Peter Nessensohn, Frank Scharr, Klaus Schliz, Sebastian Scherer und Klaus Dadischek wollen für den Gemeinderat kandidieren.
Peter Nessensohn, Frank Scharr, Klaus Schliz, Sebastian Scherer und Klaus Dadischek wollen für den Gemeinderat kandidieren. (Foto: Steppat)
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Nach ihrer Ankündigung, bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr mit einer eigenen Liste für den Wangener Gemeinderat zu kandidieren, hat die hiesige FDP am Donnerstagabend in öffentlicher Runde erstmals Themen gesammelt und diskutiert. Dabei gab es zwei Kernthesen: Wangen gehe es zwar gut und Verwaltung sowie aktuelle Gemeinderatsfraktionen leisteten grundsätzlich vernünftige Arbeit. Allerdings fehle es manchmal am Mut – auch Themen anders oder neu zu denken. Zudem fehle es in der Stadt an Visionen über das Landesgartenschaujahr 2024 hinaus.

„Die Mitte muss Flagge zeigen. Und wir wollen gestalten und nicht etwas kaputt machen“, fasste Frank Scharr am Ende die gut einstündige und von rund zehn Anwesenden besuchte Runde im Gasthaus Schwarzer Hasen zusammen. Scharr, nach eigenem Bekenntnis erst seit kurzem Mitglied der Freien Demokraten, kündigte dabei auch seine eigene Kandidatur für den Gemeinderat an. Gleiches gilt für den Ortsverbandsvorsitzenden Sebastian Scherer und Klaus Schliz, die den Abend als Trio leiteten. Ferner sind auf einem Flyer bereits Klaus Dadischeck, Wolfram Bücking und Peter Nessensohn als potenzielle Stadträte vermerkt.

Am Donnerstag ging es aber nicht um Personen, sondern um Inhalte. Da stellte Scherer zunächst das Fehlen bezahlbaren Wohnraums, den Themenkomplex Parken/Verkehr/Innenstadt sowie einen absehbaren Mangel an Kurzzeitpflegeplätzen in den Mittelpunkt. Scharr ergänzte die Liste um die Breitbandversorgung sowie die Forderung nach besserem WLan in der Innenstadt.

„Alles so zäh“

Als es um Verkehrsthemen ging, stand zunächst vor allem die nach wie vor auf sich warten lassende Bahnunterführung an der B32 im Mittelpunkt – und die Furcht, dass diese bis 2024 nicht fertig werden könnte. Klaus Dadischeck bemerkte dazu: Es bewege sich zwar Vieles, „aber alles so zäh“. Aufgehängt an diesem Beispiel stellte sich auch heraus, dass es der Runde in Wangen an „Visionen“ mangele: Wie die Stadt nach 2024 hin wolle, sei nicht klar, weder bei der wirtschaftlichen und touristischen Entwicklung noch bei Innovationsfragen. Frank Scharr erklärte mit Blick auf die Jahre 2030 bis 2040: „Diese Fragen sind bei keiner Fraktion auf dem Zettel.“ Klaus Schliz forderte aber genau dies: „Der Bürger lebt nicht in der Vision. Das ist Aufgabe des Rates.“

Beispielhaft machte er dasan der Wohnungsbaupolitik deutlich: Baugebiete seien bislang immer nur dann ausgewiesen worden, wenn der Bedarf da sei. In Sachen Pflege fehle es angesichts einer alternden Bevölkerung vor allem an Konzepten für die Ortschaften: „Wenn wir da jetzt nicht in die Zukunft denken, dann haben wir die die Infrastruktur 2030 oder 2035 nicht fertig.“ Frank Scharr erweiterte die FDP-Kritik an den Perspektiven zudem um die langfristige Flächennutzung und benannte die Kauflandbrache, das ehemalige Dachsergelände und das im FDP-Flyer als „Argenbogen“ bezeichnete frühere NTW-Areal.

Unterm Strich waren dies kritische Worte in Richtung Stadtpolitik. Allerdings wollen die Freien Demokraten deren Arbeit nicht in Bausch und Bogen verdammen: „Uns geht es in Wangen relativ gut und Verwaltung und Rat haben keine schlechte Arbeit abgeliefert“, sagte zum Beispiel Scharr. Allerdings habe sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die Blickrichtung nie verändert. Dies zu ändern, „dafür werden wir Ohrfeigen kriegen ohne Ende. Aber das halten wir aus“, so Scharr. Sebastian Scherer sah das Verlassen von „Trampelpfaden“ gar als notwendig, der Politikverdrossenheit zu begegnen: Viele Menschen hätten das Gefühl, „dass sich gar nichts mehr bewegt“.

Zur Bewegung will hingegen die FDP beitragen, sollte sie 2019 den Einzug in den Gemeinderat schaffen. Ein bis zwei Vertreter gab Sebastian Scherer als Ziel aus. Bis dahin soll weiter an den Inhalten gearbeitet werden – allerdings „ohne vorgefasste Konzepte“, wie Frank Scharr betonte. Vielmehr wolle man auf die Wünsche der Bürger eingehen. Und Klaus Schliz kündigte für den Fall eines Wahlerfolgs den entsprechenden Dialog auch während der laufenden Legislaturperiode an.

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