Geistliches Wort: „Natur und deren Früchte mit staunenden Augen betrachten“

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 Georg Wößner
Georg Wößner (Foto: Ulmer)
Schwäbische Zeitung

Erntekronen, aufgestapelte Kisten mit den verschiedensten Früchten aus unseren Gärten, den Wiesen und Feldern schmücken in den nächsten Tagen wieder unsere Kirchen. Voller Freude werden wir uns diesen prächtigen und farbenfrohen Gaben widmen und die Fülle der diesjährigen Ernte bestaunen und voller Dankbarkeit Gott dafür loben und danken.

Doch ist dies nur eine Momentaufnahme oder schwappt diese Begeisterung für all das auch in unser tägliches Leben über? Hält diese Dankbarkeit für das tägliche Brot in uns an oder ist es nicht schon längst zur Selbstverständlichkeit geworden?

Das Fest Erntedank, welches wir in den kommenden Tagen feiern werden, hat in unserem Kalender einen festen Platz. Die Tradition des Festes reicht bis ins 8. Jahrhundert zurück und findet nicht nur im christlichen Kontext seine Beheimatung. Auch die Ägypter, Griechen und Römer hatten das Bedürfnis, für ihre Ernte zu danken. Auch wenn aus Ernten großteils Einkaufen wurde und der Mensch sich immer mehr der Natur entfremdet, feiern wir dieses Fest mit voller Freude.

Wir feiern den Moment des Innehaltens und des Rückblicks auf all das, was wir geschafft haben und wofür wir Gott dankbar sind.

„Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“, so spricht der Priester während der Gabenbereitung in der Eucharistiefeier. Denn nur durch das Zusammenspiel von Mensch und Natur können wir eine gute Ernte einfahren. Ebenso bringen wir an diesem Tag auch unsere persönliche Ernte, unsere Erfolge vor Gott.

Gleichzeitig feiern wir den Ausblick auf das kommende Jahr. Denn eine Ernte will auch gut über den Winter gebracht werden. Im neuen Jahr sollen die Keime wieder sprießen. So gilt es, genau hinzuschauen, was ich im nächsten Jahr ernten will, und dementsprechend mit einer Grundhaltung der Dankbarkeit und Hoffnung wieder auszusäen. Sich der gemeinsamen Verantwortung für die Schöpfung bewusst zu werden und das biblische Wort „macht euch die Welt zu Untertan“ (Gen 1, 28) partnerschaftlich zu buchstabieren und unsere Welt nicht auszubeuten.

Wenn wir Erntedank ernst nehmen, führt uns dieses Fest wieder näher zur Schöpfung Gottes und somit auch zu uns selbst.

Öffnen wir bei der nächsten Autofahrt, dem Spaziergang oder dem Einkauf ganz bewusst die Augen für dieses Wunder und betrachten wir die Natur und deren Früchte mit staunenden Augen.

Viel Freude beim Staunen, Säen und Ernten wünscht Georg Wößner.

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