um sich „anzapfen“ zu lassen.

Da hat Selina Gsell den Großteil des Parcours schon hinter sich: Nach der Anmeldung hatte sie sich an einen Tisch gesetzt und geschützt wie in einer Wahlkabine die nötigen Formulare ausgefüllt. Aus gutem Grund: Denn der Fragebogen hat es in sich. Es geht darin um Angaben zu Krankheiten, möglichem Rauschmittel- und Medikamentenkonsum, Auslandsreisen in exotische Länder und vieles mehr. Dieses „Vertraulicher Selbstausschluss“ Prozedere ist Grundlage für die Beantwortung der Frage, ob jemand spenden darf.

Sicher, grundsätzlich ist jeder dafür zugelassen, der über 18 ist. Allerdings gibt es gewisse Einschränkungen. Carsten Schliz hatte am Freitag zum Beispiel eine Frau bemerkt. Sie musste unverrichteter Dinge umkehren. Allerdings nicht etwa wegen Vorerkrankungen oder anderem, sondern schlicht, weil sie in den vergangenen zwölf Monaten besonders eifrig Blut gespendet und das zulässige Limit erreicht hatte.

Visite beim Arzt als Sicherheit

All dies geschieht, um die Qualität der Spenden zu sichern und die Spender selbst zu schützen. Dazu gehören auch die Teile drei und vier des Parcours: eine Laboruntersuchung und eine Visite beim Arzt. Dabei geht es um Dinge wie das Messen des Blutdrucks und der Körpertemperatur und – verdeckt hinter gelben Stoffwänden – im Gespräch mit einem Mediziner um mögliche Krankheiten.

Erst wenn die Formalitäten und die Gesundheitschecks absolviert sind, kommen Selina Gsell und die anderen Spenden wirklich zum Zug: Auf 15 Liegen nehmen ihnen Mitarbeiterinnen des Blutspendedienstes Blut ab. Das Ganze wirkt genauso sicher, fachgerecht und unaufgeregt wie sich die Atmosphäre an diesem Tag überhaupt in der Alten Sporthalle darstellt.

„Ein Taxi, bitte,“ ertönt der Ruf von einer der Liegen. Ein DRK-Mann signalisiert: „Sein“ Spender hat den halben Liter Blut abgenommen bekommen, er kann jetzt in die Ruhezone. Und zu den Stühlen und Liegen begleitet ihn ein menschliches „Taxi“. Aus gutem Grund. Denn manch einer mag sich unmittelbar nach der Spende durchaus wacklig auf den Beinen fühlen. Vor allem für Neulinge sei der Sevice gedacht, erzählen Christian Pilous und Carsten Schliz.

Und Schliz betont auch, dass dieser klare Ablauf, die Begleitung und die vertrauensvollen Gespräche mit Labormitarbeitern und Ärzten hilft, Ängste zu nehmen. Etwa davor, sich einen Fremdkörper wie die für notwendige Nadel in den Arm stechen zu lassen.

Wer genug Ruhe hat, ist eigentlich fertig und kann gehen. Eigentlich. Denn wer will, kann sich jetzt bedienen: an einem reichhaltigen Büffet, das von Warmem bis hin zu Salaten und Getränke vieles bereit hält, was das Spenderherz jetzt begehren mag.

Die Speisen stärken die Teilnehmer. Aber sie haben auch einen anderen Zweck, sollen sie doch die Blutspende an sich schmackhaft machen. Und zwar beim DRK. Denn Pilous und Schliz kennen noch einen anderen Grund für den in der Tendenz geringer werdenden Spenderstrom: Andere, private Anbieter zum Beispiel, locken auch mit Geld.

Das Wangener DRK wirbt aber nicht nur mit einem vollen Teller. In den vergangenen Jahren wurden auch Aktionen gestartet, so am Beruflichen Schulzentrum. Das habe wirklich etwas gebracht. Denn so hätten auch junge Menschen kennengelernt, was es heißt, Blut zu spenden – und möglicherweise Leben zu retten.

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